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Österreich - Italien 2:2: Wundersame und skurrile Tore

20.08.2008 | 22:41 |  Von Wolfgang Wiederstein (Die Presse)

Das Debüt von Teamchef Brückner endete in Nizza gegen Weltmeister Italien 2:2. Immerhin stimmt das Ergebnis für die WM-Qualifikation positiv.

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NIZZA. An den neuen Fußball-Feldherren werden sich die Österreicher erst langsam gewöhnen müssen. An seine Trainingsmethoden und an die Teamchef-Praktiken. Aus Karel Brückner wird man nicht so schnell schlau, der „weiße Mann“ steckt voller Überraschungen. Vielleicht haben sie ihn in seiner tschechischen Heimat auch deshalb gerne „Kleki-petra“ genannt. Die Elf, die der 68-Jährige in Nizza auf den Rasen schickte, verblüffte jedenfalls. Denn zwei Mann waren erste Wahl, die dem ursprünglichen Kader gar nicht angehörten, erst am Sonntag nachnominiert wurden. Drei Trainingseinheiten haben aber offenbar genügt, um bei Brückner für Aufmerksamkeit zu sorgen.

Wie aus heiterem Himmel


Die defensive Rolle im zentralen Mittelfeld füllte Paul Scharner, der pardonierte „Team-Rebell“ aus, er gab nach fast exakt zwei Jahren ein Comeback in Rotweißrot. Der Wigan-Legionär durfte für Salzburgs verletzten Aufhauser einspringen. Noch erstaunlicher aber die Tatsache, dass der Ein-Mann-Sturm aus Marc Janko, dem Führenden in der heimischen Schützenliste, bei der Euro nicht dabei, bestand.
Die Entscheidung erwies sich als goldrichtig, Janko bedankte sich für das Vertrauen auf seine Art und Weise. Der Torjäger war in der 40. Minute nach einem Einwurf und Scharner-Verlängerung zur Stelle, er donnerte den Ball unhaltbar ins kurze Kreuzeck zur 2:0-Führung.

Gerätselt wurde vor Brückners Österreich-Debüt auch über das Spielsystem, das er den sieglosen Euro-Gastgebern verpassen würde. „Die Spieler machen das System“, hat Tschechiens ehemaliger Cheftrainer öfters betont. In Nizza ließ er ein 4-1-4-1 ausprobieren, eine der Lieblingsvarianten des 68-Jährigen. Ganz vertraut erschien es seinen neuen Schützlingen aber noch nicht.

Die Österreicher haben einiges vom Euro-Schwung eingebüßt, sie wirkten auch nicht so aggressiv und konsequent, dafür schraubten sie die Effizienz gewaltig in die Höhe. Hätte sich Rotweißrot bei der Europameisterschaft so treffsicher präsentiert, der Aufstieg wäre nicht Utopie geblieben.

Die Italiener hätten in Nizza 2:0 in Führung gehen können, aber Gilardino und Zambrotta waren nicht energisch genug, stattdessen stand es wie aus heiterem Himmel 1:0 für Österreich. Nach einem Corner brachte Säumel den Ball zum aufgerückten Pogatetz und der Middlesborough-Legionär donnerte das Leder unter die Latte (15.), Welttorhüter Buffon war geschlagen. Sicherheit brachte die Führung keine, die Brückner-Elf agierte zu wenig aggressiv, ließ dem Gegner zu viel Raum, der Weltmeister, der im Schongang operierte, hatte an sich das Geschehen im Griff, das Spiel völlig unter Kontrolle.
Den 0:2-Rückstand durch Janko müssen die Italiener wie eine Verhöhnung empfunden haben, aber noch vor dem Seitenwechsel schlugen sie zurück. Gilardino jubelte zwar, der Anschluss-Treffer aber ging auf die Kappe von Martin Stranzl, der ein Eigentor produzierte.

Özcans unglückliche Faust


Torhüter Manninger musste mit Rückenproblemen (Wirbel verschoben) verletzt ausscheiden, Hoffenheim-Legionär Ramazan Özcan sollte (wie Rapids Maierhofer) zu seinem ersten Länderspiel-Einsatz kommen. Der Mann aus Hohenems aber wurde alsbald zum Sargnagel, in der 67. Minute faustete er sich nämlich nach einer unglaublich patscherten Aktion den Ball ins eigene Tor (2:2).

