MAINZ/WIEN (-atl-). Andreas Ivanschitz versteht die Welt nicht mehr. Nach verkorksten Gastspielen in Salzburg und Athen zeigt er in der deutschen Bundesliga mit konstanten Leistungen auf. In den Reihen von Aufsteiger Mainz 05 ist er der gefeierte Mann mit sechs Toren und ebenso vielen Torvorlagen. Der 26-jährige Mittelfeldspieler wird von allen Seiten gelobt und deutsche Zeitungen überbieten sich mit Schlagzeilen. Von Kreativität, Inspiration und Präzision ist zu lesen, „Bild“ hob sogar den „Ivanator“ aus der Taufe.
Doch für den ÖFB soll er weiterhin kein Thema sein. Er wurde im März von Teamchef Didi Constantini „ausgemustert“, seitdem verfolgt er Länderspiele nur noch vor dem Fernseher. Über die wahren Gründe wurde viel geschrieben, eine verlangte Fixplatzgarantie soll der Auslöser für den Disput gewesen sein. Constantini hielt sich bedeckt, er sei derjenige, der entscheidet. „Ich stelle auf – und halte dafür auch den Schädel hin.“
Nach dem 1:3 gegen Frankreich war erneut der Ruf nach einem Spielgestalter laut geworden, der Tiroler aber hielt stur respektive konsequent an seiner Personalpolitik fest. Auch im Kader für das letzte Länderspiel des Jahres 2009 am 18. November in Wien gegen Europameister Spanien werde es keinen Platz für Andreas Ivanschitz geben.
Ratlos, aber nicht mutlos
Den Burgenländer scheint Constantinis ausbleibender Anruf aber in gewisser Weise auch zusätzlich anzuspornen. Im Dress der Mainzer wirkt er befreit, er zeigt Übersicht, hat Spaß am Fußball und vor allem behandelt er den Ball wieder mit so viel Gefühl wie zu seinen besten Rapid-Zeiten.
Ivanschitz führt die Scorer-Wertung der deutschen Bundesliga an. Nach elf Runden steht somit ein Österreicher in Deutschland mit zwölf Punkten an der Spitze. In der Torschützenliste ist er Zweiter. Das Fachmagazin „kicker“ wählte ihn zum vierten Mal in die „Elf der Runde“. Und sein Scharfschuss zum 1:0 gegen Hoffenheim ist ein Kandidat für das „Tor des Monats“.
Andreas Ivanschitz
„Ich weiß auch nicht mehr, was ich noch machen soll“, sagte Ivanschitz nach dem 3:3 gegen Titelverteidiger Wolfsburg, damit er Constantini von seinem Können, seinem Einsatz und seiner Form überzeugen könne. „Ich mache mich sicher nicht künstlich klein. Ich weiß, dass ich in meiner Form dem Team helfen kann.“
Der Linksfuß will nicht länger auf dem Abstellgleis schmoren. Constantinis Aussagen, er würde nicht ins System passen oder zu wenig in der Defensive aushelfen, lässt Ivanschitz jedenfalls nicht gelten. „Diese Argumente kann ich nicht zählen lassen. Ich fühle mich topfit, beweise jede Runde, dass ich für die Mannschaft kämpfe und laufe und habe auch in Wolfsburg einmal im eigenen Sechzehner gerettet.“ Den Traum vom Team-Comeback und seinem 50. Länderspiel wird Ivanschitz definitiv nicht abhaken.
Nachdem sich Andreas Ivanschitz zu keinen weiteren Aussagen mehr hinreißen ließ, macht er eben auf dem Fußballfeld Werbung in eigener Sache. Fit sei er auch, gegen Wolfsburg spielte er erstmals in dieser Saison durch.
Ob am Freitag bei der Kaderbekanntgabe der Name Ivanschitz erstmals seit Februar 2008 auf der ÖFB-Liste stehen wird, bleibt allerdings abzuwarten. Constantini war zuletzt in Sharm el Sheikh, Ägypten, auf Urlaub. Ob er da – wider Erwarten – seine Meinung geändert hat?
Andreas Ivanschitz wäre jedenfalls fit und gesund, bestätigt Mainz-Pressesprecher Tobias Sparwasser der „Presse“. Der Spieler sei am Montag beim Klubarzt gewesen, nachdem er beim Wolfsburg-Spiel noch über Fußschmerzen und ein Zwicken in der zweiten linken Zehe geklagt hatte. „Wir können Entwarnung geben“, sagt Sparwasser. „Das Röntgen zeigt, dass keine gröbere Verletzung vorliegt.“ Die Zehe sei lediglich geprellt. An ihr kann sein Comeback also nicht scheitern.
■ Toptorschützen, Deutschland
7 Tore: Stefan Kießling (Bayer 04)
6 Tore: Ivanschitz (Mainz), Kuranyi (Schalke), Pizarro (Bremen).
Scorer-Wertung (Tore, Assists):
12 Punkte: Ivanschitz
9: Kießling, Misimovic (Wolfsburg), Zé Roberto (HSV).
■ Am Freitag gibt Didi Constantini den Kader für das Länderspiel gegen Spanien (18. 11., Wien, 20.45 Uhr) bekannt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.11.2009)

Andreas Ivanschitz: Das wiedererstarkte ''ewige Talent''
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