Champions League: Bayern demütigt Lille

07.11.2012 | 22:55 |  Christoph Gastinger (DiePresse.com)

Bayern München deklassierte hilflos überforderte Gäste aus Lille mit 6:1. Celtic Glasgow bezwang sensationell Barcelona, Chelsea ist wieder auf Kurs.

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Vor dem Spiel gegen Lille ließ Jupp Heynckes immer wieder Freistöße trainieren. Nicht, um Kreativgeistern wie Robben oder Ribéry ihren Spaß zu lassen. Nein, der Trainerfuchs hatte andere, viel bewusstere Gedanken angestellt. Die robuste Gangart der Franzosen werde dafür sorgen, dass Bayern gute Freistoßmöglichkeiten vorfinden werde, so Heynckes' Überlegungen vor dem Anpfiff. Schon in der frühen Anfangsphase des Spiels sollte sich der 67-Jährige in seiner Annahme bestätigt fühlen. Nachdem Schweinsteiger einen Freistoß über die sich auflösende Mauer zirkelte, konnte sich Heynckes ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen (5.).

Die 1:0-Führung war die Belohnung einer ambitionierten Anfangsoffensive der Bayern. Die ersten zehn Minuten waren bereits unterhaltsamer als das gesamte „Hinspiel" vor zwei Wochen. Die Münchner sprühten gegen völlig überforderte Franzosen vor Spielfreude, Pizarro rechtfertige seine Aufstellung mit dem 2:0 (18.). Zu diesem Zeitpunkt war den Bayern schon nach Feiern, die Südamerika-Fraktion rund um Dante, Pizarro und Rafinha tanzte ausgelassen an der Seitenoutlinie. Fünf Minuten später war es endgültig um die Gäste geschehen, nachdem ein Robben-Freistoß von Mittelfeldspieler Balmont unhaltbar abgefälscht wurde.

Von Lille, das vor dem Duell nicht um große Töne verlegen war und in einem offensiven 4-3-3-System agierte, war schlicht nichts zu sehen. Dieser Mannschaft durfte man getrost die Champions-League-Tauglichkeit absprechen. Unter anderem auch deshalb, weil sie völlig auf das Verteidigen vergaß. Beim 4:0 (28.) und 5:0 (33.) genoss Außenverteidiger Lahm den seltenen Luxus, bei seinen Flanken auf Pizarro weit und breit keinen Gegenspieler um sich zu haben.

Lille versuchte erst gar nicht Widerstand zu leisten. Stattdessen durfte Bayern nach Lust und Laune tricksen und Doppelpässe einstudieren. Kurz vor dem für die Franzosen erlösenden Pausenpfiff bot sich auch David Alaba eine Torchance, der ÖFB-Teamspieler verfehlte nur knapp (45.). Mit einem 5:0 ging es in die Pause - ein Novum in der Königsklasse. In Halbzeit zwei schaltete Bayern etwas zurück, an der Überlegenheit änderte sich nichts. Dem schön anzusehenden Weitschusstor von Kalou (58.) ließ Kroos (66.) das 6:1 folgen.

„Happy Birthday" für Celtic

In Glasgow benötigte Celtic gerade einmal zwei Torchancen, um den großen Favoriten aus Barcelona sensationell mit 2:1 zu bezwingen. Die Katalanen bemühten sich vergebens, die Schotten belohnten sich zum 125-jährigen Vereinsbestehen selbst.

Die Stamford Bridge zu London verwandelte sich spät aber doch in ein Tollhaus, nachdem Victor Moses mit der letzten Aktion das 3:2 gegen Donezk besorgte und den Titelverteidiger wieder auf Kurs brachte. Auch Manchester United mühte sich in Braga, gewann schließlich mit 3:1.

Bereits am Dienstag hatte Borussia Dortmund für den nächsten Achtungserfolg gesorgt. Durch das 2:2 bei Real Madrid führt der BVB auch nach dem vierten Spieltag die „Todesgruppe D" an. Im Estadio Santiago Bernabeu fiel die Klopp-Elf zwar kurz vor Schluss um den möglichen Sieg um, weil der Ex-Schalker Mesut Özil einen ebenso frechen wie genialen Freistoß verwandelte, Dortmunds Trainer war aber dennoch zufrieden. „Unfassbar gut" habe sein Team beim spanischen Meister gespielt, meinte Klopp, der vom gut gefüllten Gäste-Fanblock mit Sprechchören gefeiert wurde. „Wir hatten auch Glück", ergänzte er. „Wenn man hier kein Glück hat, kriegt man acht Tore." Dortmund reicht in Amsterdam schon ein Punkt zum vorzeitigen Aufstieg.

Ergebnisse der Champions League:

Gruppe A: Paris St. Germain - Dinamo Zagreb 4:0, Dynamo Kiew - Porto 0:0

Gruppe B: Schalke - Arsenal 2:2, Olympiakos Piräus - Montpellier 3:1

Gruppe C: AC Milan - Malaga 1:1, Anderlecht - Zenit St. Petersburg 1:0

Gruppe D: Real Madrid - Borussia Dortmund 2:2, Manchester City - Ajax Amsterdam 2:2

Gruppe E: Chelsea - Schachtjar Donezk 3:2, Juventus Turin - Nordsjälland 4:0

Gruppe F: Valencia - Bate Borisow 4:2, Bayern München - Lille 6:1

Gruppe G: Benfica Lissabon - Spartak Moskau 2:0, Celtic Glasgow - FC Barcelona 2:1

Gruppe H: Cluj - Galatasaray Istanbul 1:3, Sporting Braga - Manchester United 1:3.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.11.2012)

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1 Kommentare
0 0

Die Schotten werden mir langsam unheimlich

Erst Murray, jetzt Celtic- Gratuliere.

Aber:
So wie Barca die letzten 3 Min gespielt hat, würde ich sie gerne mal 90min spielen sehen. Das hatte rund um den Strafraum Handballcharakter. Sehr schöne Spielweise- aber viel zu spät.


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