Rapid vertrieb seine Fans aus dem Stadion

11.11.2012 | 20:33 |  Christoph Gastinger (DiePresse.com)

Rapid verlor das Heimspiel gegen Aufsteiger WAC nach einer erschreckend schwachen Leistung mit 0:2 und animierte dabei sogar die eigenen Fans zur verfrühten Heimreise.

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Eine Stunde war erst gespielt, da hatten zahlreiche Fans genug gesehen. In Scharen wanderten viele der 13.000 Zuschauer aus dem Hanappi-Stadion ab. Praktisch die komplette Westtribüne war plötzlich leer. Diejenigen, die vorzeitig gingen, wurden mit Applaus bedacht. Ein Bild mit Seltenheitswert – aber viel mehr noch eines, das die  Stimmung unter den Rapid-Anhängern widerspiegelt. Unter den Frust der letzten Wochen mischt sich Ironie – eine gefährliche Mischung.

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Die Mannschaft hatte es gegen den Aufsteiger tatsächlich geschafft, die eigenen Fans aus dem Stadion zu jagen. Auch das ist eine Leistung, denn sportlich brachte Rapid wenig bis gar nichts zustande. Ohne Kapitän Steffen Hofmann wirkte die Mannschaft einmal mehr kopflos. Elf Mann wirkten abhängig von einem Einzigen, der auf der Tribüne schmorte. Junge Kräfte wie Wydra oder Starkl fühlten sich wohl alleine gelassen, weil die routinierten Kollegen den Dienst verweigerten.

In einer verunsicherten Rapid-Mannschaft reiht sich aktuell ein Fehler an den nächsten. Beim frühen 1:0 etwa versagte Katzer im Zweikampf mit Liendl, nach dessen Flanke wirkten Sonnleitner und Trimmel bei Falks Kopfball indisponiert (6.).
Auch beim 2:0 durch den Wolfsberger Torjäger vom Dienst ließ sich eine Zuordnung in Rapids Hintermannschaft nicht erkennen. Einer verlässt sich auf den anderen – und niemand agiert. Auch Torhüter Königshofer sah zum wiederholten Male in den letzten Wochen nicht gut aus. (48.).

Pfeifkonzert zum Halbzeitpfiff

Zu diesem Zeitpunkt hatten die Hütteldorfer das erste laute Pfeifkonzert der Fans zur Halbzeit schon hinter sich. TV–Experte Hans Krankl sprach von einer der schlechtesten Halbzeiten, die er in den letzten Jahren gesehen hatte. Zwar zeigte sich Rapid nach dem 0:2 vor weniger als 13.000 Fans etwas bemühter, zündende Ideen und durchschlagskräftige Aktionen blieben dennoch aus. Und wenn der WAC tatsächlich in Bedrängnis kam, war auf den starken Schlussmann Dobnik Verlass.


Rapid verlor durch die zweite Saisonniederlage gegen die Kärntner endgültig den Kontakt zur Spitze. Der Rückstand auf Tabellenführer Austria beträgt bereits neun Punkte, der Vorsprung auf den Vierten Sturm nur noch zwei.

Wichtige Pflichtsiege

Im Gegensatz zu Rapid fuhren die Titelkandidaten Austria (3:0 in Innsbruck) und Salzburg (3:0 in Wiener Neustadt) Pflichtsiege ein. Die Mannschaft von Trainer Roger Schmidt wusste vor nur 1800 Zuschauern über weite Strecken zwar nicht zu überzeugen, hielt aber dennoch Kurs.

Und die Austria kann mit einem Lächeln auf das Programm der nächsten Wochen blicken, warten doch Heimspiele gegen Wiener Neustadt und Mattersburg. Peter Stöger warnte seine Truppe dennoch: „Wir dürfen jetzt nicht überheblich werden.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.11.2012)

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  • Salzburg lässt die Austria nicht enteilen

    Bild: (c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Christian Walgram) Salzburg weiß spielerisch beim Schlusslicht aus Wiener Neustadt nicht zu überzeugen, gewinnt aber dennoch locker mit 3:0. Der Rückstand auf Tabellenführer Austria Wien beträgt damit weiterhin zwei Punkte.

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16 Kommentare

Ach ja

Kleine Anekdote am Rande: Rapid bekommt für die Stadion-Sanierung in etwa genauso viel Geld vom Steuerzahler, wie das Stadthallenbad.

Offenbar beides ein Griff ins Braune.

Re: Ach ja

Und, schon mal gefragt wer die Osttribüne bei der Austria finanziert hat?

Umbruch?

ich weiß nicht, ob man der mannschaft nicht zeit geben sollte. sind viele junge dabei...

Re: Umbruch?

Einen Umbruch stelle ich mir vor wie bei Köln unter Stanislawski. Viele junge Spieler, 2 Unentschieden und 4 Niederlagen in den ersten 6 spielen.
Trotzdem haben die Fans die Mannschaft angefeuert, Sprechchöre für den Trainer angesimmt, sind sogar zahlreicher als sonst zum Training zuschauen gekommen, usw.
Warum? Weil die Mannschaft in jedem Spiel den Willen und die Leidenschaft erkennen ließ.
Verliert man gegen Wolfsberg 0:2, aber zeigt Ehrgeiz, Aufofperfungsbereitschaft, usw., dann wird keiner etwas sagen. Aber so ...

http://www.abseits.at/fusball-in-osterreich/bundesliga/manner-ohne-gesicht-das-sind-die-wahren-probleme-des-sk-rapid-wien/


Mit diesen Leistungen haben sie sich ein neues Stadion verdient!


