Fußball: Die Wettmafia war in Österreich aktiv

05.02.2013 | 18:20 |  von senta wintner (Die Presse)

Der europäische Wettskandal umfasst jene österreichischen Spiele, die bereits 2009 im Visier der Ermittler waren. Die Bundesliga wartet auf neue Informationen.

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Denhaag/Wien. Der Europol-Bericht über insgesamt 380 manipulierte Spiele in Europa wirft seinen Schatten auch auf Österreich. Bei den verdächtigen Partien handelt es sich um jene elf Spiele der Bundesliga bzw. Ersten Liga sowie zwei Europacupspiele, die schon im Zuge des Prozesses gegen den kroatischen Wettpaten Ante Sapina 2011 bzw. seinen Bruder Milan 2012 genannt worden waren.

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Kapfenberg, Hartberg und Vienna waren die Namen, die damals in den Mittelpunkt rückten. Konkret soll es sich unter anderem um die Partien Kapfenberg – Salzburg (0:4, 29.August2009), Kapfenberg – Rapid (0:1, 23.September2009) und Kapfenberg – Austria (1:0, 28.Oktober2009) handeln. Letztere könnte auch jenes Spiel sein, bei dem mit 140.000 Euro das höchste Bestechungsgeld geflossen sein soll. Austria stellte in einer Aussendung klar, dass lediglich Spieler von Kapfenberg in der Zeugenaussage belastet worden wären.

Wie bereits im Sapina-Prozess sollen sich auf der von Europol genannten Liste von 24 verdächtigen Spielen in der Europa-League-Qualifikation auch die Duelle von Rapid mit dem albanischen Klub Vllaznia Shkodra im Juli 2009 wiederfinden.

Bundesliga-Vorstand Georg Pangl bestätigte, dass es sich bei den Europol-Ermittlungen um keine neuen Erkenntnisse handle. „Seit Wochen gibt es nichts Neues“, sagte Pangl und verwies auf eine Sitzung der Interpol Anfang März zum Thema Sportwetten. „Gemeinsam mit dem ÖFB stehen wir in engem Kontakt mit den ermittelnden Behörden, noch aber haben wir keine weiteren Detailinformationen.“

 

„Schlag ins Gesicht jedes Fans“

Sportminister Norbert Darabos erhofft sich einen Weckruf zugunsten einer engeren Zusammenarbeit und Vernetzung auf europäischer Ebene. „Das Ausmaß ist schockierend und ein Schlag ins Gesicht eines jeden Fußballfans“, kommentierte er die Europol-Enthüllungen. Da es sich um einen Kriminalfall handle, leitet die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen. Bereits im Vorjahr wurde ein Verein zur Wahrung der Integrität des österreichischen Sports ins Leben gerufen. „Es geht hier um Monitoring der Sportwetten und Aufklärungsarbeit bei Vereinen und Spielern“, erklärte Darabos.

Doch wie der aktuelle Fall aufzeigt, bedarf es deutlich weitgreifenderer Maßnahmen, um den internationalen Wettbetrug zu bekämpfen. Denn nicht einzelne Gruppen, sondern bestens organisierte und vernetzte Kartelle stecken dahinter. Die von Europol ausgemachten Drahtzieher mit Sitz in Singapur sollen bis zu 50Personen in zehn verschiedenen Ländern für ein einziges abgekartetes Spiel beauftragt haben.

 

Wettbetrug als Unternehmen

Dass der Ausgangspunkt in Asien liegt, überrascht dort tätige Ermittler nicht. Spielmanipulation sei längst ein riesiges Unternehmen auf einem Niveau mit Rauschgiftschmuggel, Prostitution sowie illegalem Waffenhandel – und folglich Verbindungen in die ganze Welt.

Im aktuellen Fall stießen die Ermittler in Rovaniemi, Finnland, auf eine heiße Spur. Dort ging der Polizei der Singapurer Wilson Raj Perumal ins Netz. Der einstige Amateurspieler schmierte laut Angaben der Ankläger Spieler von Finnland bis Simbabwe und wurde zu zwei Jahren Haft verurteilt. Angesichts der Umstände ist sich Malaysias Aufdecker George Das sicher: „Es kann nicht sein, dass niemand in der Fußballwelt vor den Enthüllungen eine Ahnung über das Ausmaß der Korruption hatte.“

Auf einen Blick

Nach Angaben von Europol wurden 380 Spiele in Europa manipuliert. Darunter auch jene elf Spiele der Bundesliga und Erste Liga sowie zwei Europa-League-Qualifikationspartien, die bereits 2011 im Prozess gegen den Wettpaten Ante Sapina genannt wurden.

Die am stärksten betroffenen Länder sind die Türkei (79 verdächtige Spiele), Deutschland (70) und die Schweiz (41).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2013)

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  • Fußball: Europol deckt 380 manipulierte Spiele auf

    Symbolbild / Bild: (c) ASSOCIATED PRESS (MICHAEL SOHN) Ein asiatisches Wettkartell soll Spiele in europäischen Topligen, der Champions League, der EM-Qualifikation gekauft haben. Unter den 425 Verdächtigen finden sich neben Kriminellen auch Spieler, Schiedsrichter und Offizielle.

  • Europol-Ermittlungen erschüttern Europas Fußball

    Europol Chef Rob Wainwright / Bild: rca Möglicherweise hat Europol den bisher größten Wettskandal im europäischen Fußball aufgedeckt. Die Ermittler berichten von 380 verdächtigen Spielen, darunter auch WM- und EM Qualifikationspartien.

