Lyon (mal). Ryan Babel nahm Maß und feuerte den Ball aus 25 Meter Entfernung ins Tor von Lyon-Tormann Hugo Lloris. Für sieben Minuten waren Liverpools Sorgen wie weggeblasen: Nach sechs Niederlagen in den jüngsten sieben Partien endlich wieder einmal ein Sieg. Ein Sieg, durch den die Chance auf den Aufstieg ins Achtelfinale der Champions League am Leben bliebe. Doch Lisandro Lopez machte alle Hoffnungen zunichte. In letzter Minute versenkte er am Mittwochabend den Ball im Tor der „Reds“ zum 1:1-Endstand.
Lyon feierte den Ausgleichstreffer wie ein Siegestor. Zu Recht, die Franzosen haben mit dem Remis ihr Achtelfinalticket gelöst. Für Liverpool ist das Unentschieden eine Niederlage. Aus eigener Kraft können die Engländer den Aufstieg nicht mehr schaffen.
Der Pooldritte (vier Punkte) muss seine ausstehenden beiden Spiele in Gruppe E gegen Schlusslicht Debrecen (null Punkte) und den Tabellenzweiten Fiorentina (neun Punkte) gewinnen. Und Liverpool muss darauf hoffen, dass Fiorentina auf dem restlichen Weg ein paar Punkte liegen lässt. „Wir haben auch in der Vergangenheit für Wunder gesorgt, vielleicht schaffen wir es wieder“, sagte Liverpool-Coach Rafael Benitez.
„Die Engländer müssen sich keine Sorgen machen. Wir werden weiter mit Volldampf spielen, weil wir Gruppenerster bleiben wollen. Daher ist es unser Ziel, auch in Florenz ein gutes Resultat zu erzielen, damit hätte auch noch Liverpool eine Chance“, sagte Lyon-Trainer Claude Puel.
Lyon zur Schützenhilfe bereit
Benitez kann sich aber nicht nur auf die Schützenhilfe von Lyon verlassen. Sie reicht nicht aus, um seine schlimmste Krise bei Liverpool zu überstehen. Seit 2004 leitet der Spanier die sportlichen Geschicke des englischen Traditionsklubs. Schon in seiner ersten Saison an der Anfield Road feierte der 49-Jährige seinen bislang größten Erfolg: Er führte die „Reds“ 2005 zum Champions-League-Triumph. Liverpool setzte sich im Elfmeterschießen gegen den AC Milan durch. Zwei Jahre später gelang den Italienern im Endspiel die Revanche.
Allzu fest soll Benitez nach den enttäuschenden Ergebnissen der vergangenen Wochen nicht mehr im Trainersattel sitzen. Das berichten zumindest die englischen Medien. Auf die Frage nach seiner Zukunft bei den „Reds“ antwortete er gestern: „Ich denke nur an das nächste Spiel.“
Wenn er für das nächste Match plant, muss sich Benitez unweigerlich mit seinem größten Problem auseinandersetzen: seinem Lazarett. Nicht weniger als zehn Liverpool-Akteure sind verletzt. Unter ihnen ist neben Albert Riera, Martin Skrtel und Martin Kelly auch Steven Gerrard.
Seit Wochen muss Benitez auf seinen 29-jährigen Kapitän verzichten, der an einer Leistenverletzung laboriert. Dass mit Gerrard der entscheidende Ideengeber im Mittelfeld fehlt, war auch beim 1:1 gegen Lyon offensichtlich.
Mit Fernando Torres ist zudem Liverpools letzter verbliebener Schlüsselspieler angeschlagen. Eine Adduktorenverletzung macht ihm das Fußballerleben schwer. Aufgrund mangelnder Alternativen musste Torres jedoch in Lyon 87 Minuten die Zähne zusammenbeißen. Viel Zeit hat der spanische Stürmer nicht, um fit zu werden. Am Montag ist Birmingham an der Anfield Road zu Gast. Und auch in der Premier League braucht Liverpool dringend Punkte. Der 18-fache englische Meister liegt auf Rang sechs. Damit hätte er in der kommenden Saison nicht einmal einen internationalen Startplatz.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.11.2009)

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