22.11.2009 07:09 | Meine Presse Merkliste0

Euro 2012: Blutgrätsche des ukrainischen Präsidenten

28.06.2009 | 18:25 |  Von unserem Korrespondenten KNUT KROHN (Die Presse)

Während Südafrika zur Überraschung vieler die Generalprobe für die WM 2010 gut absolviert hat, liegt es in der Ukraine im Argen: Dort glauben selbst Spitzenpolitiker nicht an eine erfolgreiche Ausrichtung der Euro 2012.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

WARSCHAU.Noch vor einiger Zeit haben sich die Europäer gefragt, ob es tatsächlich eine weise Entscheidung sei, die nächsten Fußballweltmeisterschaften in Südafrika austragen zu lassen. Viel wurde von der großen sozialen Kluft und den wirtschaftlichen Problemen am Kap der Guten Hoffnung geredet. Und tatsächlich waren die Sorgenfalten der Fifa-Verantwortlichen bis vor Kurzem ziemlich deutlich zu sehen. Allerdings bis vor Kurzem: Denn die Austragung des Confederations Cup machte viele Beobachter hoffnungsfroh. Der Bau der neuen Stadien geht zügig voran, die Investitionen in die Infrastruktur sind zum Großteil abgeschlossen. Der Probegalopp für die WM 2010 wurde sehr gut absolviert. Und längst ist es nicht mehr Südafrika, das den Fußball-funktionären Sorgen macht. Längst liegen die Sorgen in Europa selbst. Nämlich in der Ukraine. Dort soll nämlich in drei Jahren eine Europameisterschaft gespielt werden. Und dass dem so sein wird, daran glaubt mittlerweile nicht einmal mehr der ukrainische Präsident.

 

Juschtschenko ist pessimistisch

Er fürchte, erklärte Viktor Juschtschenko in diesen Tagen bedeutungsschwanger, dass die Ukraine die geplante Fußballeuropameisterschaft 2012 nicht ausrichten könne. Damit stellt der Staatschef überraschend die eigene Regierung bloß, die gegenüber dem europäischen Verband Uefa seit Monaten immer wieder beteuert, die Vorbereitungen unter Kontrolle zu haben. Diese Darstellung entspreche nicht den Tatsachen, so der Staatschef. Er hält die Regierung schlicht für unfähig, die notwendigen Fortschritte erzielen zu können.

Juschtschenko rügte, nach Angaben der Agentur Interfax, vor allem den schleppenden Ausbau der Infrastruktur. Von den in diesem Jahr für Verkehrsprojekte eingeplanten rund 239 Millionen Euro seien nur knapp über zehn Prozent ausgegeben worden. Damit legt er den Finger auf eine schwärende Wunde, denn vor einigen Tagen ist der ukrainische Transportminister Josef Winskij mit eben dieser Begründung zurückgetreten.

Er hatte Ministerpräsidentin Julia Timoschenko vorgeworfen, sie blockiere das Geld für den Bau von Straßen. Die schoss verbal zurück, und erklärte, Winskij habe Millionensummen abgezweigt, um seine eigene politische Karriere damit zu fördern, weshalb sie dessen Budget eingefroren habe.

Mit der verbalen Attacke Juschtschenkos auf seine Rivalin Timoschenko ist der Albtraum vieler EM-Verantwortlichen wahr geworden: Der Machtkampf zwischen Präsident und Premierministerin, der seit Monaten das Land lähmt, hat nun die Vorbereitungen für das Turnier direkt erreicht.

Die lagen allerdings bereits vor diesem neuen Störfeuer sehr im Argen. Der Bau der Stadien scheint voranzukommen, schließlich gibt es in der Ukraine genügend Oligarchen, die sich mit den luxuriösen Sportarenen weithin sichtbare Denkmäler setzen wollen.

Doch auch der Reichtum dieser „Bisnesmen“ ist nicht unendlich und so fehlt es noch immer an Hotels, Flugplätzen, Bahnstrecken und Straßen. Ausländische Bauträger sind kaum zu finden, in Zeiten der Krise scheuen sich auch die Wagemutigsten, in ein Land am Rande des Staatsbankrotts zu investieren. Das muss inzwischen auch der daueroptimistische EM-Koordinator Ilja Tschewlijak einräumen. „Das größte Problem ist, dass alle Hotels von privaten Investoren finanziert werden müssen, was vor der Krise eigentlich nicht kompliziert erschien. Nun aber ist es schwierig, angesichts mangelnden Kapitals den Bau fertigzustellen“, erklärt er.

