Die Transferzeit in der österreichischen Fußball-Bundesliga ist am Montagabend spektakulär zu Ende gegangen. Gleich vier Klubs sicherten sich in letzter Sekunde die Rechte an einem neuen Stürmer. Rekordmeister Rapid ließ Stefan Maierhofer in die englische Premier League zu den Wolverhampton Wanderers ziehen und holte den Rieder Hamdi Salihi als Ersatz. Die Oberösterreicher verpflichteten deshalb wiederum Kärntens Jungstürmer Adthe Nuhiu.
Die beiden Europa-League-Starter Austria Wien und Sturm Graz rüsteten für die anstehenden sechs Partien auf internationaler Ebene ebenfalls nochmals auf. Die Wiener verstärkten sich mit dem bundesligaerfahrenen Brasilianer Schumacher und die Grazer nahmen den 25-fachen slowenischen Teamstürmer Klemen Lavric unter Vertrag. Meister Red Bull Salzburg hatte bereits am Sonntag sein Transferprogramm mit der Verpflichtung des nigerianischen Abwehrspielers Rabiu Afolabi abgeschlossen.
Meister Rapid hat damit in der zu Ende gegangenen Transferzeit gleich seinen ganzen Traumsturm der vergangenen Saison verkauft. 50 Tore hatten Maierhofer und der zum SSC Napoli transferierte Erwin Hoffer 2008/09 erzielt. "Ich bin überglücklich und froh, dass ich mit dem Transfer nach England ein von mir gestecktes Ziel erreicht habe", erklärte Maierhofer. Der 26-jährige Stürmer unterzeichnete beim Premier-League-Aufsteiger einen Dreijahresvertrag mit Option und spülte gleichzeitig zwei Millionen Euro in die Rapid-Klubkasse.
"Anfangs waren es nur lose Anfragen, am Schluss ist es dann sehr konkret geworden", berichtete Rapids Sportdirektor Alfred Hörtnagl. Da der ÖFB-Teamangreifer unbedingt wechseln wollte, gab man dem Wunsch des Spielers nach. "Es wäre schwierig gewesen, seine Energie für Rapid aufrechtzuerhalten. Das war schon in den vergangenen Wochen nicht mehr so der Fall", erklärte Hörtnagl.
Der Transfer sei daher ein gut überlegter Schritt gewesen."Wir haben sowohl von der Qualität als auch von der Quantität her gute Stürmer im Kader", sagte Hörtnagl. Die Hütteldorfer hatten den "Langen" nur ziehen lassen, da mit Salihi ein Ersatzmann parat stand.
Hörtnagl hofft auf Salihi
Der albanische Teamstürmer war schon vor zweieinhalb Jahren ein Thema für Rapid, jetzt wurde er verpflichtet. "Salihi hat Torjäger-Qualitäten, er ist im Strafraum sehr präsent, dort wo es ernst wird. Und unsere offensive Spielweise kommt ihm sicher entgegen", setzt Hörtnagl große Hoffnungen in den Neo-Stürmer. Natürlich werde er aber auch seine Zeit brauchen. Im Angriff der Rapidler kämpfen nun neben Salihi und Nikica Jelavic ("Er ist fulminant gestartet"), der wiedergenesene Rene Gartler, Mario Konrad sowie Christopher Trimmel um einen Stammplatz. "Alle Stürmer haben schon getroffen, es wird einen großen internen Konkurrenzkampf geben", sagte Hörtnagl.
Die Oberösterreicher ließen ihren Topstürmer - 34 Tore in 82 Partien für die Innviertler - vor allem aus finanziellen Gründen ziehen, im Sommer wäre Salihi ablösefrei gewesen. Die Hoffnungen der Elf von Coach Paul Gludovatz ruhen nun vor allem in Nacho. "Nacho ist ein Spieler von derselben Qualität wie Salihi", betonte Rieds Manager Stefan Reiter. Der Spanier könne nach dem Salihi-Abgang nun endlich auf seiner angestammten Position an vorderster Front agieren. "Und wir haben im Sommer Jonathan geholt, von dem wir uns sehr viel erwarten", fügte Reiter hinzu. Zudem stieß in letzter Sekunde Nuhiu zur Mannschaft. Der ÖFB-Nachwuchsteamstürmer sei ein Perspektivspieler. "Wir haben Vertrauen in unsere Mannschaft. Ich bin optimistisch", sieht Reiter gelassen in die Zukunft.
Die Wiener Austria war zum Handeln gezwungen, da Topstürmer Rubin Okotie wegen einer Knieverletzung mehrere Monate ausfallen könnte. Im ligainternen Kampf mit Austria Kärnten machten die Favoritner schlussendlich im Wettbieten um Schumacher das Rennen. Die 23-jährige Udinese-Leihgabe hatte in der vergangenen Saison für die Klagenfurter in 18 Partien immerhin sechsmal getroffen und einen starken Eindruck hinterlassen. Ebenfalls den Kader verstärkt, hauptsächlich im Hinblick auf die bevorstehenden "englischen Wochen", hat Sturm Graz. Der 28-jährige Klemen Lavric, der einen Einjahresvertrag erhielt, spielte in seiner besten Zeit in der deutschen Bundesliga beim MSV Duisburg und wird den Steirern sicher weiterhelfen. Im Sturm sind die Grazer vor allem auch aufgrund des noch verletzten Mario Haas ohnehin knapp besetzt.
