Philipp Hosiner: "Soriano beeindruckt mich"

17.11.2012 | 18:11 |  von Christoph Gastinger (Die Presse)

Austria-Stürmer Philipp Hosiner spricht mit der "Presse am Sonntag" über gescheiterte Talente, seine offene Rechnung mit Deutschland, Jonathan Soriano und seine Beziehung zur Nationalmannschaft.

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Was können Sie neben dem Toreschießen eigentlich noch besonders gut?

Philipp Hosiner: In erster Linie bin ich ein guter Fußballer. Abseits des Platzes habe ich nicht wirklich viele Talente. Bevor ich selbst koche, gehe ich lieber essen. Gott sei Dank hat es mit dem Fußball geklappt.(lacht)

Sie treffen in den vergangenen Wochen fast nach Belieben. Fühlen Sie sich unfehlbar?

Das sicher nicht. Mir gelingt vieles, aber nicht alles. Auch ich habe schon Chancen ausgelassen. Aber dass es jetzt so gut läuft, ist kein Zufall. Ich trainiere seit Jahren gezielt am Torabschluss. Irgendwann gehen diese Aktionen in Fleisch und Blut über.

Stehen Sie gerne im Mittelpunkt?

Generell bin ich niemand, der liebend gern Interviews gibt. Das würde ich lieber anderen überlassen. Aber als Torschütze steht man zwangsläufig im Rampenlicht, viel mehr, als es die Verteidiger oder Torhüter tun – egal, wie gut sie spielen.

Das klingt fast so, als hätten Sie ein schlechtes Gewissen Ihren Kollegen gegenüber.

In gewisser Weise habe ich das auch. Deshalb versuche ich in jedem Interview die Mannschaft zu erwähnen und zu loben, denn ohne Mannschaft ist auch der einzelne Spieler nicht gut.

2006 hat es Sie als 17-Jährigen nach München verschlagen. Hat 1860 damals ein großes Talent verpflichtet?

Für burgenländische Verhältnisse, ja. (lacht) Im Ernst: Ich habe von der U15 bis zur U19 alle Nachwuchs-Nationalmannschaften durchlaufen, bin dazwischen nach München gewechselt. 1860 hat nicht irgendwelche, sondern meist sehr gute Spieler verpflichtet. Ich habe dort viele Talente scheitern gesehen.

Was konnten Sie beobachten?

Dass es viele sehr gute, junge Spieler schleifen haben lassen. Sie konnten die Erwartungen nicht umsetzen, haben halbjährlich die Vereine gewechselt, weil sie großteils charakterlich nicht für den Spitzenfußball bereit waren. Manche von diesen Jungs, die heute keiner mehr kennt, haben gänzlich mit dem Fußballspielen aufgehört. Einer ist sogar Bodybuilder geworden.

Das klingt nach einer Schule fürs Leben.

Ich habe gelernt, nie die Bodenhaftung zu verlieren, habe Meinungen aus dem Umfeld eingeholt, darüber nachgedacht. Die Zeit in Deutschland hat mich mental reifen lassen.

Dennoch war in München die zweite Mannschaft das höchste der Gefühle. Danach hatten Sie ein unglückliches Jahr beim Drittligisten Sandhausen.

Diese Saison ist nicht so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich hatte meinen Vertrag ein halbes Jahr vor dem Wechsel unterschrieben. Da der Verein unbedingt aufsteigen wollte, wurden immer mehr Spieler – auch weitere Stürmer – eingekauft. Am Ende war der Kader irrsinnig groß.So war es schwierig, in diesem Team Fuß zu fassen, vor allem für junge Spieler. Das Kapitel Sandhausen war für mich schnell abgeschlossen. Danach wollte ich einfach nur wieder spielen, Spaß am Fußball haben.


Den hatten Sie zunächst beim Erste-Liga-Klub Vienna. War der Wechsel zurück nach Österreich ein Schritt der Vernunft?

Schon. Wobei es fußballerisch kein Rückschritt für mich war. Das Niveau bei der Vienna war absolut in Ordnung, auch dort bekommt man nichts geschenkt.


Hatten Sie irgendwann Zweifel, dass Sie Ihr Geld doch nicht als Profifußballer verdienen werden?

Nein, nie. Die Austria soll auch noch nicht alles gewesen sein. Es ist nach wie vor mein Ziel, in einer ausländischen Topliga zu spielen. Das halte ich für möglich.

Haben Sie mit Deutschland noch eine Rechnung offen?

Eigentlich schon. Irgendwann würde ich gerne nochmal zurückgehen und mich dort durchsetzen.

Wie würden Sie den Fußballer Philipp Hosiner in wenigen Sätzen beschreiben?

Ein torgefährlicher Spieler, der immer versucht, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Er nimmt offensiv wie defensiv Laufwege auf sich, damit seine Mitspieler die sich bietenden Räume nutzen können. Und er hat eine gewisse Schnelligkeit, gleichzeitig aber Schwächen im Kopfballspiel. Aber das versucht er zu verbessern.(lacht)


Teamkollege Marko Stanković hat Sie als „dreckigen Spieler“ bezeichnet. Wie darf man diese Aussage verstehen?

Er wollte damit wohl sagen, dass ich jemand bin, der auch einmal auf 180 sein kann, wenn – wie in einem Derby – die Emotionen hochgehen. Manchmal gehören emotionale Einlagen dazu, aber im Großen und Ganzen bin ich ein fairer Spieler.


Als Vorbild dient Thierry Henry. Was imponiert Ihnen am Franzosen?

Vor allem seine Torabschlüsse, diese klassischen Innenrist-Tore sind sensationell. Ich habe mir viel von ihm abgeschaut.


Und was halten Sie von Salzburg-Stürmer Jonathan Soriano, Ihrem ersten Verfolger in der Torjägerwertung?

Soriano beeindruckt mich. Das ist ein Spitzenfußballer, wenn nicht sogar der beste in Österreich. Man sieht in fast jeder Aktion, welche Qualitäten er besitzt. Man spielt nicht umsonst beim besten Verein der Welt in Barcelona, auch wenn es vorrangig nur die B-Mannschaft war. Es ist eine Ehre, mich mit ihm zu messen.


Trotz der Topform wurden Sie von Teamchef Marcel Koller nicht für das Länderspiel gegen die Elfenbeinküste nominiert. Warum?

Die Konkurrenz ist eben groß. Es ist schwer, an Leuten wie Marc Janko oder Andreas Weimann vorbeizukommen. Aber es werden auch Zeiten kommen, in denen die anderen nicht so gut drauf sind und ich hoffentlich schon. Ich bin optimistisch, dass ich meine Chancen noch bekommen werde, habe aber gleichzeitig überhaupt keinen Stress. Mein Teamdebüt habe ich ja schon hinter mir.


Und was, wenn Sie weiterhin treffen und dennoch nicht berücksichtigt werden?

Dann werde ich nicht derjenige sein, der aufschreit. Das entspricht nicht meinem Naturell. Da wären wir wieder bei den jungen Talenten aus München, die so von sich selbst überzeugt waren, dass es fast schon peinlich war. Ich will lieber mit Leistung als mit einer großen Klappe überzeugen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.11.2012)

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