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"Hand Gottes" bringt Frankreich zur WM, Russland scheitert

18.11.2009 | 23:09 |   (DiePresse.com)

Die Franzosen erreichen dank eines doppelt irregulären Tores zuhause gegen Irland gerade noch ein 1:1 in der Verlängerung, Russland verliert 0:1 gegen Slowenien und muss 2010 zuschauen.

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Die 13 europäischen Teilnehmer an der Fußball-WM 2010 in Südafrika stehen seit Mittwochabend fest. In den Play-offs haben Griechenland, Portugal, Slowenien und Frankreich ihre Tickets für die Reise zur Endrunde gelöst. Zuvor waren bereits die Niederlande, England, Spanien, Deutschland, Dänemark, Serbien, Italien, die Schweiz sowie die Slowakei als europäische WM-Starter festgestanden.

Dedic schießt die Russen raus

EM-Halbfinalist Russland blieb überraschend gegen Slowenien auf der Strecke. Nach einem knappen 2:1-Heimerfolg mussten sich die Russen, die das Rückspiel nur mit neun Mann beendeten, in Marburg 0:1 geschlagen geben und schieden aufgrund der Auswärtstorregel aus. Kurz vor der Pause traf Zlatko Dedic nach Querpass von Valter Birsa zum entscheidenden Treffer für die Hausherren.

Bei den Russen flogen der eingewechselte Alexander Kerschakow (66.) nach einer Tätlichkeit gegen Slowenien-Goalie Samir Handanovic (66.) sowie Juri Zirkow in der Nachspielzeit mit Roten Karten vom Feld. Die Slowenen nehmen zum zweiten Mal nach 2002 an der WM teil.

Gallas erlöst wankende Franzosen

Mit einem blauen Auge davongekommen ist Vizeweltmeister Frankreich. Die Franzosen gingen gegen Irland mit einem 1:0-Vorsprung ins Heimspiel, gerieten aber im Stade de France in St. Denis dennoch in arge Bedrängnis. Robbie Keane (33.) traf für die Gäste von der Insel und sorgte damit für eine Verlängerung, in der dann William Gallas (103.) Teamchef Raymond Domenech und ganz Fußball-Frankreich mit einem umstrittenen Abseitstor erlöste.

Henrys "Hand Gottes" bringt den Erfolg

Besonders bitter für Irland: Schon die Vorbereitung des Ausgleichs war irregulär: Denn jetzt hat auch Frankreich eine "Hand Gottes", wie die mit der Diego Maradona einst im WM-Viertelfinale 1986 in Mexiko beim 2:1 gegen England seine Argentinier 1:0 in Führung brachte. Diesmal hieß der Urheber Thierry Henry, der per Hand Gallas den Ausgleich servierte. Der Kapitän ließ sich feiern, als wäre nichts gewesen. Doch nachher gestand er ein, was alle gesehen hatten: "Um ehrlich zu sein, ja es war Handspiel. Aber ich bin nicht der Referee."

Dieser Treffer erregte nicht nur die "Verlierer", die die Equipe Tricolore gar nicht gut hatten aussehen lassen, sondern auch die höchsten irischen Stellen. Am Donnerstag forderte Justizminister Dermot Ahern ein Wiederholungsspiel, die Fifa müsse im Interesse des Fair Play einschreiten. "Ein Replay wird sie wahrscheinlich nicht ansetzen, weil wir ein kleiner Fisch im Weltfußball sind", sagte Ahern in Dublin wenig optimistisch. "Sollte das Resultat bleiben, verstärkt es die Meinung, dass man gewinnt, wenn man betrügt."

Giovanni Trapattoni, irischer Teamchef mit Salzburger Red-Bull-Vergangenheit, sprach von einem "bitteren Abend" und räumte ein, dass auch ein Referee Fehler machen könnte. Aber eines warf er dem norwegischen Unparteiischen Martin Hansson vor. "Bevor er das Tor gegeben hat, hätte er mit seinem Assistenten und Henry sprechen sollen. Jeder hat gesehen, was passiert ist. Die Franzosen waren in Dublin gut, aber hier waren wir die Besseren und über die zwei Spiele hätten wir uns die Südafrika-Reise verdient", ärgerte sich der Italiener.

