Rapid macht sich auf die Suche nach einem Sportdirektor

16.11.2012 | 16:53 |   (DiePresse.com)

Trotz der aktuellen Misserfolge wurde Rapid-Trainer Peter Schöttel das Vertrauen ausgesprochen. Bis Weihnachten soll ihm ein Sportdirektor zur Seite gestellt werden, auch Kaderänderungen sind im Winter geplant.

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Rapid-Präsident Rudolf Edlinger hat auf die jüngste Misserfolgsserie des Fußball-Rekordmeisters reagiert und die Einsetzung eines Sportdirektors bis Weihnachten angekündigt. Dabei muss es sich nicht unbedingt um eine Person mit Rapid-Vergangenheit handeln. "Das ist zwar wichtig, aber nicht alles. Wir blicken über den Tellerrand", sagte Edlinger am Freitag. Namen nannte der 72-Jährige keine und bestätigte lediglich, schon mit einigen Kandidaten Gespräche geführt zu haben.

Der neue Posten dient laut Edlinger auch zur Entlastung von Coach Peter Schöttel. "Es ist schwierig für einen Trainer in einer Situation, in der es nicht so gut läuft, sich selbst ständig verteidigen zu müssen. Ich kann ihm emotional zur Seite stehen, habe aber keine fachliche Kompetenz", meinte Edlinger und sprach Schöttel neuerlich das Vertrauen aus: "Er ist und bleibt Trainer des SK Rapid."

Bei Schöttels Installierung vor eineinhalb Jahren hatten Edlinger und seine Präsidiumskollegen noch beschlossen, den Posten des Sportdirektors nicht zu besetzen. "Das war ein Fehler. Aber man wäre blöd, wenn man einen Fehler bemerkt und nicht korrigiert", erklärte der Ex-Finanzminister.

Schöttels Meinung wird gehört

Der künftige Sportdirektor fungiert neben Schöttel als zusätzlicher Ansprechpartner des Präsidiums in sportlichen Angelegenheiten, ist für sämtliche Nachwuchsteams bis hin zur Kampfmannschaft verantwortlich und auch in Transfers eingebunden. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist eine gute Zusammenarbeit mit Schöttel eine wichtige Voraussetzung. Dies bedeutet laut Edlinger nicht, dass sich der Trainer seinen Sportdirektor aussuchen kann. "Aber er wird gehört werden, bevor wir uns entscheiden."

Schöttel begrüßte die bevorstehende Verpflichtung eines Sportdirektors, weil es mühsam sei, als einzige Person regelmäßig zu fußballerischen Themen Stellung nehmen zu müssen. "Es ist gut, wenn die sportliche Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt wird."

Ein Szenario wie vor wenigen Jahren, als die Kooperation zwischen Trainer Peter Pacult und Sportdirektor Alfred Hörtnagl von persönlichen Animositäten gekennzeichnet war, erwartet Schöttel nicht. "Ich glaube, man kann mit mir ganz gut zusammenarbeiten. Es ist nicht ganz falsch, wenn man sich ab und zu reibt, aber am Ende sollte ein gemeinsamer Weg gegangen werden."

Kaderänderungen im Winter geplant

Dieser Weg sieht vor, vor allem auf Spieler aus dem eigenen Nachwuchs zu setzen. "Wir haben uns vor eineinhalb Jahren entschieden, diesen Weg zu gehen und haben einen Trainer, der bereit ist, diesen riskanten Weg zu gehen", meinte Edlinger. Dennoch wird Rapid auch künftig nicht ausschließlich auf Eigengewächse zurückgreifen und vielleicht schon im nächsten Transferfenster einkaufen. "Wir werden versuchen, in der Winterpause Änderungen im Kader herbeizuführen", erklärte der Klubchef.

Groß ist der finanzielle Spielraum dafür jedoch nicht. Laut Edlinger wird die laufende Saison trotz Teilnahme an der Europa-League-Gruppenphase nur leicht positiv abgeschlossen, demgegenüber steht ein relativ hoher Fehlbetrag aus der vergangenen Spielzeit wegen der verpassten Europacup-Teilnahme. Wie Edlinger bestätigte, kalkuliert Rapid in jeder Saison mit einem Betrag zwischen zwei und drei Millionen Euro, der durch zusätzliche Einnahmen - zum Beispiel durch Europacup-Erfolge, Spielerverkäufe oder zusätzliche Einnahmen aus Heimspielen - aufgebracht werden muss.

Der Bereich Stadion-Einnahmen wird in nächster Zeit aber nicht zu einem wirtschaftlichen Aufwärtstrend beitragen, ganz im Gegenteil: Laut Edlinger reichen die rund 17 Millionen Euro von der Stadt Wien nicht einmal für die Generalsanierung des Hanappi-Stadions - die würde laut dem Vereinsboss auf fast 23 Millionen Euro kommen. Eine Sanierung und Erweiterung könnten bis zu 65 Millionen Euro kosten, weshalb man weiterhin auf einen - angeblich 45 Millionen Euro teuren - Neubau hofft. Die diesbezüglichen Chancen stehen laut Edlinger "relativ gut", Klarheit solle "im späten Frühjahr" herrschen.

Stadionfrage weiter Thema

In der Stadionfrage ist Werner Kuhn massiv eingebunden, und daran wird sich trotz der jüngsten Kritik am General Manager nichts ändern. "Er ist in seiner Funktion grundsätzlich erfolgreich. Es gelingt ihm immer wieder, ein Sponsorvolumen von acht bis neun Millionen Euro aufzustellen", erklärte Edlinger.

Kuhn wies einen Bericht des "Kurier" (Freitag-Ausgabe) zurück, wonach er sich zu wenig für ein 120-Millionen-Projekt inklusive neuem Stadion in Hütteldorf (Edlinger: "futuristisch und unerfüllbar") eingesetzt hätte, und wehrte sich auch gegen Vorwürfe auf Internet-Plattformen. "Ich werde meinen Job mit der gleichen Intensität weiterverfolgen wie bisher", lautete seine Ankündigung.

Der Manager bleibt also genauso wie der Präsident im Amt - zumindest Letzterer allerdings wie schon lange vorgesehen nur bis 2013. "Ich habe nicht die Absicht, zurückzutreten, sondern in einem Jahr nicht mehr zu kandidieren, wie seit zwei Jahren bekannt ist", betonte Edlinger.

TV-Geld: Edlinger droht mit Eigenvermarktung

Vor seinem Abgang möchte der Wiener noch einmal ein gewichtiges Wort bei den Verhandlungen zum neuen TV-Vertrag mitreden. In diesem Zusammenhang drohte Edlinger wieder mit einer - laut eigenen Angaben durch EU-Recht gedeckten - Eigenvermarktung von Rapid, sollte der Rekordmeister im Fall von guten Liga-Platzierungen nicht mehr Fernsehgeld als bisher kassieren. Der Österreicher-Topf könne trotzdem bestehen bleiben, sagte Edlinger und wies darauf hin, dass Wiener Neustadt in der Vorsaison mehr aus den TV-Verträgen einstreifte als Rapid.

Aus der Liga kamen bisher keine ermutigenden Signale für Rapids Ansinnen, was Edlinger schwer verärgerte. "Man kann nicht immer nur Solidarität erwarten und keine zurückgeben", sagte der Ex-Finanzminister in die Richtung der kleineren Vereine.

(APA)

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1 Kommentare

am besten gleich einen Direktor, der Tore schießt

das Nationalteam könnte ihn dann auch gebrauchen, den Goleador des 21. Jahrhunderts

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