Rapid vertrieb seine Fans aus dem Stadion

Rapid verlor das Heimspiel gegen Aufsteiger WAC nach einer erschreckend schwachen Leistung mit 0:2 und animierte dabei sogar die eigenen Fans zur verfrühten Heimreise.

Rapid vertrieb seine Fans
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Rapid vertrieb seine Fans
(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Eine Stunde war erst gespielt, da hatten zahlreiche Fans genug gesehen. In Scharen wanderten viele der 13.000 Zuschauer aus dem Hanappi-Stadion ab. Praktisch die komplette Westtribüne war plötzlich leer. Diejenigen, die vorzeitig gingen, wurden mit Applaus bedacht. Ein Bild mit Seltenheitswert – aber viel mehr noch eines, das die  Stimmung unter den Rapid-Anhängern widerspiegelt. Unter den Frust der letzten Wochen mischt sich Ironie – eine gefährliche Mischung.

Die Mannschaft hatte es gegen den Aufsteiger tatsächlich geschafft, die eigenen Fans aus dem Stadion zu jagen. Auch das ist eine Leistung, denn sportlich brachte Rapid wenig bis gar nichts zustande. Ohne Kapitän Steffen Hofmann wirkte die Mannschaft einmal mehr kopflos. Elf Mann wirkten abhängig von einem Einzigen, der auf der Tribüne schmorte. Junge Kräfte wie Wydra oder Starkl fühlten sich wohl alleine gelassen, weil die routinierten Kollegen den Dienst verweigerten.

In einer verunsicherten Rapid-Mannschaft reiht sich aktuell ein Fehler an den nächsten. Beim frühen 1:0 etwa versagte Katzer im Zweikampf mit Liendl, nach dessen Flanke wirkten Sonnleitner und Trimmel bei Falks Kopfball indisponiert (6.).
Auch beim 2:0 durch den Wolfsberger Torjäger vom Dienst ließ sich eine Zuordnung in Rapids Hintermannschaft nicht erkennen. Einer verlässt sich auf den anderen – und niemand agiert. Auch Torhüter Königshofer sah zum wiederholten Male in den letzten Wochen nicht gut aus. (48.).

Pfeifkonzert zum Halbzeitpfiff

Zu diesem Zeitpunkt hatten die Hütteldorfer das erste laute Pfeifkonzert der Fans zur Halbzeit schon hinter sich. TV–Experte Hans Krankl sprach von einer der schlechtesten Halbzeiten, die er in den letzten Jahren gesehen hatte. Zwar zeigte sich Rapid nach dem 0:2 vor weniger als 13.000 Fans etwas bemühter, zündende Ideen und durchschlagskräftige Aktionen blieben dennoch aus. Und wenn der WAC tatsächlich in Bedrängnis kam, war auf den starken Schlussmann Dobnik Verlass.


Rapid verlor durch die zweite Saisonniederlage gegen die Kärntner endgültig den Kontakt zur Spitze. Der Rückstand auf Tabellenführer Austria beträgt bereits neun Punkte, der Vorsprung auf den Vierten Sturm nur noch zwei.

Wichtige Pflichtsiege

Im Gegensatz zu Rapid fuhren die Titelkandidaten Austria (3:0 in Innsbruck) und Salzburg (3:0 in Wiener Neustadt) Pflichtsiege ein. Die Mannschaft von Trainer Roger Schmidt wusste vor nur 1800 Zuschauern über weite Strecken zwar nicht zu überzeugen, hielt aber dennoch Kurs.

Und die Austria kann mit einem Lächeln auf das Programm der nächsten Wochen blicken, warten doch Heimspiele gegen Wiener Neustadt und Mattersburg. Peter Stöger warnte seine Truppe dennoch: „Wir dürfen jetzt nicht überheblich werden.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.11.2012)

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