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Ivanschitz: Erfolgreich, aber unglücklich

02.11.2009 | 18:34 |   (Die Presse)

Der Burgenländer sorgt in Mainz mit seinen Toren und Vorlagen für Karnevalsstimmung, er führt nach elf Runden sogar die Scorer-Wertung an. Ob das genügt, um ÖFB-Teamchef Didi Constantini umzustimmen?

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MAINZ/WIEN (-atl-). Andreas Ivanschitz versteht die Welt nicht mehr. Nach verkorksten Gastspielen in Salzburg und Athen zeigt er in der deutschen Bundesliga mit konstanten Leistungen auf. In den Reihen von Aufsteiger Mainz 05 ist er der gefeierte Mann mit sechs Toren und ebenso vielen Torvorlagen. Der 26-jährige Mittelfeldspieler wird von allen Seiten gelobt und deutsche Zeitungen überbieten sich mit Schlagzeilen. Von Kreativität, Inspiration und Präzision ist zu lesen, „Bild“ hob sogar den „Ivanator“ aus der Taufe.

Doch für den ÖFB soll er weiterhin kein Thema sein. Er wurde im März von Teamchef Didi Constantini „ausgemustert“, seitdem verfolgt er Länderspiele nur noch vor dem Fernseher. Über die wahren Gründe wurde viel geschrieben, eine verlangte Fixplatzgarantie soll der Auslöser für den Disput gewesen sein. Constantini hielt sich bedeckt, er sei derjenige, der entscheidet. „Ich stelle auf – und halte dafür auch den Schädel hin.“

Nach dem 1:3 gegen Frankreich war erneut der Ruf nach einem Spielgestalter laut geworden, der Tiroler aber hielt stur respektive konsequent an seiner Personalpolitik fest. Auch im Kader für das letzte Länderspiel des Jahres 2009 am 18. November in Wien gegen Europameister Spanien werde es keinen Platz für Andreas Ivanschitz geben.

 

Ratlos, aber nicht mutlos

Den Burgenländer scheint Constantinis ausbleibender Anruf aber in gewisser Weise auch zusätzlich anzuspornen. Im Dress der Mainzer wirkt er befreit, er zeigt Übersicht, hat Spaß am Fußball und vor allem behandelt er den Ball wieder mit so viel Gefühl wie zu seinen besten Rapid-Zeiten.

Ivanschitz führt die Scorer-Wertung der deutschen Bundesliga an. Nach elf Runden steht somit ein Österreicher in Deutschland mit zwölf Punkten an der Spitze. In der Torschützenliste ist er Zweiter. Das Fachmagazin „kicker“ wählte ihn zum vierten Mal in die „Elf der Runde“. Und sein Scharfschuss zum 1:0 gegen Hoffenheim ist ein Kandidat für das „Tor des Monats“.

„Ich weiß, dass ich in meiner Form dem Team helfen kann.“
Andreas Ivanschitz

„Ich weiß auch nicht mehr, was ich noch machen soll“, sagte Ivanschitz nach dem 3:3 gegen Titelverteidiger Wolfsburg, damit er Constantini von seinem Können, seinem Einsatz und seiner Form überzeugen könne. „Ich mache mich sicher nicht künstlich klein. Ich weiß, dass ich in meiner Form dem Team helfen kann.“

Der Linksfuß will nicht länger auf dem Abstellgleis schmoren. Constantinis Aussagen, er würde nicht ins System passen oder zu wenig in der Defensive aushelfen, lässt Ivanschitz jedenfalls nicht gelten. „Diese Argumente kann ich nicht zählen lassen. Ich fühle mich topfit, beweise jede Runde, dass ich für die Mannschaft kämpfe und laufe und habe auch in Wolfsburg einmal im eigenen Sechzehner gerettet.“ Den Traum vom Team-Comeback und seinem 50. Länderspiel wird Ivanschitz definitiv nicht abhaken.

Nachdem sich Andreas Ivanschitz zu keinen weiteren Aussagen mehr hinreißen ließ, macht er eben auf dem Fußballfeld Werbung in eigener Sache. Fit sei er auch, gegen Wolfsburg spielte er erstmals in dieser Saison durch.

Ob am Freitag bei der Kaderbekanntgabe der Name Ivanschitz erstmals seit Februar 2008 auf der ÖFB-Liste stehen wird, bleibt allerdings abzuwarten. Constantini war zuletzt in Sharm el Sheikh, Ägypten, auf Urlaub. Ob er da – wider Erwarten – seine Meinung geändert hat?

Andreas Ivanschitz wäre jedenfalls fit und gesund, bestätigt Mainz-Pressesprecher Tobias Sparwasser der „Presse“. Der Spieler sei am Montag beim Klubarzt gewesen, nachdem er beim Wolfsburg-Spiel noch über Fußschmerzen und ein Zwicken in der zweiten linken Zehe geklagt hatte. „Wir können Entwarnung geben“, sagt Sparwasser. „Das Röntgen zeigt, dass keine gröbere Verletzung vorliegt.“ Die Zehe sei lediglich geprellt. An ihr kann sein Comeback also nicht scheitern.

