WIEN (g.h./APA.).Thomas Einwaller hatte am Samstag nicht seinen besten Tag. 16.300 Zuschauer konnten sich im Hanappi-Stadion davon überzeugen. Aber damit unterschied sich der Tiroler kaum von den übrigen 22 Akteuren auf dem Spielfeld. Rapid war durch Katzer in der zwölften Minute in Führung gegangen und kontrollierte daraufhin die Partie. Ried war de facto chancenlos.
Bis zur 56. Minute. Da schickte Einwaller Rapid-Youngster Rene Gartler nach einer vermeintlichen Tätlichkeit vom Platz. Die Rote Karte empörte Spieler, Fans und nicht zuletzt auch Trainer Pacult – auch noch tags darauf. „Der Ausschluss war eine klare Fehlentscheidung. Die Aktion von Gartler war eine natürliche Stürmerbewegung“, schäumte Pacult – zügelte aber schnell wieder sein Temperament: „Ich muss aufpassen, was ich sage, sonst kostet mich das wieder Geld.
„Es war keine Tätlichkeit“
Selbst der gefoulte Ried-Verteidiger Martin Stocklasa attestierte nach dem Spiel: „Das war keine Rote Karte. Ich hätte sie nicht gegeben, es war keine Tätlichkeit.“
Freilich war der Liechtensteiner nach dem Zweikampf mit Gartler zu Boden gegangen. „Ich habe aber nicht geschauspielert, er hat mich im Gesicht getroffen. Aber das war eine natürliche Bewegung, er wollte sich lösen“, erklärte der faire Sportsmann.
Schiedsrichter Einwaller wollte zu der Roten Karten nichts sagen. Er erhielt allerdings Rückendeckung von Liga-Schiedsrichterchef Johann Hantschk. Dieser wertete die Aktion Gartlers als klare Tätlichkeit.
Mittlerweile fühlt sich Rapid richtiggehend verfolgt von den Unparteiischen. „Schön langsam fällt es auf. Es gibt zu viele Pfiffe gegen Rapid, die nicht nachvollziehbar sind. Das können wir so nicht hinnehmen“, meinte Sportdirektor Alfred Hörtnagl und erinnert an die Niederlage gegen Sturm. Damals wurde den GrünWeißen ein regulärer Treffer aberkannt. Ähnliches geschah zu Saisonbeginn beim 1:2 in Mattersburg.
Kapfenberg als Schiri-Stiefkind
Die Internetplattform wahretabelle.at widmet sich intensiv den Schiedsrichterleistungen. Jeder Fehlpfiff wird penibel analysiert und diskutiert. Und obwohl die Rapid-Fans bei den Usern dominieren, steht Rapid in der um Schiedsrichterfehler bereinigten „Wahren Tabelle“ mit zwei Punkten weniger da. Der Klub, der von Schiedsrichtern am unfairsten behandelt wird, sei Kapfenberg. Laut Plattform gingen den Obersteirern bereits drei Punkte durch Fehlpfiffe verloren. Hingegen dürfte Salzburg Liebkind der Referees sein. Fünf Punkte seien in dieser Saison nicht erspielt, sondern erpfiffen worden, heißt es.
Plattformen wie diese zeigen, dass Schiedsrichter immer stärker ins Zentrum der Kritik rücken. Jeder Millimeter des Spielfelds wird von Kameras überwacht. Jede strittige Szene wird minutiös aufgezeichnet und analysiert. Ob ein Videobeweis, wie er etwa im American Football seit Jahren üblich ist, den Schiedsrichtern zugute – ja zu Hilfe – kommen könnte, wird immer wieder zur Diskussion gestellt, ist aber bis dato nie ernsthaft von den Verantwortlichen in Betracht gezogen worden.
Bei manchem Schiedsrichter stößt allerdings selbst der Unschuldsbeweis auf keinen fruchtbaren Boden. Das zeigte einst der deutsche Schiedsrichter Felix Brych im Spiel Wolfsburg gegen Leverkusen. Er gab Wolfsburg-Goalie wegen Torraubs die Rote Karte, obwohl Bayer-Stürmer Erin Derdiyok sofort nach dem „Foul“ beteuerte, regelkonform attackiert worden zu sein.
■Schiedsrichter rücken im Fußball immer öfter ins Zentrum der Kritik. Fehlentscheidungen werden von den TV-Kameras penibel vor Augen geführt.
Rapid-Spieler Rene Gartler flog im Spiel gegen Ried in der 56. Minute wegen einer vermeintlichen Tätlichkeit vom Platz. Die Fernsehbilder widerlegen die Rote Karte. Selbst der „gefoulte“ Ried-Spieler konnte kein Vergehen erkennen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.11.2009)

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