 

Polen will Euro ganz für sich

Die Schwierigkeiten in der Ukraine haben inzwischen Begehrlichkeiten beim Ko-Gastgeber Polen geweckt. Dort würde man sehr gern mehr als die vier bisher von der Uefa zugestandenen Spielstätten haben und auch weitaus größeren Einfluss auf die Organisation nehmen.

Da die Verantwortlichen des europäischen Verbandes diese seit Wochen immer wieder vorgetragenen Wünsche offensichtlich satt haben, sprach am Donnerstag Martin Kallen, Euro-Direktor der Uefa, in Warschau vor. „Wir sind ein Team und nur, wenn wir in einer Mannschaft spielen, haben wir die Chance, ein fantastisches Turnier zu organisieren“, erklärte er. Den ständigen Nörgeleien aus Polen habe er mit einem kurzen Satz ein Ende gesetzt: „Die Euro gehöre allein der Uefa!“

AUF EINEN BLICK

Polen und die Ukraine wollen gemeinsam die Fußball-Europameisterschaft 2012 ausrichten. Doch während die Vorbereitungen in Polen relativ zügig voranschreiten, gibt es in der krisengeschüttelten Ukraine große Probleme. Nun glaubt auch der Staatspräsident nicht mehr, dass sein Land die Euro ausrichten kann.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.06.2009)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

2 Kommentare
Gast: EUdSSR
28.06.2009 23:18
0 0

Überaschung? Definitiv NEIN!

Was haben Platini und die UEFA bei dem deal erwartet? Jeder, der die Ukraine und die Verhältnisse vor Ort nur ein wenig kennt mußte damit rechnen, daß die Sache so ausgeht. Das Land und die Mentalität seiner regierenden mafiösen Eliten, ob Juschtschenko, Janukovitsch, Timoschenko, etc. sind so marod, daß nur 200 Jahre EU-Mitgliedschaft und Billionen an Euro etwas ändern könnten.

Die nächste sportliche Katastrophe wird dann 2014 in Sochi über das IOC hereinbrechen. Auch dort ist man, wie immer, vollkommen unfähig. Wie von Anfang an vorherzusehen war, wird außer Potjemkinschen Dörfern für Besuchsdelegationen dort kaum etwas sinnvolles gebaut.
Die einzige Chance die Rußland noch hat ist es so schnell als möglich Deutschland den Krieg zu erklären! Mit ein paar 100.000 deutschen Kriegsgefangenen schaffen sie es vielleicht noch.

Mehr bei der Deutschen Gesellschaft für Außenwirtschaft unter:
https://www.gtai.de/DE/Content/__SharedDocs/Anlagen/PDF/Sotschi/newsletter-sotschi-ausgabe07,property=publicationFile.pdf?show=true
" target="_blank">https://www.gtai.de/DE/Content/__SharedDocs/Anlagen/PDF/Sotschi/newsletter-sotschi-ausgabe07,property=publicationFile.pdf?show=true


0 0

Re: Überaschung? Definitiv NEIN!

Sie haben die aktuelle Situation in der Ukraine, Polen und in Rußland völlig richtig beschrieben. Wobei man aber dfferenzieren muß. Die UEFA wollte mit dem Zuschlag der EM 2012 an Länder, die nicht gerade zu den "klassischen" Austragungsorten zählen, in diesen Regionen sportliche wie auch ökonomische Impulse setzen. Tatsächlich wurden auf diese Weise in den betreffenden Ländern schon oft aufwendige Bauvorhaben "aus gegebenem Anlaß" vorgezogen.

Doch besonders in der Ukraine haben diese UEFA-Intentionen noch nicht gegriffen. Die innenpolitische Instabilität (auch unter den "Reformern"!) machte dieses Land schon lange vor der aktuellen Wirtschfatskrise zu ienem unsicheren Kantonisten. Besser wäre es gewesen, ein solches Riesenevent an politisch und ökonomisch gefestige Staaten zu vergeben.

Kurios finde ich freilich den Satz, wonach "die Euro allein der UEFA gehört". Aber ohne Veranstalterländer könnte die UEFA keine einzige Euro auf Schiene stellen. Hier wedelt der Schwanz mit dem Hund...

Schlagzeilen