Das Debüt von Karel Brückner endete somit mit einem skurrilen Spielverlauf, aber immerhin stimmt das Ergebnis für die WM-Qualifikation positiv.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.08.2008)

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19 Kommentare
Gast: gratulat
21.08.2008 19:42
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Gratulation an Brückner, gutes Ergebnis

Brückner startet mit einem guten Ergebnis, genauso hatte ich das erwartet.

Gast: Der Trainer
21.08.2008 11:57
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Ivanschitz Zeit ist abgelaufen

Jetzt kann man verstehen warum Ivanschitz immer so gegen die Rückkehr von Pogatetz und Scharner war. Somit ist auch sein Stammleiberl gefährdet. Sie spielen einfach besser als alle Anderen. Auch kein Wunder wenn man das ganze Jahr über in einer der stärksten Liga Europas spielt. Die griechische Liga kaum höher einzuschätzen als die österreichische ist kein Maßstab. Und noch dazu sitzt er derzeit auf der Ersatzbank und kann sich nicht durchsetzen. Es ist Karel Brückner zu verdanken der trotz Nebelgranaten von Herzog (vorübergehende Nicht-Nominierung von Scharner, Janko wird wohl auf Herzogs Mist gewachsen sein) die Lage erfasst hat und die besten Spieler einsetzt. Das haben sich die ÖFB Funktionäre und Herzog anders vorgestellt, die haben wahrscheinlich geglaubt mit dem alten Herren können sie „Schlittenfahren“ und so erfolglos und bequem weitermachen wie unter Hickersberger. Wenn das Team mehr und mehr Brückners Handschrift trägt, dann wird diese Mannschaft eine Zukunft haben.

Antworten Gast: GUTEN TAG
21.08.2008 17:15
0 0

Re: Ivanschitz Zeit ist abgelaufen

Endlich mal einer der sich auskennt! Der Herr Ivanschitz gehört schon lange auf die Bank und so wie der gestern wieder gespielt hat gehört er aus der Mannschaft. Janko und Pogatetz habe gestern gezeigt, dass auch die Österreichische Nationalmannschaft Tor schießen kann - und zwar auf beiden Seiten. Kleiner Scherz, aber wenn man es genau nimmt, habe die Italiener gar kein Tor geschossen! :-)
Naja - wünschen wir der Österreichischen Nationalmannschaft für die WM-Quali alles Gute. Die Franzosen müssen sowie so weg!

Antworten Gast: kommentar
21.08.2008 14:25
0 0

Re: Ivanschitz Zeit ist abgelaufen

Keine Ahnung, aber einfach mal irgendwas schreiben.

Antworten Antworten Gast: Coach
21.08.2008 16:46
0 0

Re: Re: Ivanschitz Zeit ist abgelaufen

Mimose Ivanschitz kann auch Kommentare verfassen. Der kann dann gleich mit dem "Schneckal" als Kommentator auftreten. Nur jammern und die Aussage nicht begründen. Das ist typisch.

Gast: Kleki-petra
21.08.2008 10:58
0 0

Gutes Spiel - gerechtes Remis

Dieses Herumgesudere an Karel Brückner ist so durchsichtig. Die ach so gloriosen 78er und Gefolgschaft pecken auf ihm herum, weil keiner von ihnen zum Zug gekommen ist. Journalisten und Reporter machen ihn einzig und allein deshalb nieder, weil er keiner vom herhaberten Klub ist. Wie schön war's doch den "Hicke", den "Hanse", den "Tone" oder den "Schneckal" auf seiner Privatnummer anzurufen, ein paar Internas gesteckt zu bekommen und dann "Exklusivitäten" oder Neunmalkluges abzusondern. Tja, die Zeiten sind vorbei, nun heißt's wieder Engagement zu zeigen und vielleicht selbst ein Training des Teams besuchen.

Hätte der "Hicke" so ein Spiel geliefert, wäre die Rede vom Sensationserfolg gegen den Weltmeister gewesen. Der Schiri hätte mit dem nicht gegebenen Elfer beim Foul gegen Maierhofer den Sieg verhindert, bestenfalls Öczan aufgrund des "unglücklichen" Tors, niemals aber die Taktik des Teamchefs, der wieder mal auf dem besten Weg gewesen wäre.