Neues Stadion

Und mit welcher Selbstverständlichkeit fordert der ein neues Stadion.

"17,7 Mio. € Förderung von der Stadt Wien sind zu wenig, das reicht nicht einmal für die Sanierung. Wir werden wohl ein neues Stadion bauen müssen."

Weiters hat er erklärt, dass der verein für den Neubau selbst nichts beitragen kann - er will also eines geschenkt bekommen.

Gehts noch? Wobei wundern tut mich das nicht wirklich. Zu Zahlen hatte der ja nie wirklich bezug. Kann mich noch erinnern als er noch Finanzminister war. Plötzlich gabs ein 50 Mrd. Schilling Budgetloch. Zitat: "Das konnte in dieser Dimension niemand kommen sehen..." Ohne Worte...

Re: Neues Stadion

Gerade WEIL Edlinger als Rapid-Präse nicht dasselbe erleben möchte wie seinerzeit als Finanzminister, scheut er budgetäre Experimente wie die Pest! Nie soll die Existenz der Hütteldorfer durch sündteure Panikkeufe infrage gestellt werden. Denn auch der sportliche Erfolg läßt sich nicht immer mit hohem finanziellem Aufwand garantieren. Viele ehemalige Traditionsklubs mußten in der Vergangeneit diesbezüglich bitteres Lehrgeld zahlen! Das Hauptproblem in Hütteldorf sehe ich in der "Last der Tradition", welcher man sich immer verpflichtet fühlt. Grundsätzlich spielt man in jeder neuen Saison um den Titel mit! Schon ein solider Rang im Mittelfeld würde die Hardcore-Fans maßlos enttäuschen. Aber mehr Geld ist einfach nicht vorhanden! U.a auch deshalb, weil es dem Rapid-Vorstand kaum gelingt, wirklich potente private Sponsoren an Bord zu holen! Das schlechte Image der grünweißen Fans; genauer gesagt, der berüchtigten Hooligans, schreckt offenbar so manchen ab...

Re: Re: Neues Stadion

Ich glaube nicht, dass es an den Fans liegt. Rapid hat so viel Positives, auch und gerade im Fanumfeld, zu bieten, dass ein guter Verkäufer bei der Sponsorenjagd dieses Hooliganargument locker drehen können muss.
Die Austria ist ja mit ihren Unsterblichen, die noch dazu heute noch existieren, auch ewig nicht aus den Schlagzeilen gekommen. Und da gibt es offenbar keine Probleme mit Sponsoren.

Re: Re: Re: Neues Stadion

Bei JEDEM Verein sind die Krawallmacher zahlenmäßig in der Minderheit, doch Schlagzeilen machen eben nur sie und nicht die anständigen Anhänger! Und wenn sog. Rapid-Fans aus Ried (oder sonstwo) heimkehrende Austria-Schlachtenbummler auf dem Westbahnhof "empfangen" und eine Prügelei beginnen, die letztlich soga gerichtsanhängig wird, dann kommt das eben in die Presse. Ebenso wie der Überfall auf Austria-Anhänger vor dem letzten Derby in Favoriten: Dabei sind auch unbeteilige Personen zuschaden gekommen! Auch die in der Nähe des Hanappi-Stadions wohnenden Leute zittern bei jedem Heimspiel Rapids vor schweren Sachbeschädgunge diverser Art. Da hat sich eben im Laufe der Jahrzehnte ein schlechtes Image aufgebaut, welches dem Klub bei der Suche nach an sich dringend benötigten Sponsoren in die Quere gekommen ist. Zumal viele Firmen ohnehin ihren Werbeetat auf diesem Sektor generell eingeschränkt haben.

Re: Neues Stadion

Auch wenn ich den Edlinger nicht verteidigen will, aber er nie gesagt dass der Verein für einen Neubau selbst nichts beitragen kann.
Rapid könnte sich nämlich nur bei einem Neubau einen Kredit aufnehmen, und der wir von der Bank sicher nicht verschenkt werden.
Weiters sucht man nach Sponsoren für das Stadion.

ja Wunder

ein SPÖ ler ist da Chef kann nur untergehen

Demonstrierte Vereinstreue

Bewundere die Rapidanhänger!!! Die müssen ja Nerven wie Drahtseile haben. Bewundernswert diese Geduld und Ausdauer. So ist er der wirkliche Fan, treu bis zum Untergang. Was ich Rapid natürlich nicht wünsche obwohl ich GAK-(noch immer) Anhänger bin.

"...wiederspiegelt..." - falsch
"...widerspiegelt..." - richtig

Rapid

eine Nudelmannschaft! Edlinger wird den Verein noch in den Abgrund führen!

Re: Rapid

Wenn Gedeih und Verderb an einem einzigen Spieler hängen, dann braucht's gar keinen Edlinger mehr dazu.

Good Night Hütteldorf.

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