380 Spiele: Europol deckt massiven Wettbetrug auf

04.02.2013 | 12:31 |   (DiePresse.com)

Europol-Chef Rob Wainright spricht vom größten Skandal der Fußballgeschichte. 425 korrupte Spieler, Schiedsrichter und Offizielle sollen sogar WM- und EM-Qualifikationsspiele manipuliert haben.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Mit den jüngsten Enthüllungen in Sachen Wettbetrug hat die europäische Polizeibehörde Europol am Montag für großes Aufsehen gesorgt. Über 380 Spiele in Europa, weitere 300 in Asien, Süd- und Mittelamerika sowie Afrika seien zwischen 2008 und 2011 zugunsten der asiatischen Wettmafia verschoben worden. Europol-Chef Rob Wainwright sprach auf einer Pressekonferenz in Den Haag von Manipulationen "auf einem nie dagewesenen Niveau".

Mehr zum Thema:

Am größten Wettskandal der Fußball-Historie beteiligt sollen rund 420 Funktionäre, ehemalige oder heutige Spieler und Schiedsrichter in 15 Ländern gewesen sein. "Das ist ein trauriger Tag für den Fußball", sagte Wainwright. "Das ist erst die Spitze des Eisberges." Namen wurden unter Hinweis auf laufende Ermittlungen nicht genannt, man muss aber davon ausgehen, dass auch Österreichs Fußball betroffen ist.

"Organisierte Kriminalität erreicht Fußballwelt"

Insgesamt seien mehr als zwei Millionen Euro an Bestechungsgeldern an Spieler und Offizielle geflossen, europaweit strichen die Manipulateure Wettprofite in Höhe von acht Millionen Euro ein. "Das ist das erste Mal, dass wir substanzielle Beweise dafür haben, dass die organisierte Kriminalität nun auch in der Welt des Fußballs agiert", meinte Wainwright. Insgesamt werteten die Behörden bei ihren Ermittlungen 13.000 E-Mails aus.

Europol bestätigte, dass Partien der WM- und der EM-Qualifikation sowie zwei Champions-League-Begegnungen betroffen gewesen seien. Finanzielle Details blieb Europol schuldig, gemäß eines Berichts der BBC war aber die Rede davon, dass die höchste Zahlung an eine Einzelperson mit rund 140.000 Euro in Österreich getätigt worden sei.

Bei der Staatsanwaltschaft Graz, die in Österreich die Ermittlungen in Sachen Wettbetrug leitet, hält man sich bedeckt. "Ich kann nur sagen, dass Betrugsverfahren gegen 20 Personen im Zusammenhang mit manipulierten Fußballspielen und den Wetten darauf bzw. wegen des Verdachts der Geldwäsche laufen. Aber nicht nur gegen Spieler", betonte Sprecher Hansjörg Bacher. Gemeinsam mit den deutschen Kollegen habe man eine Ermittlungsgruppe gebildet, deren Erkenntnisse auch in die Untersuchungen der Europol miteingeflossen seien.

Schon im Zuge des Prozesses gegen den kroatischen Wettpaten Ante Sapina 2011 bzw. seinen Bruder Milan 2012 waren auch mehrere verdächtige Spiele in Österreich genannt worden: Die Namen von Kapfenberg, Vienna und Hartberg fanden dabei mehrfache Erwähnung.

So erschien den Ermittlern u.a. das Spiel Kapfenberg - Austria am 28. Oktober 2009 (1:0) verdächtig. Es könnte sich dabei auch um jene Partie handeln, die laut Informationen von Ö1 am Montag von einem deutschen Staatsanwalt im Rahmen der Europol-Pressekonferenz genannt worden war. Laut dem Beamten sollen vor einem Duell der beiden Teams (Datum und Ort wurden nicht genannt, Anm.) 140.000 Euro Bestechungsgeld geflossen sein.

Höchster Profit bei Salzburg-Partie

Den europaweit höchsten Profit durch Wettbetrug habe es mit 700.000 Euro zudem bei einer Partie zwischen Red Bull Salzburg und Hartberg gegeben. Im Ante-Sapina-Prozess war die Rede von einem mutmaßlich manipulierten Cupspiel der Salzburger Amateure gegen Hartberg am 22. September 2009, damals war allerdings noch von 533.000 Euro Profit die Rede.

Keine neuen Erkenntnisse hat Bundesliga-Vorstand Georg Pangl. "Wir wissen davon nichts, seit Wochen gibt es nichts Neues", erklärte der Burgenländer, der auf eine Sitzung der Interpol Anfang März in Laxenburg zum Thema "Sportwetten" verwies, zu der man eingeladen sei. "Wir stehen gemeinsam mit dem ÖFB weiterhin in engem Kontakt mit den ermittelnden Behörden."

(ag)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

69 Kommentare
 
12

Was ist mit den

Champions League VIERTELFINAL-Auslosungen

Galatasaray - Real Madrid?

Bayern - Juve

DORTMUND - MALAGA??

Wollt ihr mich verarschen?!?!?!

es wäre ganz einfach

einfach wetten einstellen und verbieten. dann kann die ganza mafia bagage brausen gehen und wir den sport wieder ohne konspirative gedanken genießen.