Wie sich die Sichtweisen ändern!

Antworten Gast: ja
21.08.2008 12:10
0 0

Da stimme ich voll zu!

Die „Freunderl-Wirtschaft“ ist vorbei. Was jetzt zählt ist Leistung. Und das Ergebnis, dass Brückner mit seiner Mannschaft erreicht hat ist beachtlich. Man konnte auch zu Beginn der TV Übertragung sehen mit welcher Skepsis das Comeback von Scharner kommentiert wurde. Wer nicht ins“ Habererschema“ reinpasste (Scharner, Pogatetz, Janko) durfte vor Brückners Zeit nicht spielen und wurde vom ORF degradiert. Obwohl diese Spieler zu den besten im Nationalteam zählen. Nur weil Scharner richtig erkannte, dass im ÖFB unprofessionell gearbeitet wird.

irnik19
21.08.2008 09:59
0 0

Immerhin 4 Tore...

...wenn auch nicht alle dort, wo sie hingehören. Aber da die Krux der EM-Spiele nicht so sehr die Herangehensweise war, sondern dass man das Runde einfach nicht ins Eckige brachte, ist das doch ein guter Anfang, oder?

Weiden
21.08.2008 08:00
0 0

Muss man nicht überbewerten...

... zu Saisonanfang spielt Italien immer sehr mies.

Ungar hat letztes Jahr 3:1 gewonnen, Island vor 2Jahren 2:0...
und diese Nationen haben trotz Achtungserfolg gegen Italien in der letzten Zeit nix gerissen.

Antworten Gast: IC
21.08.2008 11:58
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Re: Muss man nicht überbewerten...

Und das Lamentieren geht weiter, gel .....

Weiden
23.08.2008 01:30
0 0

Re: Re: Muss man nicht überbewerten...

Nö, aber wir neigen immer gleich dazu abzuheben.
Island und Ungarn haben auch keine Sprünge gemacht, trotz Siegen, und nicht einem Unentschieden, gegen Italien.

Plabutsch
21.08.2008 01:00
0 0

Dieselbe Mannschaft - anderer Trainer : welch ein Unterschied

Zum ersten Mal seit VIELEN Jahren war es wieder ein Genuss, die österreichische Nationalmannschaft spielen zu sehen. Nicht nur das Ergebnis war völlig überraschend und erfreulich - sondern das ganze Spiel. Da klaffte keine unüberwindbare Qualitätskluft zwischen dem Weltmeister und der Nummer 100 (ca.) der Weltrangliste. Da spielten zwei ebenbürtige Mannschaften - und jedes Ergebnis war möglich. Das Unentschieden war kein glücklicher Zufall - die Österreicher hätten ebenso gewinnen können, wie die Italiener. Alleine die Chancenauswertung : gegen Italien (!) doppelt so viel Tore wie während der gesamten Euro. Kein katastrophaler Einbruch nach der Pause - sondern im Gegenteil einige Gelegenheiten für den Siegestreffer.

Die beiden Eigentore waren sicher skurril - es ist allerdings auch bemerkenswert, dass Italien selbst gegen Österreich kein einziges Tor geschossen hat.

Das Eigentor von Özcan sollte nicht überbewertet werden - Anfangsnervosität. Er wurde zunehmend sicherer !

Weiden
21.08.2008 07:59
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Re: Dieselbe Mannschaft - anderer Trainer : welch ein Unterschied

Was für ein Unsinn. In der ersten Hälfte war Österreich trotz Toren Italien in KEINEM Bereich ebenbürtig sondern ganz klar unterlegen, spielte chaotischer als in jedem EM Spiel. Es lag einzig an der Unfähigkeit der Italos dass das icht bestraft wurde.
In der zweiten Halbzeit hat man sich dann Defensiv gefangen, was aber zum einen daran lag das Italien Stützen austauschte, zum anderen die Offensive völlig aufgegeben wurde,

Unglaublich wie schlecht manche Spiele interpretieren können.

Das Spiel gegen die Kroaten war VIEL VIEL besser, nur die Chancenauswertung damals um einiges schlechter.

Plabutsch
22.08.2008 03:13
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Re: Re: Das Spiel gegen die Kroaten war VIEL VIEL besser, nur die Chancenauswertung damals um einiges schlechter.

