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Pucher kandidiert nicht mehr als Bundesliga-Präsident

23.11.2009 | 21:45 |   (DiePresse.com)

Martin Pucher verzichtet auf eine neuerliche Kandidatur als Präsident der österreichischen Fußball-Bundesliga. Aussichtsreichster Nachfolge-Kandidat: tipp3-Boss Dietmar Hoscher.

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Die Ära von Martin Pucher als Präsident der österreichischen Fußball-Bundesliga geht nach fast genau vier Jahren zu Ende. Wie der 53-Jährige am Montag bestätigte, verzichtet er auf eine neuerliche Kandidatur für den Posten des Liga-Chefs. Damit könnte bei der Hauptversammlung am 7. Dezember der Weg frei sein für Dietmar Hoscher, Vorstand von Liga-Sponsor tipp3. Eine diesbezügliche Weichenstellung dürfte schon am kommenden Freitag im Rahmen der Präsidentenkonferenz in Vösendorf fallen.

Für Pucher stand sein Abgang schon seit längerem fest. "Dieser Entscheidung liegt ein Prozess zugrunde, der schon vor der EURO 2008 begonnen hat", erklärte der Burgenländer, der sein Amt als Nachfolger von Frank Stronach nach dessen Rücktritt am 24. November 2005 zunächst interimistisch, gut drei Monate später dann offiziell angetreten hatte. In dieser Zeit habe sich viel Positives entwickelt, betonte der Mattersburg-Obmann und hob dabei vor allem die Installierung des Österreicher-Topfes hervor, der Clubs belohnt, die viele heimische Kicker einsetzen.

Gegenvorschlag zum "Tiger-Team"

"Das war mein Gegenvorschlag, als Stronach mit seinem Tiger-Team gekommen ist", erinnerte sich der Burgenländer. "Das führte zu einer bemerkenswerten Steigerung von österreichischen Spielern in der Bundesliga. Immer mehr Junge haben bei den Clubs Fuß gefasst." Derzeit müssen in jedem Spiel 12 von 18 Spielern auf dem Blankett Österreicher sein, damit die Vereine an dem mit rund fünf Millionen Euro dotierten Topf, der sich zum Großteil aus TV-Geldern speist, mitnaschen dürfen. Mit Ausnahme von Red Bull Salzburg halten sich alle Clubs der höchsten Spielklasse an diese Vorgaben.

Nicht nur in sportlicher, auch in wirtschaftlicher Hinsicht gab es laut Pucher in seiner Amtszeit einen Aufwärtstrend. "Die Bundesliga steht so gut wie nie da, sie hat ein Eigenkapital von 3,5 Millionen Euro." Auch bei fast allen Vereinen werde mittlerweile vernünftig gewirtschaftet. "Vor fünf Jahren haben nur vier Clubs positiv bilanziert, in der letzten Saison waren es acht", erklärte der scheidende Liga-Chef, in dessen Präsidentschaft auch die Konkurse der Grazer Vereine Sturm und GAK fielen.

Zufriedenstellend war für Pucher auch die Zusammenarbeit mit dem ÖFB. "Wir haben es geschafft, das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen. Und bei der Gewichtung innerhalb des ÖFB steht die Bundesliga seit der ÖFB-Reform vor einem Jahr so gut wie noch nie da."

Bundesliga-Präsidenten
Martin Pucher, geboren: 22. Februar 1956 in Wr. Neustadt, Vorstandsvorsitzender der Commerzialbank Mattersburg. Seit 1988 Obmann des SV Mattersburg, seit 24. November 2005 interimistisch Präsident der österreichischen Fußball-Bundesliga, seit 1. März 2006 offiziell.

Bisherige Präsidenten der österreichischen Fußball-Bundesliga: Hans Reitinger * 8. November 1991 - 23. Februar 1996 Gerhard Skoff 23. Februar 1996 - 14. Februar 1999 Frank Stronach 14. Februar 1999 - 2. Dezember 2005 Martin Pucher ab 24. November 2005 interimistischer Präsident, offiziell von 1. März 2006 bis 7. Dezember 2009.

Wollte Hickhack vermeiden

Der Mattersburg-Boss ließ sich mit der Bekanntgabe seiner Entscheidung lange Zeit. "Ich wollte ein Hickhack um meine Nachfolge vermeiden, deshalb hat es so lange gedauert." Ursprünglich hatte er laut eigenen Angaben geplant, über seine Zukunft schon am 18. November Bescheid zu geben. Die an diesem Tag angesetzte Präsidentenkonferenz wurde allerdings abgesagt, weil Pucher ein grippaler Infekt zur Bettruhe zwang.

Große Melancholie ist beim Burgenländer trotz seines nahenden Rückzugs nicht zu verspüren. "Natürlich ist ein bisschen Wehmut dabei, aber eben nur ein bisschen, weil meine Entscheidung schon lange gereift ist." Rückblickend sei nicht die Zeit als Bundesliga-Chef, sondern jene knapp zwei Jahre als Vize von Frank Stronach die schönsten gewesen. "Er ist ein großartiger Mensch, der viel geleistet hat, aber im Fußball leider oft verkannt wird."