Re: es wäre ganz einfach

und sie glauben das dann keine wetten unter der hand getätigt werden würden?........Verbieten ist in fast keinem Fall eine Lösung!

Re: es wäre ganz einfach

In den untersten Ligen sind in den letzten Runden vor Saisonende sehr oft mehr Spiele gekauft als nicht. Und da wird idR nicht groß gewettet, das ist dort aus verschiedenen anderen Gründen das tägliche Geschäft von Funktionären und aus Spielern.

Aber Sie haben schon recht, Glückspiel und Wetten war neben Prostitution, Schutzgelderpressung und Drogenhandel schon immer ein Kerngeschäft von Mafiabanden. Scheinbar haben diese jetzt auch die Politik unterwandert, denn ansonsten würden die Glückspielfirmen von den Gesetzgebern (inkl. EU) beim Aussackeln der Dummen wohl nicht so hofiert werden... ;-)

solang die Kontrolleure höheres Ansehen haben

(und höheres Einkommen auch) als anständige Sportler und Schiris, wird das Hase-Igel-Spiel nicht aufhören.


Gfrastsackeln... Machen dir jede Freude am Sport kaputt

PS.: Und wo wird noch überall, gemogelt, gemauschelt und betrogen? Der Fußball ist doch mit Sicherheit kein Einzelfall?!?

Asiatisches Wettkartell?

Es ist wohl eher das österreichische Buchmacherkartell, dass massiven volkswirtschaftlichen Schaden anrichtet!

Bevor da einer Aufschreit!

Es ist wohl eher das österreichische Buchmacherkartell, DAS massiven volkswirtschaftlichen Schaden anrichtet!

Wettzunft-Banditenzunft

Die Staatsanwaltschaft Graz, die für Österreich die Ermittlungen in Sachen Wettbetrug leitet, hat Betrugsverfahren gegen 20 Personen im Zusammenhang mit manipulierten Fußballspielen und den Wetten darauf bzw. wegen des Verdachts der Geldwäsche laufen.

Einsitzen tut sicher noch keiner?

bin für vollmachtentzug bei schiedsrichter

-videosufnahme soll mitentscheident sein
-linienrichter sollen auch ablehnen dürfen

UEFA

Die werden dagegen genau so viel tun wie gegen Doping, denn das gibt's ja im Fußball angeblich auch nicht.

rapid

habe mich über jeden rapidsieg gewundert, jetzt wird vieles klar .

Re: rapid

ich mich noch mehr über echt komische Niederlagen!

Re: Re: rapid

bei machen verteidigeraktionen der letzten jahre fragt man sich tatsächlich

Nach den Taten folgen endlich Zahlen!

Das rechtfertigt endlich einiges! bin ich froh..

Bei 380 (!!)

Spielen 2 Mio Bestechungsgelder?
Die Proportion kann NICHT stimmen.
Vor allem in internationalen Bereich.
Es werden eher 2 Milliarden gewesen sein.
Für dumm verkaufen lassen sich die Menschen nicht.

Re: Bei 380 (!!)

Meldungen genau lesen!
Das ist erst der von EUROPOL nachgewiesene Betrag ...

Re: Bei 380 (!!)

Ich denke, damit waren die österreichischen Spiele gemeint.

Re: Bei 380 (!!)

richtig, sowohl zahlungen als auch gewinne sind panzerknackerniveau, aus (zeitungs)entenhausen.
;-D

Wenn sie bei der Korruption ...

... die von Brüssel in die Industrie und die nationalen Regierungen reicht, ebenso vehement ermitteln würden, dann wär's ja gut.

Das hier ist vergleichsweise egal. Man muß ja nichts mit den Laufäffchen zu tun haben.

Re: Wenn sie bei der Korruption ...

Da ist nichts ermittelt worden.
Das ist unter der Decke hervor gequollen.
(sprich mehre kleinere Abzocker haben sich geprellt gefühlt und die Polizei informiert.)


Da is mir Wrestling lieber, die bestreiten wenigstens nicht, dass es "Fake" ist...


na und, das ist doch Profi - "Sport"

ob gedopt oder beschissen, bleibt sich gleich

und wer mit Wetten Geld verdienen will muss Buchmacher werden

Peanuts

Wenn, laut einem Interview mit dem Chefredakteur des Kicker, die Ablösesummen für Starfussballer nur zu 10 % beim Verein und dem Fussballer landen, sondern zu 90 % an immer die selben südeuropäischen Makler als Provision zur Geldwäsche gezahlt werden, liegt der Skandal darin, dass sich hier auch nicht von Blatter autorisierte am Markt betätigen. Kriminell !

14

Können denn diese Zahlen stimmen?

Nur 8 Millionen? Und dafür besticht man 425 Personen? Das ist ja geradezu lächerlich. Das hat sich ja nicht einmal ausgezahlt!

p.s. 8Millionen Ertrag, nicht Bestechungsumsatz, soweit ich das hier aus dem Text herauslese.

 
12
AnmeldenAnmelden