Branko Elsner tot: Trauer um "echten Sir"

17.11.2012 | 18:11 |   (Die Presse)

Ex-ÖFB-Teamchef Branko Elsner verstarb im Alter von 82 Jahren. Er galt als eher introvertierter Fußball-Philosoph, der sich bei seinen Spielern allerdings großer Beliebtheit erfreute.

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Österreichs Fußball trauert um Branko Elsner. Der ehemalige Teamchef verstarb am Samstag im Alter von 82 Jahren. Der „Fußball-Dozent“ betreute die ÖFB-Auswahl 1975 interimistisch für zwei Spiele und kehrte 1985 für zwei weitere Jahre zurück. Seinen größten Sieg feierte Elsner, der nach Béla Guttmann und Leopold Štastný der dritte Teamchef-Legionär in Österreich war, 1986 mit dem 4:1 gegen Deutschland bei der Eröffnung des Praterstadions – es ist Österreichs bislang letzter Sieg über den Erzrivalen.

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Erste Erfolge als Fußballtrainer feierte der slowenische Universitätsprofessor für Sport bei Olimpija Ljubljana, den Klub betreute er von 1964 bis 1967. 1968 wagte er den Sprung nach Österreich, mit SSW Innsbruck gewann Elsner 1972 und 1975 die Meisterschaft, 1970 und 1975 den ÖFB-Cup und auf internationaler Ebene den Mitropacup in den Jahren 1975 und 1976.

Elsner galt als eher introvertierter Fußball-Philosoph, der sich bei seinen Spielern allerdings großer Beliebtheit erfreute. So meinte etwa Michael Konsel auf „Sky“: „Er war ein richtiger Sir. Es war eine Ehre, mit ihm zusammenzuarbeiten.“ Der frühere Rapid-Schlussmann feierte ebenso wie Franz Wohlfahrt, Andreas Ogris oder Manfred Zsak unter Elsner sein ÖFB-Debüt.

Insgesamt 20 Spiele saß Elsner auf der ÖFB-Bank und brachte es dabei auf eine Bilanz von sechs Siegen, fünf Unentschieden und neun Niederlagen (Torverhältnis 26:31). Abgesehen vom Triumph über Deutschland (mit Assistent Gustl Starek) blieb ihm aber der Durchbruch verwehrt. Nachdem die Qualifikation für die EM 1988 verpasst worden war, nahm Elsner – gegen den Wunsch des damaligen ÖFB-Chefs Beppo Mauhart – seinen Hut und wurde durch Josef Hickersberger ersetzt. Er führte das Team zur WM 1990.

Dennoch, nach seinem ÖFB-Abschied sorgte Elsner in Wien für Aufsehen. Joschi Walter engagierte den „Professor“ sofort als Leiter der Austria Nachwuchsschule. Elsner sorgte etwa dafür, dass in Hollabrunn ein Fußball-Internat forciert wird. Auch verlangte der Slowene gezielte Volksschul-Aktionen, um den Ball zur Jugend und die Jugend zum Sport zu bringen.

Ideen, die auch in der Gegenwart neu präsentiert werden. Elsner hatte das Zusammenspiel von Ausbildung und Sport schon damals erkannt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.11.2012)

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