Eben. Irgendwo hab ich einmal gelesen, dass es im Fussball auf die Tore ankommt. Aus der "Unterlegenheit" heraus 2:0 in Führung zu gehen - das muss einem einmal gelingen.

cuniculus
21.08.2008 07:33
0 0

Re: Dieselbe Mannschaft - anderer Trainer : welch ein Unterschied

Jeder sieht, was er sehen will. Die Spiele bei der Euro waren wesentlich ansehnlicher. Da war mehr Tempo, Leidenschaft und auch Ballsicherheit dabei. Alleine Unvermögen vor dem Tor.
Und die August-Länderspiele Italiens sind sowieso ein eigenes Kapitel, Island hat immerhin 2:0 gewonnen.

Das Ergebnis ist erfreulich aber speziell Mitte zweiter Halbzeit ging nach vorne nicht mehr viel. Da hing der Sturm nur mehr in der Luft, hat keine brauchbaren Bälle bekommen. Die Italiener wirkten nach den vielen Wechseln dann auch eher ideenlos.

cmartin
20.08.2008 23:10
0 0

österreichisch, aber nicht schlecht!

4 Tore gegen Italien und am Ende ein Remis, das Ergebnis ist absolut zufriedenstellend. Scharner ist wie zu erwarten war eine Bereicherung, der das Spiel auch mal beruhigen kann. Die Leistung ist aber noch an allen Ecken und Enden verbesserungswürdig!

Antworten Gast: leistung gut?
21.08.2008 06:02
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Re: österreichisch, aber nicht schlecht!

Ich kann die Meinung meines "Vorredners" keinesfalls teilen! Wir wirkten wie (müde) Ameisen, die dem Ball nachliefen und nicht versuchten, bin dem Ball zu spielen. Die Analyse war nach dem Spiel richtig: schlecht im Ballbesitz, Kombinationen und Passspiel (Brückner). Aber was braucht man denn sonst noch? Auf einzelne Spieler möcht ich nicht Bezug nehmen - alle waren nicht in "Hochform". Einzig unser Kaptiän zeigte nach langem wieder, dass er in ruhenden Situationen den Ball besser beherscht wie noch zur EM. Italien war im Übrigen und wahnsinnig schlechter Verfassung; diese Chancen verwertet mann idR in der untersten Spielklasse (das haben sich die Itaka wohl von uns während der EM abgeschaut)! Naja, wenn ich mir das Match nicht angeschaut hätte, würde ich mich über das Ergebnis freuen - so bleibt ein schaler Nachgeschmack...

Zusammengefasst kann ich nur sagen, hätte Hicke diese Leistung geboten, wäre vermutlich über ihn hergezogen worden...

cuniculus
21.08.2008 07:35
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Re: Re: österreichisch, aber nicht schlecht!

Ich bin ganz bei Ihnen.
Zudem hat beim ORF und bei der Presse noch niemand bemerkt, dass Jankos Tor unhaltbar abgefälscht wurde. Ich bezweifle, dass der Ball überhaupt aufs Tor gekommen wäre, wenn er seinen Gegenspieler nicht angeschossen hätte.
Ändert natürlich nichts am Tor, klingt aber gleich viel weniger heroisch als "donnerte den Ball unhaltbar ins kurze Kreuzeck".

Antworten Antworten Antworten Gast: Spiel
21.08.2008 10:58
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Re: Re: Re: österreichisch, aber nicht schlecht!

Noch Kapitän Ivanschwitz war, wie immer, über weite Strecken des Spiels nicht als Kapitän am Feld zu finden. Seine Leistung war besser als bei der EM aber !!!nicht!!! gut.
Das sich das Spielsystem nach zweieinhalb Tagen training noch nicht wirklich geändert hat ist kein wunder.
Die Leistung der Mannschaft war nur wenige Minuten im Spiel gut (zwei Tore). Viel Arbeit, so wie Brückner gesagt hat, gibt es sicher noch.
Mit ein wenig mehr Mut und Bewegung sind aber sicher sehenswerte Spiele in der Quali möglich (WM Quali 2008 mein ich).
Es gibt einige die das technische Niveau hätten, aber es in der Nationalmannschaft bis jetzt noch nicht richtig unter Beweis gestellt haben.
Vielleicht ist es unter der Führung von Brückner möglich diesen Spielern das nötige Selbstvertrauen zu geben.

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