Dessen Widerpart zog sich aus der "umstrittenen Affäre", indem er sagte, die TV-Wiederholung noch nicht angeschaut zu haben. "Und dort, wo ich stand, habe ich nichts gesehen. Ich weiß nur, dass der Referee auf Tor entschieden hat", wich Raymond Domenech der Fragen aller Fragen aus. Den Iren und ihren 20.000 nach Frankreich mitgereisten Fans zollte er hingegen Lob. "Es ist bedauerlich, dass sie es auf diese Art und Weise nicht geschafft haben, sie hätten es sich auch verdient", meinte der nach dem Gruppen-Aus bei der EM 2008 in Österreich und der Schweiz im Kreuzfeuer der Kritik gestandene französische Teamchef.

Auch In Frankreich keine Zufriedenheit

"Darauf kann man nicht stolz sein", meinte am Tag nach dem Skandaltor nicht nur die Zeitung "La Figaro". Das Sportblatt "L'Equipe" forderte nach dem "katastrophalen Spiel" des aktuellen Vize-Weltmeisters Konsequenzen.

Man müsse überlegen, ob der umstrittene Coach Raymond Domenech wirklich der richtige Mann für den WM-Job sei, heißt es auf Seite eins unter der großen Überschrift "Die Hand Gottes". Während Henrys Facebook-Seite von Tausenden wütenden irischen und auch französischen Fans attackiert wurde, machte sich auch im Pariser Regierungspalast die Enttäuschung breit. "Die Franzosen sind beunruhigt und enttäuscht", klagte Gesundheits- und Sport-Ministerin Roselyne Bachelot, nachdem der irische Justizminister Dermot Ahern ein Wiederholungsspiel forderte.

Der französische Ex-Teampieler Jean-Michel Larque sagte als TV-Kommentator: "Ich fühle mich unwohl". Verbandsboss Jean-Pierre Escalettes meinte, man müsse "den Abend ganz schnell vergessen". Das werden die tapferen Iren, die in beiden Spielen mehr als ebenbürtig waren, nicht so schnell. Das "Handspiel von Räuber Henry versagt den Iren ihr WM-Märchen", bedauerte die "Daily Mirror", während "The Sun" die Parallele zum berühmten argentinischen Tor gegen England bei der WM 1986 zog: "Le Hand Gottes - Betrüger Thierry macht einen Maradona".

"Wir sind angewidert! Sie wollten uns nicht bei der WM", meinte Stürmer Robbie Keane, und sein Teamkollege Richard Dunne fand keinen Trost: "Henry hat mir gesagt, dass wir den Sieg verdient hätten. Aber was soll ich damit? So fühle ich mich noch schlechter".

Portugal überwindet Bosnien

In Abwesenheit des weiter verletzten Superstars Cristiano Ronaldo avancierte Raul Meireles für Portugal zum gefeierten Mann. In Zenica war nach seinem Führungstor (56.) die Gegenwehr von Bosnien-Herzegowina weitgehend gebrochen. Portugal, das seit 360 Minuten ohne Gegentor ist, erreichte damit dank zwei 1:0-Erfolgen zum fünften Mal ein WM-Turnier. Die hochgelobte bosnische Offensive mit Dzeko und Ibisevic blieb gegen die Südeuropäer ohne zählbaren Erfolg.

Rehhagel schafft die Qualifikation

Otto Rehhagel hat mit Griechenland wieder einmal die Kritiker an seiner veralterten Spielweise zum Verstummen gebracht. Die Griechen setzten sich mit gewohnt defensiver Taktik in der Ukraine 1:0 (1:0) durch und qualifizierten sich damit nach dem 0:0 daheim erstmals seit 1994 für eine WM. "Hellas" erinnerte im kalten und verregneten Donezk an die Spielweise vom sensationellen EM-Triumph 2004 - in der Defensive riegelten neun der zehn Feldspieler den eigenen Strafraum ab und vorne bestach man durch Effizienz.