Kandidaten: Rinner, Veit Schalle

Als Kandidaten für den vakanten Posten bleiben nun neben Hoscher noch Sturm-Graz-Präsident Hans Rinner sowie der überraschend von Austria-Kärnten-Boss Mario Canori ins Spiel gebrachte frühere Billa-Chef Veit Schalle. Das Rennen könnte Hoscher machen, der vor allem von Rapid forciert wird und im Falle seiner Wahl die Funktion im Rapid-Kuratorium ruhend stellen würde.

Hoscher schwebt ein Konzept vor, wonach es künftig nicht einen, sondern zwei aufgewertete Vorstände geben soll - einen für den wirtschaftlichen (wohl der bisherige Vorstand Georg Pangl) und einen für den sportlichen Bereich (Peter Stöger gilt als Anwärter). Der Aufsichtsrat soll personell aufgestockt werden und sich so wie in anderen Unternehmen auf Kernfunktionen konzentrieren, etwa das Absegnen des Budgets. Präsidentenkonferenzen werden wohl der Vergangenheit angehören, dafür sollen die Manager-Jour-fixe an Bedeutung gewinnen.

Pucher kann mit diesen Plänen eher wenig anfangen und zeigte eine Präferenz für Rinner. "Es spricht einiges für eine interne Lösung. Sachkenntnis beim Führen eines Vereins ist sicher von Vorteil."

Kritik von Edlinger

Vor allem von Rapid-Präsident Rudolf Edlinger war Pucher immer wieder wegen seiner Doppelfunktion als Liga-Chef und Mattersburg-Obmann kritisiert worden, wofür der Burgenländer teilweise Verständnis zeigte. "Er hat das ja schon bei meinem Vorgänger grundsätzlich festgestellt. Das respektiere ich und bin ihm nicht böse."

Eine gewisse Doppelfunktion wäre wohl auch im Falle einer Bestellung Hoschers zum Nachfolger gegeben - schließlich ist der 47-jährige Wiener, Ex-Nationalrats-Abgeordneter der SPÖ, auch Chef von Liga-Sponsor tipp3, was bei Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung nicht einer gewissen Pikanterie entbehren würde. "Aber wenn Hoscher gewählt werden sollte, wird er sich sicher richtig zu verhalten wissen. Man kann beide Ämter trennen, das weiß ich aus eigener Erfahrung", betonte Pucher.

(APA)

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3 Kommentare
Gast: gustavo
24.11.2009 13:43
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Dank an Herrn Pucher

Österreich-Topf, Sanierung der Finanzen ( inkl. Erwerb eines kapitalträchtigen Stammhauses) und alle Vereine haben profitiert , hierfür meine Anerkennung. Und jetzt glauben die 3 Großen mit Ried als Anhängsel sie können alles im Alleingang bestimmen. Vielen Dank Herr Edlinger, ich wünsche ihnen dafür viele schlaflose Nächte! Denn ohne der zahlreichen Rapid-Fans wären sie ein kleiner unbedeutender Vereins-Präsident. Und wie sehr sie mit dem Geld umgehen können, haben sie ja als Finanzminister bewiesen. Ich breche auch eine Lanze für Herrn Rinner, der steht für Kontinuität und wirtschaftlicher Kompetenz! Verwundert hat mich auf Talk und Tore, dass ein hochbezahlter Austria-Berufsfunktionär, als Edlingers Steigbügelhalter fungiert.

Gast: Skalar
24.11.2009 12:06
0 0

Wetten bei der Stadionkassa

Da kann der Hoscher dann aus jeder Stadionkassa gleich eine tipp3 Annahmestelle machen. Super praktisch und in Zeiten des Wettskandals eine wirklich gute Idee! Also den Hoscher zum Präsidenten zu machen, dass kommt mir so vor als würde man den Bock zum Gärtner machen.

Gast: fragender
23.11.2009 22:56
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aus der Vergangenheit nichts gelernt...

...wie lässt es sich vereinbaren dass ein Wettanbieterboss Präsident eines normalerweise nur Sportorientierten ÖFB wird ?
Gibt der aktuelle Wettskandal noch immer nicht zu denken ? Egal wie der Wettanbieter heisst es ist auf sportlicher Ebene nicht vereinbar und ein Wettbüro wird immer eine windige Sache bleiben ! Also Finger weg von solchen Geschäften und natürlich von ihren Bossen !
Nur nicht anstreifen - auch wenn sie viel Geld besitzen - es handelt sich um Elendsgeld wo oft Familien schwer darunter leiden !
Erst letzte Woche am Freitag hat vor mir in einer Trafik einen Tipp3-schein aufgegeben und über 200 Euro bezahlt, aber das kind welches er mitgehabt hat war nur mit einem zerrissenen T-Shirt bekleidet!- wenn sie verstehen was ich sagen will? Tipp3 wird den Menschen als anständig verkauft, ist aber nichts anderes als wie jedes andere klitschige Wettbüro - So etwas hat im Sport nichts verloren !!!!!!!!!!