Viel Zeit, in sich zu gehen und Erlebtes zu verarbeiten, blieb den Spielern von Borussia Dortmund nicht. Beim deutschen Meister jagt dieser Tage ein Highlight das nächste. Nach der bitteren Derby-Niederlage gegen Schalke (1:2) war vor dem Champions-League-Heimspiel gegen Real Madrid. „Dieser Gegner", hatte Dortmund-Sportdirektor Michael Zorc vorab gemeint, „könnte genau der richtige sein."
Mit einem Sieg gegen den spanischen Meister wollte der in den vergangenen beiden Jahren so erfolgsverwöhnte BVB seine Fans schnellstmöglich über die Enttäuschung vom Wochenende hinwegtrösten. Trainer Jürgen Klopp war sich der Schwierigkeit dieser Aufgabe vollends bewusst. Er zeigte sich vor dem Spiel nicht nur von Cristiano Ronaldo beeindruckt, sondern sah in Real vielmehr ein starkes Kollektiv, das kaum Schwachpunkte offenbart.
„Es ist nicht so, dass ich sagen kann, wir machen dieses und jenes, damit der Real-Code geknackt wird." Dabei war dieser leichter als sonst zu entschlüsseln. Die Madrilenen wirkten nach einigen Ausfällen defensiv anfälliger als üblich, ließen die gewohnte Souveränität aus der Meisterschaft vermissen.
Erste Schüsse von Kapitän Kehl (13./27.) nährten die Hoffnung, wurden aber von Casillas pariert. Die Stimmung auf den Rängen der Dortmunder Arena war prächtig und erreichte in der 36. Spielminute ihren vorläufigen Höhepunkt.
Dortmunder Tollhaus
Als Pepe den Ball leichtfertig Kehl zuspielte, reagierte dieser blitzartig und bediente den losstürmenden Lewandowski. Dortmunds Solo-Spitze enteilte der überforderten Real-Verteidigung, beim Abschluss ins kurze Eck konnte auch Casillas nicht mehr rettend eingreifen.
Fans in Gelb-Schwarz lagen sich noch immer in den Armen und schrieben nervös SMS, als im Tollhaus plötzliche Stille einkehrte. Cristiano Ronaldo hatte nur zwei Minuten nach dem Führungstreffer eine unangenehme Botschaft in Form des Ausgleichs überbracht. Nach weitem Pass von Özil lupfte der Portugiese das Leder gekonnt über Torhüter Weidenfeller (38.).
Doch Dortmund ließ sich nicht entmutigen, investierte in Halbzeit zwei noch mehr in die Offensive. Götze (50.) hatte die erneute Führung bereits auf dem Fuß, Schmelzer (64.) aber sorgte für diese. Vom Zauber der Königlichen war nichts zu sehen, die hochbezahlten Weltstars hatten ihre Spiellaune in Madrid gelassen. Erst in der Schlussphase drängte Real auf den Ausgleich.
Dortmund führt nach drei Spieltagen die „Todesgruppe D" mit sieben Punkten vor Real (6), Ajax (3) und Manchester City (1) an. Die Engländer verloren trotz Führung 1:3 in Amsterdam. Schalke schwebt nach dem Derby-Sieg weiter auf Wolke sieben. Bei Arsenal siegten Fuchs und Co. mit 2:0.
Ergebnisse, 3. Spieltag:
Gruppe A: FC Porto - Dinamo Kiew 3:2, Dinamo Zagreb - Paris St. Germain 0:2.
Gruppe B: Arsenal London - Schalke 0:2, Montpellier - Olympiakos Piräus 1:2.
Gruppe C: Zenit St. Petersburg - RSC Anderlecht 1:0, Malaga - AC Milan 1:0.
Gruppe D: Borussia Dortmund - Real Madrid 2:1, Ajax Amsterdam - Manchester City 3:1.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.10.2012)



