Wien. Rapid in der Gruppenphase der Europa League, das war bisher keine Erfolgsgeschichte. Alles hat mit der Heimniederlage gegen Rosenborg Trondheim begonnen, in Charkiw folgte dann die erwartete Niederlage. Dennoch sollte sich der Klubkassier am Vorabend des Nationalfeiertags (19 Uhr, live ORF eins) über reges Publikumsinteresse freuen, bis Mittwochmittag waren 42.600 Karten verkauft. Denn das Duell Österreich gegen Deutschland funktioniert auch auf Klubebene. Und die Rapid-Fans haben die Hoffnung, dass sich ihre Mannschaft gleich an mehreren Fronten rehabilitiert. Erst am Sonntag hat man eine empfindliche Derby-Niederlage kassiert, in der Europa League würde eine neuerliche Heimschlappe das vorzeitige Aus bedeuten.
Das Gesicht und der Spiegel
Trainer Peter Schöttel geht es gegen Leverkusen, aktuell auf Rang fünf in der deutschen Bundesliga zu finden, aber in erster Linie nicht nur um das Resultat. Er will vor allem eines – eine bessere Darbietung als gegen die Austria sehen. Spötter könnten freilich meinen, viel schlimmer geht es ohnedies nicht mehr. „Wichtiger ist, dass wir ein ganz anderes Gesicht zeigen“, sagt Schöttel. Ein Gesicht, mit dem man sich nach dem Schlusspfiff in den Spiegel schauen kann. „Das Derby war das schlechteste Match, seitdem ich Rapid-Trainer bin.“
Die Hütteldorfer aber werden sich auch gegen Leverkusen schwertun. Das hat nicht nur, sondern vor allem damit zu tun, dass Steffen Hofmann auch am Donnerstag noch nicht in der Lage sein wird, seiner Mannschaft zur Seite zu stehen. Der Kapitän hat zwar nach zweieinhalb Wochen Pause wieder das Training aufgenommen, das wars aber auch schon. „Ich bin optimistisch, dass es in den kommenden Tagen aufwärts geht“, sagt der 32-jährige Deutsche, der zum Schutz der Augen eine Spezialbrille – wie man sie etwa von Edgar Davids kennt – trägt. Die Brille hat einen Kantenfilter, der es Hofmann ermöglicht, die Konturen besser zu erkennen. Die Augenverletzung hat den Kapitän zunächst wie ein Keulenschlag getroffen. „Der Sehnerv war beschädigt und die Sinneszellen haben sich vom gelben Fleck gelöst.“
Hofmann, der die Hoffnung auf ein Comeback gegen Salzburg am Sonntag noch nicht aufgegeben hat, ist das Um und Auf der Rapid-Elf. Trainer Peter Schöttel dementiert das naturgemäß, aber mit dem Deutschen fehlt ihm auch der verlängerte Arm. Einer, der von sich Kommandos gibt, korrigierend eingreifen kann.
Die Derby-Elf wird der Rapid-Trainer gegen Leverkusen nicht aufbieten, so viel konnte Schöttel am Mittwoch schon verraten. Auch Guido Burgstaller steht nicht zur Verfügung, der Offensivspieler ist nach seinem dümmlichen Frustfoul in Charkiw gesperrt. „Dafür“, sagt Schöttel, „bin ich heute noch böse auf ihn. Er wäre gerade gegen Leverkusen sehr wichtig gewesen.“
Informationen über den Gegner hat man zur Genüge, Peter Schöttel hat sogar Andreas Ivanschitz kontaktiert, um letzte News in Erfahrung zu bringen. Der hat mit Mainz gegen Leverkusen ein 2:2 erreicht. „Er hat unseren Wissensstand bestätigt.“ Leverkusen praktiziert ein „interessantes System“ mit extrem offensiven Außenverteidigern, drei zentralen Mittelfeldspielern und zwei „Zehnern“.
Leverkusen-Trainer Sascha Lewandowski zeigt vor Rapid Respekt. „Man muss wissen, dass es auch ein Duell Österreich gegen Deutschland ist. Das macht es schwieriger, aber auch reizvoller. Die Rapid-Fans sind sehr fanatisch. Das wird eine besondere und enge Kiste!“ Deutschlands Nationalspieler Schürrle meint: „Wir dürfen das Ganze nicht unterschätzen, müssen mit Tatendrang und Konzentration spielen.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.10.2012)

