Theoretisch ist es noch möglich. Theoretisch könnte Österreichs Fußball-Team die übrigen beiden WM-Quali-Spiele gegen Litauen und in Frankreich gewinnen. Theoretisch könnte Frankreich währenddessen gegen die Färöer daheim Punkte liegen lassen, was noch nicht einmal Österreich "geschafft" hat. Die Wahrscheinlichkeit für diese Konstellation steht aber auf einem anderen Blatt. Sie dürfte etwa so groß sein, wie die, gemeinsam mit einem Fremden, der denselben Namen und dasselbe Geburtsdatum hat, einen Lottojackpot zu knacken. Oder so groß wie die Wahrscheinlichkeit eines "warmen Eislutschers".
Die Trendkurve im rot-weiß-roten Team zeigt jedoch weiter leicht nach oben, die jüngste Nationalmannschaft aller Zeiten hat am Mittwochabend in Bukarest gegen Rumänien mit viel Glück, aber ebenso viel Moral ein 1:1 erobert.
Die 14 von Teamchef Dietmar Constantini eingesetzten Spieler brachten es auf ein Durchschnittsalter von 23,29 Jahren, haben im Schnitt nach Mittwoch gerade einmal 11,07 Länderspiele absolviert und gemeinsam 11 Tore erzielt. Einer der wenigen Routiniers in der Truppe war Paul Scharner (29), der diesmal wie zuletzt bei Wigan als Innenverteidiger eingesetzt wurde. Der Kapitän war mit dem Auftreten des "Kindergartens" größtenteils zufrieden war.
"Moral im Team passt"
"Dass wir einen Rückstand aufgeholt haben ist ein sehr positiver Ansatz. Die Moral im Team passt. Die Jungen sind sehr lernfähig und lernwillig, sie haben sicher wieder sehr viel für die nächsten Aufgaben mitgenommen", so Scharner, der aber noch viel Verbesserungsmöglichkeiten sieht.
"Mehrfach hat bei den Standardsituationen die Raumdeckung nicht gepasst, so auch beim Gegentor. Wir hätten den Ball mehr in unseren Reihen zirkulieren lassen und die Rumänen müde machen müssen, und dann hätten wir zuschlagen können. Mir müssen am Ball mehr Ruhe zeigen, das hat gefehlt", wusste Scharner einige Punkte zu bemängeln.
Der Traum von den "warmen Eislutschern"
Deshalb ist für Scharner die Situation in der aktuellen WM-Qualifikation fast sekundär. Der 29-jährige Niederösterreicher betont stets, dass die Entwicklung der Mannschaft nach dem Start des Umbaus im Vordergrund stehen müsse. "Wir dürfen nicht immer von warmen Eislutschern träumen. Wir haben schon vor dem Rumänien-Match gewusst, dass die Ausgangsposition schwierig ist und wir von anderen abhängig sind. Ich bleibe dabei: Für uns zählt die Entwicklung hinsichtlich der nächsten Qualifikationen, da müssen wir den Hebel ansetzen, das sind unsere Ziele."
Für Franz Schiemer war der Weg zu seinem ersten Tor im zehnten Ländermatch - Ausgleich in der 82. Minute - ein äußerst schmerzhafter. Neben den vor eineinhalb Wochen bis auf weiteres behobenen Problemen mit einem Weisheitszahn plagt sich der Außenverteidiger seit mittlerweile zwei Wochen mit einer Beinhautentzündung herum. Mit Schmerzmitteln vollgepumpt schleppt sich der Neo-Salzburger von Training zu Training und Spiel zu Spiel. Sein Einsatz am Sonntag im Schlager gegen Rapid wackelt.
In der Pause wollte Constantini Schiemer bereits auswechseln, György Garics hatte schon aufgewärmt. Doch im letzten Moment entschied man sich anders, Schiemer "musste" weitermachen. "Wenn man sich so drüberquält und dann mit dem Tor belohnt wird, dann ist das umso schöner", meinte Schiemer nach seinem ersten Treffer, den er angesagt hatte. "Vor dem Match habe ich zu Julian Baumgartlinger gesagt, dass entweder er bei seinem Debüt ein Tor schießen wird oder ich in meinem zehnten Länderspiel treffen werde."
Schiemer hofft auf die Zukunft
Das 1:1 gegen eine Topmannschaft wie Rumänien sei laut Schiemer "absolut in Ordnung, wir haben bis zum Schluss dagegengehalten und hätten sogar noch gewinnen können". Mit dem jungen Team sei Österreich auf dem richtigen Weg. "Der Teamchef gibt den Jungen eine Chance, das ist ein sehr positives Signal für alle jungen Österreicher. Der Aufschwung in Österreich ist unaufhaltsam, ich hoffe, dass es so weiter geht."
Mit Julian Baumgartlinger von der Wiener Austria feierte am Mittwoch in Bukarest ein weiterer Youngster sein A-Team-Debüt. "Wir haben eine junge Truppe mit sehr viel Moral, jeder will seine Chance nutzen, das haben wir gezeigt", meinte Baumgartlinger, der bei seiner ersten Partie gemeinsam mit Yasin Pahlivan im defensiven Mittelfeld eine ansprechende Leistung ablieferte.
Dass er auch in Zukunft zum Stamm der Constantini-Elf gehören wird, wollte Baumgartlinger aber nicht behaupten. Der 21-Jährige weiß, dass in Rumänien zahlreiche teilweise renommierte Spieler gefehlt haben, u.a. Marc Janko, Jürgen Patocka, Christoph Leitgeb, Martin Stranzl, Emanuel Pogatetz, Marko Arnautovic, Rubin Okotie, Andreas Ivanschitz, Andreas Ibertsberger oder Ümit Korkmaz. Man darf gespannt sein, wen Constantini, der immer für eine Überraschung gut ist, für die letzten beiden Partien der WM-Quali gegen Litauen (10.10.) und Frankreich (14.10.) in seinen Kader holen wird.
(APA/Red.)

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