Wien. Die Worte von Marcel Koller, Österreichs Teamchef, erinnerten nach dem 4:0-Sieg über Kasachstan ein wenig an Ivica Osim. „Es ist wichtig, dass man weiß, wo man herkommt“, sagt Koller. „Wir sind nicht Weltspitze, wir sind nicht einmal Top 30, das muss man sich vor Augen führen.“ Ähnliches hat der ehemalige Sturm-Trainer auch immer wieder ins Treffen geführt, wenn Fans und Medien Erfolge in der Champions League gefordert haben. Der Nationaltrainer mahnt also auch vor voreiliger Euphorie. „Wir haben 4:0 gewonnen“, sagt der Schweizer. „Aber das war gegen Kasachstan, nicht gegen Deutschland, Schweden oder Irland. Die sind noch vor uns.“
Auf Hochrechnungen lässt sich Marcel Koller nicht ein. Das wäre auch nach drei Spieltagen ein wenig unseriös. „Der Sieg war wichtig, weil wir den Anschluss gefunden haben. Wir sind dabei und können in den direkten Duellen um den zweiten Platz kämpfen. Dazu müssen wir gegen Schweden und Irland Punkte mitnehmen.“ Mit dem Rechenschieber befasst sich der Teamchef nicht, „wir müssen auf dem Platz Leistung zeigen“.
Während in Astana am vergangenen Freitag nicht wirklich viel geklappt hat, sammelte das Team im „Rückspiel“ wieder Pluspunkte. Die Umstellungen des Teamchefs machten sich bezahlt, die neuen Kräfte – David Alaba und Marc Janko – rechtfertigten die Nominierung voll und ganz. Vor allem Alaba erweckte manchmal den Eindruck, als ob er in allen Gassen daheim wäre. „Ich wusste aus eigener Erfahrung, dass man im ersten Spiel nach einer Verletzung besonders motiviert ist“, sagt Koller. „Es freut mich, dass es so eingetroffen ist und Alaba sein erstes Länderspieltor gemacht hat. Das ist auch für Bayern München gut, weil die gesehen haben, dass er das erste Match problemlos überstanden hat.“
Ganz sicher war sich Koller anfangs aber nicht. „Er hat schon in der ersten Hälfte durchgeschnauft, da habe ich mir gedacht, hoffentlich reicht es bis zur Pause. Aber man braucht eben ein bisschen länger, um wieder in die Gänge zu kommen.“ Bei den Bayern wird er bald wieder zum Stammpersonal gehören, beim deutschen Rekordmeister ist der 20-Jährige allerdings als Linksverteidiger vorgesehen.
Lob gab es auch für Marc Janko, den zweifachen Torschützen, und Florian Klein. „Janko ist ein Stürmer von internationalem Format“, behauptet Koller. In der halben Stunde von Kasachstan hat er sich für Wien aufgedrängt. „Er war aggressiv, hat gezeigt, dass er unbedingt spielen will.“ Klein wiederum hat Garics verdrängt. Der Salzburg-Verteidiger war „offensiv, aktiv, viel im Ballbesitz“.
Unterm Strich werden die Aufstellungsvarianten immer mehr, Ivanschitz, Baumgartlinger und Garics haben ohne Murren ihre „Degradierung“ hingenommen. Dafür zollt ihnen Koller Respekt. „Es geht nicht darum, Schuldige zu finden. Es geht um den Teamgeist. Manchmal sind es taktische Überlegungen, manchmal ist es ein Bauchgefühl.“ Da wird der Schweizer dann fast schon ein wenig zum Wiener.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.10.2012)
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Kantersieg gegen Kasachen: Alaba und Janko entscheiden die Partie
