ST.VEIT. „Es ist vielleicht die dümmste Phrase im Fußball, aber sie stimmt: Es zählt immer nur das nächste Match.“ Von einer Generalprobe für die beiden WM-Qualifikationsspiele Anfang September gegen Färöer und Rumänien will Österreichs Teamchef Didi Constantini vor dem heutigen Länderspiel in Klagenfurt gegen Kamerun (20.30, live ORF1) nichts wissen. Der Tiroler will gegen die Afrikaner vor allem eines sehen: „Die Freude am Leben und die Freude am Kicken.“ Dann würde sich auch der Erfolg einstellen. „Aber wir dürfen ja nicht glauben, dass wir gut sind!“
Das ÖFB-Team hatte zuletzt Ansätze gezeigt, wie man die Talfahrt beenden könnte: Gegen Rumänien feierte man einen etwas glücklichen Sieg, in Serbien agierte man erstaunlich unerschrocken. „Gegen Kamerun wollen wir beweisen, dass Belgrad kein Zufallsprodukt war“, so Constantini. „Und das kann nur über den Kampf funktionieren.“ Mit dem Gegner haben sich die Österreicher diesmal nicht so sehr beschäftigt, zwei DVDs genügten. Schließlich praktiziere Kamerun typisch afrikanischen Fußball. „Schnell, beweglich, elegant.“ Man könnte auch sagen: gefährlich.
Einige Stützen fehlen im Aufgebot, das gibt dem Teamchef die Möglichkeit, weitere junge Spieler an das internationale Niveau heranzuführen. Das erste Training in St. Veit musste wegen eines Gewitters abgebrochen werden, am Dienstag hingegen wurden zwei Einheiten durchgezogen. Standardsituationen standen auf dem Programm, gegenseitiges Kennenlernen ebenso. Nach den englischen Wochen ist Fingerspitzengefühl gefragt, weniger kann manchmal auch mehr sein. Andere Spieler plagen sich mit Wehwehchen herum. Wie Sebastian Prödl (Werder) oder Paul Scharner. Letzterer hat von einem Testspiel mit Wigan eine Oberschenkelverhärtung mitgebracht. An eine Absage für das Länderspiel aber dachte der Kapitän nie. „Jeder kommt gerne zum Team – in den vergangenen Monaten hat ein Wandel bei der ÖFB-Auswahl eingesetzt. Wir alle haben die Chance, positive Energie mitzunehmen.“
Erfolgsdrang der jungen Wilden
Auch Scharner muss einige Teamneulinge erst kennenlernen. Seine Aufgabe sieht er darin, „die Jungen zu führen und Ruhe hineinzubringen. Vielleicht gelingt es dem einen oder anderen, sich zu empfehlen.“ Hinter dem Einsatz des Wigan-Legionärs stand Dienstag ein Fragezeichen, das Zwicken im Oberschenkel aber schien nachzulassen. Für 45 Minuten sollte es reichen, „ich bin ein Wettkampftyp“. Entscheidend sei, dass der Erfolgswille erkennbar sei. „Wir müssen die Aufgabe ernst nehmen, dürfen das Spiel gegen Kamerun nicht als Gaudi sehen. Alle müssen hundert Prozent geben.“
Gegen Kamerun plant Teamchef Didi Constantini einige Auswechslungen, Ivica Vastic und Martin Hiden werden offiziell verabschiedet. Sie werden mit der Mannschaft aufs Feld laufen, nach der Hymne aber erfolgt ihr Abpfiff im ÖFB-Team. Dann gehört die Zukunft den jungen Wilden. Einer davon ist Rapids Senkrechtstarter Christopher Trimmel. Er hat binnen kurzer Zeit mit Toren und guten Leistungen in der Bundesliga und im Europacup auf sich aufmerksam gemacht. „Ich habe sehr schöne Wochen hinter mir, der Knopf ist aufgegangen“, erklärt der Absolvent der HTL Pinkafeld. „Aber dahinter steckt harte Arbeit.“ Und keine Nachwuchsakademie, „ohne die es auch geht“.
Wer Constantini kennt, der weiß, dass er nicht davor zurückschreckt, Talente schnell ins kalte Wasser zu werfen. „Dass ein Debütant gegen Kamerun beginnt, das schließe ich nicht aus.“ Ausgehen konnte man obendrein vom Comeback eines Christoph Leitgeb. „Ein sensationeller Fußballer. Ein Techniker, der unheimliche Wege geht.“ Zuletzt agierte er im defensiven Mittelfeld, den Teamchef erinnert er sogar ein wenig an Italiens Pirlo. Aber das wäre schon wieder des Lobes zu viel.
■Österreichs Teamspieler stehen unter Beobachtung: Scouts von Bayer Leverkusen, Juventus, Borussia Dortmund oder Fulham sitzen am Mittwoch im Stadion.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2009)

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