Das weinerliche Tröten der Vuvuzelas

Die WM sorgte 2010 in Südafrika für Begeisterung, doch von diesen Träumen und Plänen ist nichts übrig geblieben. Es gibt kaum Stars, selten Nachwuchsarbeit, und "Bafana, Bafana" spielt schwach.

weinerliche Troeten Vuvuzelas
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weinerliche Troeten Vuvuzelas
(c) EPA (JON HRUSA)

Johannesburg/Fin. Die Vuvuzelas tröten wieder, und obwohl dieses nervende Geräusch Erinnerungen an die WM 2010 aufleben lässt, will in Südafrika nicht so recht Freude aufkommen. Der Afrika-Cup ist zwar das größte Turnier des Kontinents, doch die Befürchtungen vor dem erneuten Scheitern begleiten jeden Auftritt der „Bafana, Bafana“. Auch wussten viele Südafrikaner gar nicht, dass der Cup schon jetzt und nicht erst, wie geplant, 2017 in ihrer Heimat ausgespielt wird. Der Bürgerkrieg in Libyen machte das seit 1957 alle zwei Jahre stattfindende Sportfest mit 16Mannschaften unmöglich.

Von der WM ist in Südafrika in Wahrheit wenig geblieben. Statt wie erhofft unter die besten 20Fußballnationen der Welt zu kommen, ist Südafrika im Fifa-Ranking auf Platz 87 abgerutscht. Auch liegt der letzte Sieg der Südafrikaner bei einer Afrikameisterschaft-Endrunde nunmehr neun Jahre zurück. Auch beim Auftaktspiel 2013 klappte gar nichts, 0:0 gegen Turnierneuling Kapverden.

Wo man am Tag danach in Johannesburg hinhörte, ob beim Zeitungsmann an der Straßenecke, an der Tankstelle oder am Flughafenschalter: Es herrschte nach der gefühlten Niederlage tiefe Ratlosigkeit. Nach einer Reihe von trost- und torlosen Testspielen hatte Trainer Gordon Igesund – er spielte von 1980 bis 1984 für GAK und Admira Wacker – seiner Nation versprochen, dass seine Mannschaft gegen die Kapverden so richtig aufdrehen würde. Der Schuss ging nach hinten los. Jetzt herrscht beim Gastgeber schon wieder die Angst, wie bei der WM 2010 in der Vorrunde auszuscheiden. Angola und Marokko trennten sich ebenfalls 0:0 in Gruppe A, sind aber größere Kaliber als die „Blauen Haie“ der Kapverden.

 

Südafrikanern war es „zu kalt“

Beim Bemühen, die Blamage zu erklären, wirkte Igesund, 56, genauso ratlos wie 80.000 Zuschauer im Nationalstadion. „Die Jungs waren ziemlich nervös“, sagte er. Auch die ungewöhnliche Temperatur von nur 16 Grad Celsius nach einem Regenguss wurde als Erklärung ins Spiel gebracht. Igesund: „Vielleicht war ihnen wirklich zu kalt, oder es war ein Moment, der für sie zu groß wurde.“

Fußball liegt in Südafrika in der Gunst der Fans weit hinter Rugby, und nur Erfolge können die Begeisterung heben. Es ist nicht auszuschließen, dass so mancher Spieler – trotz ausgesprochener Verbote und Regeln – wieder zum Voodoo-Priester des Vertrauens pilgern wird.

Dennoch, der Afrika-Cup 2013 zeigt deutlich, was die WM in Südafrika bewirkt hat – nicht viel. Nur sehr wenige Kicker schafften den Sprung zu europäischen Klubs – müssen sie auch nicht, in der PSL-Liga gibt es dank hochdotierter TV-Verträge für Afrika überaus üppige Gagen. Auch in der Nachwuchsförderung hat sich am Kap zu wenig getan. Solange in Südafrika keine Stars wie Didier Drogba oder Yaya Touré als Aushängeschilder zu finden sind, bleibt der Fußball im Abseits.

Auf einen Blick

Ex-Admiraner Gordon Igesund, 56, ist Südafrikas Teamchef. Zum Auftakt des 29. Afrika-Cups musste er jedoch in Johannesburg ein 0:0 gegen die Kapverden hinnehmen.

Der Afrika-Cup findet seit 1957 alle zwei Jahre statt, Titelverteidiger ist Sambia. Spielorte sind Johannesburg, Durban, Port Elizabeth, Rustenburg und Nelspruit. Das Finale findet am 10.Februar statt. [AP]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2013)

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