AUF EINEN BLICK

Toptorschützen, Deutschland
7 Tore:
Stefan Kießling (Bayer 04)
6 Tore: Ivanschitz (Mainz), Kuranyi (Schalke), Pizarro (Bremen).
Scorer-Wertung (Tore, Assists):
12
Punkte: Ivanschitz
9:
Kießling, Misimovic (Wolfsburg), Zé Roberto (HSV).

Am Freitag gibt Didi Constantini den Kader für das Länderspiel gegen Spanien (18. 11., Wien, 20.45 Uhr) bekannt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.11.2009)

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8 Kommentare
Gast: ivi
03.11.2009 12:16
0 0

ivi comes home

constantini muss sagen:
"ivanschitz hat nicht in unser system gepasst", aber mit der derzeitigen form freut sich der österreichische fusssball auf ihn.

falls constantini weiter auf stur schaltet wird wohl er gehen müssen, damit ivanschitz kommt. denn es gibt keinen grund mehr einen in hochform spielenden ivanschitz nicht zu nomminieren!

ecowriter
03.11.2009 09:41
0 0

jetzt hört doch aml auf

der mann ist 26 jahre, kein medienprofi, kein PR stratege, sondern fussball-arbeiter.
er macht seine sache gut. welche meldung von ihm, wie interpretiert wird ist vollkommen nebensächlich, und das sollte sie doch auch für constantini sein.
ein vergleich, der mir besonders gefällt ist, dass die rolle der mainzer in der Buliga etwa der rolle der österr. nationalmannschaft im internationalen vergleich entspricht. daher kann ivans. mitwirken nur hilfreich sein.
freundlichst,
eco

Antworten Gast: Gott Kupfer
04.11.2009 23:11
0 0

Re: jetzt hört doch aml auf

Zum derzeitigen Zeitpunkt sollte DI aber seine klappe halten, sonst gehts nur mehr ums Gesicht ... und würde es darum gehen, verliert er langfristig.

Che G
03.11.2009 08:17
0 0

Mund halten

Ivanschitz soll Leistung bringen und den Mund halten, dann ist er sowieso nicht zu übergehen.
Dieses, sich dauernd über die Medien ausrichten lassende, " Ich bin der Beste" schadet ihm mehr als es ihm nützt.
Die deutsche BL wird, wenn man sich die Klubs im internationalen Vergleich
ansieht, total überschätzt.

roger
03.11.2009 06:50
0 0

Ich weiß nicht, was ich noch machen soll

Vielleicht einfach nur den Mund halten. Herr I. hatte im Team jahrelang Narrenfreiheit und spielte einen gewaltigen Stuss zusammen. Etwas mehr Demut und Selbstkritik wären angebracht.

Gast: riadä14
02.11.2009 20:16
2 0

Ivanschitz vs Constantini

Ich glaube, dass die Nichtnominierung des derzeit in Hochform spielenden Andreas Ivanschitz nicht an Fitness oder Stammplatzforderungen liegt, sondern an der Eitelkeit eines Dietmar Constantini, der sich den Ruhm des Erfolgs nicht von einem Ivanschitz nehmen lassen will.
Er setzt darauf, dass er ein kompaktes Team nominiert unter folgenden Voraussetzungen:

jung, lauf- und kampfstark, regelmäßige Spiele im Verein

Damit hat er fast alles richtig gemacht. Nur fehlt es unserem Nationalteam, um mit Top-Teams wie Frankreich mitzuhalten, derzeit an der Führung und Regie eines technisch starkem Offenivspielers, der die Angriffe leitet und somit für viele Tore und Torvorlagen sorgt, wie er es in Mainz eindrucksvoll beweist.
Weiter so Andreas!

APFELSYS
03.11.2009 10:31
0 0

Re: Ivanschitz vs Constantini

Keine Frage, I macht seine Sache hervorragend. Immerhin ist die Bundesliga in Deutschland noch eine der stärksten in Europa. Und gegen den Meister aufzutrumpfen zeigt auch von Klasse.

Aber man muss Constantini auch verstehen. Er braucht einen Bassbariton, aber leider ist nur ein C-Tenor vorhanden.

Fussball ist nun ein Mal ein Mannschaftssport. Und die Chemie muss passen.


semmel
02.11.2009 21:53
0 0

Re: Ivanschitz vs Constantini

"Er setzt darauf, dass er ein kompaktes Team nominiert unter folgenden Voraussetzungen:

jung, lauf- und kampfstark, regelmäßige Spiele im Verein"

Ibertsberger Stammspieler deutsche Bundesliga,
Garics Stammspieler Italien,
Dag Stammspieler Türkei (beim Meister!). Allen gemein ist dass Sie Constantini so lange verarscht bis Sie aufgeben und sich freiwillig nicht mehr einberufen lassen(okay, beim Dag kommt das wahrscheinlich bald). Wer braucht schon erfahrene Spieler, mit eigener (Skandal!) Meinung, geschweige denn Außenverteidiger?

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