Ebenfalls aktiv wurde auch noch Schlusslicht Kärnten. Ex-Rapid-Oldie Martin Hiden soll der Elf von Trainer Frenkie Schinkels im Abstiegskampf helfen, genauso wie Stürmer Wolfgang Mair, der sich auf einen neuen Kontrakt einigen konnte.
Die teuersten neuen Spieler sicherte sich klarerweise Salzburg. Nach Franz Schiemer, Thomas Augustinussen, Christian Schwegler, Dusan Svento, Simon Cziommer, Admir Vladavic und Nikola Pokrivac sowie den beiden Rückkehrern Sasa Ilic und Mejdi Traoui stieß zuletzt auch noch der Ex-Austrianer Afolabi zur Mannschaft. Der von Sochaux gekommene Innenverteidiger soll der Bullen-Defensive neue Stabilität verleihen.
Bullen-Coach Huub Stevens ist auch jener Trainer, der gemeinsam mit Kapfenbergs Werner Gregoritsch, die meisten neuen Spieler (je 10) integrieren musste. Bei der Austria waren es neun, bei Rapid sowie Sturm Graz jeweils acht. Auf der Abgangsseite waren die Kapfenberger "Meister". Mit 13 Kickern verließ mehr als eine ganze Mannschaft die Steiermark, der Lask gab elf, Austria Kärnten zehn Spieler ab. Auf Kontinuität setzte vor allem der SV Mattersburg, mit Robert Waltner, Josef Hamouz und Tomas Sedlak kam ein neues Legionärstrio, dafür verließen Lindström, Jancker, Mravac, Velicky und Ujcik den Klub.
Weniger Legionäre in Österreich
Im Vergleich zur Vorsaison stehen in der heimischen Top-Liga acht Legionäre weniger unter Vertrag. Die meisten der 77 "Fremdarbeiter" stellt Meister Red Bull Salzburg, Coach Huub Stevens setzt im Kampf um die Titelverteidigung auf 20 ausländische Spieler. Im Vorjahr waren es allerdings mit 22 noch mehr gewesen.
Bei den Bullen fanden in der Transferzeit große Veränderungen statt, mit der Ausnahme von Franz Schiemer wurden nur (neun) Legionäre verpflichtet, dafür wurden aber auch sechs Ausländer von der Gehaltsliste gestrichen. Den größten Coup landeten die Mozartstädter wohl mit dem Erwerb von Nikola Pokrivac, der 23-jährige Kroate kam vom AS Monaco und erzielte gleich in seinem ersten Pflichtspiel beim 4:0 gegen Kapfenberg den ersten Treffer. Zudem ist auch von Afolabi, der die Bundesliga seit seinem Austria-Gastspiel (2003-2005) gut kennt, einiges zu erwarten.
Schlusslicht Austria Kärnten hat acht Legionäre im Kader, die bekanntesten sind die beiden Ex-Austrianer Jocelyn Blanchard und Fernando Troyansky. Potenzial hat auch der maltesische Offensiv-Teamspieler Andre Schembri. Jeweils sieben Ausländer zur Verfügung haben Vizemeister Rapid, Sturm Graz, Mattersburg und Kapfenberg. Die Austria und Aufsteiger Wiener Neustadt haben jeweils sechs Ausländer im Kader.
Am meisten heimische Kicker sind in Oberösterreich im Einsatz. Der Lask hat fünf, die Rieder nach dem Abgang von Topstürmer Hamdi Salihi zu Rapid gar nur noch vier nicht-österreichische Kicker im Aufgebot. "Wir investieren seit Jahren für unsere Verhältnisse sehr viel in unsere Nachwuchsprogramme", betonte Rieds Manager Stefan Reiter. Es sei erfreulich, dass man die meisten österreichischen Spieler im Kader habe.
"Ich bin aber kein Gegner von Legionären, es kommt auf die richtige Mischung an", sagte Reiter. Wichtig sei nur ausschließlich Legionäre zu verpflichten, die einem Verein auch weiterhelfen würden. "Mitläufer aus dem Ausland sind nicht notwendig, es ist wichtig, Vertrauen in die heimischen Spieler zu setzen", fügte der Ried-Manager hinzu.
Im Vorjahr waren noch 85 Legionäre im österreichischen Oberhaus beschäftigt, jetzt sind es nur noch 77. Hauptverantwortlich für diesen Trend sind Kapfenberg (Reduzierung von 10 auf 7), Salzburg (22 auf 20), der Lask (7 auf 5), Ried (6 auf 4), die Austria (7 auf 6) und Aufsteiger Wiener Neustadt, der im Vergleich zu Absteiger Altach (7 auf 6) einen ausländischen Spieler weniger hat.
Mehr "Fremdarbeiter" im Kader haben nur Sturm Graz (5 auf 7) und Mattersburg (6 auf 7).