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Frauenfußball: Österreichs EM-Traum rückt in weite Ferne

22.10.2012 | 17:11 |  von Senta Wintner (Die Presse)

Vor einer Rekordkulisse in St. Pölten erteilte Russland im Play-off-Hinspiel der ÖFB-Elf eine Lektion in Sachen Effizienz und siegte 2:0. Für eine EM-Qualifikation bedarf es im Rückspiel schon eines kleinen Wunders.

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St. Pölten. Auch rund eine Stunde vor Anpfiff zum Play-off-Hinspiel des Frauennationalteams gegen Russland hatte der freundliche Herr am ÖBB-Schalter am Bahnhof St. Pölten seine Ruhe nicht verloren. Dabei musste er inzwischen mehr als nur einmal erklären und sich rechtfertigen, dass es keine öffentliche Verbindung zum Stadion gibt. Sonntags stehen die Busse in Niederösterreichs Landeshauptstadt nämlich still.

Trotzdem erwartete die ÖFB-Damen im Kampf um die erste EM-Teilnahme in der NV-Arena die Rekordkulisse von 3600 Zuschauern. Der Ansturm übertraf offenbar die Erwartungen, kurz vor Anpfiff musste noch rasch eine zusätzliche Tribüne geöffnet werden. Als der Stadionsprecher bei der Vorstellung Österreichs mit dem Namen der russischen Torfrau begann, erntete er noch verwirrtes Murmeln, dann aber folgten lautstarke Gesänge von den Rängen.

ÖFB-Trainer Dominik Thalhammer schickte dieselbe Elf wie beim Sensationserfolg gegen Dänemark aufs Feld und die Österreicherinnen nahmen auch sofort das Heft in die Hand. Vor dem gegnerischen Tor zeigten sie sich jedoch zu inkonsequent und unkonzentriert, Burger (16.) und Aschauer (22.) verfehlten. Und so stellten die bis dahin unscheinbaren Gäste den Spielverlauf auf den Kopf. Bei einer Flanke von Terechowa verlor die österreichische Viererkette den Überblick und Sawtschenkowa konnte völlig unbedrängt volley verwerten (25.). Plötzlich erfüllten die „Rossija, Rossija“-Chöre einer rund zehnköpfigen Gruppe das Stadion. Die ÖFB-Elf steckte nicht auf, kam durch Schnaderbeck zur Ausgleichschance: Ein Drehschuss der Bayern-Legionärin strich aber über die Latte. Wesentlich effizienter präsentierten sich die Russinnen. Mit einem Lochpass wurde die gesamte österreichische Defensive überlistet, Schlijapina schob trocken ein (43.).

Nach der Pause hatte sich zwar das Publikum wieder erfangen, am Spielverlauf änderte sich jedoch wenig. Russland stand tief, Österreich erhöhte den Druck, damit allerdings auch die eigene Fehlpassquote. Makas (58.), Schnaderbeck (77.) und Feiersinger (84.) vergaben weitere Chancen, weshalb am Ende einer beherzten Leistung die 0:2-Niederlage zu Buche stand. „Typisch Österreich halt“, lautete der Tenor eines leicht ernüchterten Publikums.

„Wir haben über 90 Minuten dominiert, leider war der Spielverlauf diesmal gegen uns. Russland hat die Routine ausgespielt, die uns noch fehlt“, analysierte Teamchef Thalhammer. Seine Spielerinnen wollten die Hoffnung auf ein Wunder im Rückspiel am Donnerstag in Rostow (16.30 Uhr, live ORF Sport +) dennoch nicht aufgeben. „Wenn wir unsere Leistung dort umsetzen und in Führung gehen, ist noch einiges möglich“, glaubt Stürmerin Nina Burger.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2012)

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