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Glücks- und Wettspiele als ernsthafte Bedrohung des Fußballs

11.11.2008 | 18:31 |   (Die Presse)

25 Uefa-Spiele sollen „beeinflusst“ worden sein, der Einfallsreichtum diverser Anbieter ist grenzenlos.

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Zürich (APA). Joseph Blatter, Präsident des Weltfußballverbandes, ist kein Freund der Sportwetten. Und über das weltweit anhaltende Wachstum des Wett- und Glücksspiels im Fußball ist er keineswegs erfreut. „Für mich sind solche Glücks- und Wettspiele etwas Zwiespältiges“, sagte Blatter beim Kongress „Sportwetten – Symbiosen und Gefahren“ in Zürich. „Es hat keine Grenzen. Vielleicht wird sogar mal gewettet, dass in der zweiten Halbzeit ein anderer Trainer auf der Bank sitzt.“ Unmöglich ist das nicht...

Als Maßnahme gegen Manipulationen forderte der Schweizer, der an den Betrugsfall des Berliner Unparteiischen Robert Hoyzer erinnerte, die Einführung von Profi-schiedsrichtern. „Wir haben auch in der deutschen Bundesliga noch keine Profischiedsrichter. Es soll keiner sagen, es fehle an Geld. Wir müssen diejenigen schützen, die die Zielscheibe von solchen Methoden sein könnten oder bereits gewesen sind.“

Geschätzte 350 Milliarden Dollar (274 Mrd. Euro) pro Jahr beträgt laut Wolfgang Feldner, Strategiechef der Early Warning System GmbH, derzeit der weltweite Bruttospielbetrag bei Sportwetten – also Spieleinsätzen minus Gewinnausschüttung. Das Frühwarnsystem (Early Warning) war vor der WM 2006 in Deutschland erstmals getestet worden und steht unter Obhut der Fifa, die Manipulation als „ernsthafte Bedrohung des Fußballs“ (Blatter) sieht. Das Unternehmen kooperiert mit internationalen Buchmachern und Anbietern, überwachte die Olympischen Spiele in Peking und kontrolliert auch die WM-Qualifikationsspiele für Südafrika 2010.

 

Auf Achtjährige gewettet

Feldner warnt, dass es inzwischen „eine Vielzahl von Möglichkeiten gebe, bei Manipulationen unentdeckt zu bleiben“. Das klassische Beispiel – der Favorit verliert – sei um viele Varianten reicher geworden, da auf alle möglichen Details gewettet werden könne. Zudem seien Einzelspieler, wie beim Tennis, leichter zu beeinflussen. „Das insgesamt gestiegene Umsatzaufkommen fördert den Anreiz.“

Eine hundertprozentige Sicherheit, dass bei Sportwetten betrogen wird, könne es nicht geben. Aber eine Regulierung des Wettmarktes, Transparenz und Zusammenarbeit mit den Behörden seien Lösungen. Doch im internationalen Fußball hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder Manipulationseinflüsse gegeben. „Man braucht uns und man missbraucht uns“, sagt Blatter dazu, er weist jedoch vehement Gerüchte zurück, wonach es bei der WM 2006 (Achtelfinale: Brasilien – Ghana; England – Ecuador) nicht mit rechten Dingen zugegangen sei. Darauf gebe es keinen einzigen Hinweis.

Für Carsten Koerl von der Schweizer Sportradar AG, die den Markt auf illegale Machenschaften abklopft, gibt es inzwischen Manipulationen in allen Ländern Europas. Laut Koerl, der auch im Auftrag der Fifa, Uefa und des Deutschen Fußballbundes arbeitet, sind allein in den vergangenen zwei Jahren 25 Spiele in Uefa-Wettbewerben auf unerlaubte Weise beeinflusst worden. Dabei handle es sich um Partien der Qualifikation bzw. 1. Runde. Inzwischen würden in der Türkei sogar Knabenspiele der unter Achtjährigen manipuliert, so der Unternehmer. Diesem Treiben sind also keinerlei Grenzen gesetzt. „Es ist ein organisiertes Verbrechen, und es gibt dabei auch die Komponente der Geldwäscherei.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.11.2008)

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