Dimitrios Salpingidis machte in der 31. Minute aus einer der wenigen Chancen jenes Tor, das die Griechen brauchten. Bei der EM 2004 hatten sich die Griechen mit drei minimalistischen 1:0-Erfolgen in Serie den Titel geschnappt. Auch diesmal gab der Erfolg Rehhagel recht, der 71-Jährige kehrte als Sieger nach Athen zurück, seine Pension kann noch warten. Die Partie in der Ukraine war bereits seine 100. als Teamchef der Griechen. Torschütze Salpingidis meinte mit einem Seitenhieb auf die Kritiker: "Wir feiern diesen Erfolg. Es wurde viel Kritik geäußert, und dies ist unsere Antwort. Aber wir haben immer an uns geglaubt."

Algerien gewinnt das Hochsicherheits-Spiel

In Afrika entschied Algerien das nicht nur sportlich hochbrisante Kräftemessen mit Ägypten für sich und schaffte damit als letzte afrikanische Mannschaft den Sprung zur WM 2010. Auf neutralem Boden in Khartoum im Sudan setzten sich die Algerier im Entscheidungsspiel der Gruppe C 1:0 (1:0) durch. Matchwinner war vor 35.000 Fans und unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen (15.000 Polizisten im Stadion) Verteidiger Antar Yahia.

Der VfL-Bochum-Legionär und Teamkollege von Christian Fuchs traf aus spitzem Winkel genau unter die Latte und schoss seine Heimat nach 1982 und 1986 zum dritten Mal zu einer WM. Das Entscheidungsspiel war aufgrund des 2:0 der Ägypter im Heimspiel am vergangenen Samstag gegen die Algerier nötig geworden. Beide Mannschaften waren nach Abschluss ihrer sechs Spiele in der Qualifikations-Gruppe C mit jeweils 13 Zählern und 9:4 Treffern punkt- und torgleich gewesen.

Daraufin waren tausende Fans per Flugzeug und Bus in den Sudan gereist, die Ägypter hatten dabei die deutlich kürzere Anreise. Zwischenzeitlich hatte das Duell der nordafrikanischen Rivalen dann wenig mit Fußball zu tun, Härteeinlagen prägten das Geschehen. Ägypten gegen Algerien war das erste Fifa-Entscheidungsspiel seit 1985 (Irak-Syrien). Die Brisanz hatte die Partie aber vor allem durch die politische Ausgangslage erhalten. Beide Seiten hatten nach den Vorfällen vom vergangenen Samstag immer wieder verbale Giftpfeile abgefeuert.

Gegenseitige Beschuldigungen wegen Übergriffen auf Einwohner beider Länder in Nordafrika und Frankreich, Drohungen aller Art und haarsträubende Erzählungen von Spielern hatten das Kräftemessen zu einer Hochsicherheitspartie werden lassen. Der spätere Torschütze Yahia hatte sogar gemeint, dass er und seine Kollegen beim Match in Ägypten um ihr Leben gefürchtet hätten. Ägyptische Fans hatten in Kairo den Teambus der Algerier mit Steinen beschossen und dabei auch drei Spieler verletzt.

Algerische Politiker hatten daraufhin von "unzivilisiertem Verhalten" und "Schande" gesprochen und eine Sperre für Ägypten gefordert. Umso größer war die Freude nun am Mittwoch nach Schlusspfiff in ganz Algerien, in allen großen Städten des Landes starteten Freudenfeiern. Bei den Feierlichkeiten im Stadion von Khartoum gab es unmittelbar nach der Partie bereits zumindest fünf Verletzte. Vor der Partie hatte die Polizei Tränengas einsetzen müssen.

Uruguay löst das letzte Ticket

Als 32. und letzte Mannschaft qualifizierte sich der zweimalige Weltmeister Uruguay für die WM. Die "Himmelblauen" schalteten in der Nacht zum Donnerstag Costa Rica aus. (mehr ...)

(APA)

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2 Kommentare
NeroRosso
19.11.2009 13:52
0 0

Ergänzung zu vorhin

Die Österreicher sind halt "ungeschickt", dort wo sie ihre Stärken haben/hatten, haben sie es nicht geschafft z.B. mehr als 4 Personen an den Start zu bringen. Ich erinnere an die seinerzeitige Überlegenheit in einigen Wintersportarten ......

NeroRosso
19.11.2009 13:49
0 0

Es ist halt so

Platini ist Präsident der UEFA und Franzose, die Franzosen waren schon mal Weltmeister und dürfen halt nicht dabei fehlen.
Auch wenn sie in der Vorrunde ausscheiden.

C'est la vie sagt auch der Franzose!