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69 Kommentare
 
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Was ist mit den

Champions League VIERTELFINAL-Auslosungen

Galatasaray - Real Madrid?

Bayern - Juve

DORTMUND - MALAGA??

Wollt ihr mich verarschen?!?!?!

es wäre ganz einfach

einfach wetten einstellen und verbieten. dann kann die ganza mafia bagage brausen gehen und wir den sport wieder ohne konspirative gedanken genießen.

Re: es wäre ganz einfach

und sie glauben das dann keine wetten unter der hand getätigt werden würden?........Verbieten ist in fast keinem Fall eine Lösung!

Re: es wäre ganz einfach

In den untersten Ligen sind in den letzten Runden vor Saisonende sehr oft mehr Spiele gekauft als nicht. Und da wird idR nicht groß gewettet, das ist dort aus verschiedenen anderen Gründen das tägliche Geschäft von Funktionären und aus Spielern.

Aber Sie haben schon recht, Glückspiel und Wetten war neben Prostitution, Schutzgelderpressung und Drogenhandel schon immer ein Kerngeschäft von Mafiabanden. Scheinbar haben diese jetzt auch die Politik unterwandert, denn ansonsten würden die Glückspielfirmen von den Gesetzgebern (inkl. EU) beim Aussackeln der Dummen wohl nicht so hofiert werden... ;-)

0 0

solang die Kontrolleure höheres Ansehen haben

(und höheres Einkommen auch) als anständige Sportler und Schiris, wird das Hase-Igel-Spiel nicht aufhören.


Gfrastsackeln... Machen dir jede Freude am Sport kaputt

PS.: Und wo wird noch überall, gemogelt, gemauschelt und betrogen? Der Fußball ist doch mit Sicherheit kein Einzelfall?!?

Asiatisches Wettkartell?

Es ist wohl eher das österreichische Buchmacherkartell, dass massiven volkswirtschaftlichen Schaden anrichtet!

Bevor da einer Aufschreit!

Es ist wohl eher das österreichische Buchmacherkartell, DAS massiven volkswirtschaftlichen Schaden anrichtet!

Wettzunft-Banditenzunft

Die Staatsanwaltschaft Graz, die für Österreich die Ermittlungen in Sachen Wettbetrug leitet, hat Betrugsverfahren gegen 20 Personen im Zusammenhang mit manipulierten Fußballspielen und den Wetten darauf bzw. wegen des Verdachts der Geldwäsche laufen.

Einsitzen tut sicher noch keiner?

bin für vollmachtentzug bei schiedsrichter

-videosufnahme soll mitentscheident sein
-linienrichter sollen auch ablehnen dürfen

4 1

UEFA

Die werden dagegen genau so viel tun wie gegen Doping, denn das gibt's ja im Fußball angeblich auch nicht.

rapid

habe mich über jeden rapidsieg gewundert, jetzt wird vieles klar .

Re: rapid

ich mich noch mehr über echt komische Niederlagen!

Re: Re: rapid

bei machen verteidigeraktionen der letzten jahre fragt man sich tatsächlich

4 0

Nach den Taten folgen endlich Zahlen!

Das rechtfertigt endlich einiges! bin ich froh..

Bei 380 (!!)

Spielen 2 Mio Bestechungsgelder?
Die Proportion kann NICHT stimmen.
Vor allem in internationalen Bereich.
Es werden eher 2 Milliarden gewesen sein.
Für dumm verkaufen lassen sich die Menschen nicht.

Re: Bei 380 (!!)

Meldungen genau lesen!
Das ist erst der von EUROPOL nachgewiesene Betrag ...

Re: Bei 380 (!!)

Ich denke, damit waren die österreichischen Spiele gemeint.

0 0

Re: Bei 380 (!!)

richtig, sowohl zahlungen als auch gewinne sind panzerknackerniveau, aus (zeitungs)entenhausen.
;-D

Wenn sie bei der Korruption ...

... die von Brüssel in die Industrie und die nationalen Regierungen reicht, ebenso vehement ermitteln würden, dann wär's ja gut.

Das hier ist vergleichsweise egal. Man muß ja nichts mit den Laufäffchen zu tun haben.

Re: Wenn sie bei der Korruption ...

Da ist nichts ermittelt worden.
Das ist unter der Decke hervor gequollen.
(sprich mehre kleinere Abzocker haben sich geprellt gefühlt und die Polizei informiert.)


18 0

Da is mir Wrestling lieber, die bestreiten wenigstens nicht, dass es "Fake" ist...


na und, das ist doch Profi - "Sport"

ob gedopt oder beschissen, bleibt sich gleich

und wer mit Wetten Geld verdienen will muss Buchmacher werden

Peanuts

Wenn, laut einem Interview mit dem Chefredakteur des Kicker, die Ablösesummen für Starfussballer nur zu 10 % beim Verein und dem Fussballer landen, sondern zu 90 % an immer die selben südeuropäischen Makler als Provision zur Geldwäsche gezahlt werden, liegt der Skandal darin, dass sich hier auch nicht von Blatter autorisierte am Markt betätigen. Kriminell !

14 0

Können denn diese Zahlen stimmen?

Nur 8 Millionen? Und dafür besticht man 425 Personen? Das ist ja geradezu lächerlich. Das hat sich ja nicht einmal ausgezahlt!

p.s. 8Millionen Ertrag, nicht Bestechungsumsatz, soweit ich das hier aus dem Text herauslese.

 
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