Fußball-Deutschland rätselt über den kollektiven Blackout der Nationalmannschaft. Das 4:4-Heimremis nach verspielter 4:0-Führung gegen Schweden machte auch Bundestrainer Joachim Löw fassungslos. "Wir haben in den letzten 30 Minuten alles vermissen lassen. Das soll uns eine Lehre für alle Zeiten sein", meinte Löw nach dem totalen Systemabsturz seiner Truppe im Match der WM-Qualifikations-Gruppe C am Dienstagabend in Berlin.
Ein 4:0 zu verspielen, das war einem deutschen Nationalteam noch nie zuvor passiert. "Wir haben 60 Minuten überragend gespielt, was Kombinationen, Abschluss, Ordnung und Disziplin betraf", sagte Löw angesichts der klaren Führung durch Tore von Miroslav Klose (8., 15.), Per Mertesacker (39.) und Mesut Özil (55.).
Was danach folgte, versuchte Löw so zu erklären: "In den letzten 30 Minuten haben wir unheimlich viel falsch gemacht. Wir hatten nicht mehr die Ordnung und Sicherheit am Ball, plötzlich war eine große Unruhe da bei uns. Da ist vieles schiefgelaufen, wir haben das Spiel nicht mehr in den Griff bekommen."
Lahm: "Etwas, das nur schwer zu erklären ist"
Schwedens Starstürmer Zlatan Ibrahimovic eröffnete die historische Aufholjagd (62.), Mikael Lustig (64.), Johan Elmander (76.) und Rasmus Elm (93.) machten die Heldentat der Skandinavier perfekt. "Unerklärlich. Ich habe so etwas noch nie erlebt", meinte auch Deutschlands Mittelfeld-Chef Bastian Schweinsteiger. "Ich hoffe, dass das eine wichtige Lektion war", bemerkte Teammanager Oliver Bierhoff. "Das zeigt wieder, dass es im Fußball Sachen gibt, die nur schwer zu erklären sind", sagte Kapitän Philipp Lahm.
In Schweden werden die Teamkicker wie Helden gefeiert. "Das war die wildeste Hochschaubahnfahrt aller Zeiten", schrieb die Zeitung "Expressen". "Das ist einer der größten Siege aller Zeiten. Gebt diesen Helden eine Medaille", meinte das "Helsingbor Dagblad", obwohl es für den Kraftakt nur einen Punkt gab.
"Das ist Rock and Roll", freute sich "Göteborg Posten" über den Spielstil unter Teamchef Erik Hamren. Der Coach hob logischerweise die große Moral seiner Truppe hervor. "Wenn es zur Pause 0:3 steht, dann wollen Verlierer nach Hause gehen. Aber Sieger bleiben und kämpfen weiter", meinte Hamren.
(ag)
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