WIEN. „Ich will nicht in den Krieg ziehen, aber für uns ist diese Sache schlicht und einfach nicht akzeptabel.“ Rudolf Edlinger, der Rapid-Präsident und ehemalige Finanzminister, bleibt bei seiner Linie. Der Fußball-Rekordmeister ist nicht gewillt, den neuen Fernsehvertrag der Fußball-Bundesliga zu unterzeichnen. Dem Vernehmen nach soll sich die Liga bereits mit dem Pay-TV-Sender Sky auf eine neue Partnerschaft geeinigt haben. Um 8,5 Millionen Euro pro Saison will sich das Bezahlfernsehen die exklusiven Übertragungsrechte sichern. Im ORF sollen künftig nur zwölf statt bisher 36 Spiele pro Saison zu sehen sein.
Das ist Edlinger zu wenig. „Wir sind für eine entsprechende Reichweite“, betont er und hat auch schon eine Lösung parat: „Wir verkaufen unsere Heimspiele ans Free-TV.“ Mit „Free-TV“ und „entsprechenden Reichweiten“ kann nur der ORF gemeint sein, obwohl Edlinger die drei Buchstaben nicht über die Lippen kommen. Damit läutet Edlinger das Ende einer zentralen Vermarktung der Bundesliga ein. Sein Plan: Rapid spielt künftig bei Heimspielen exklusiv im ORF. Der Rest der Liga dribbelt weiterhin auf Sky.
Kein Wunder, dass der ORF an der Übertragung von zwölf Liga-Spielen kein Interesse zeigt. „Alle 36 Spiele – oder gar keines“, heißt es. Bundesliga-Vorstand Georg Pangl sucht verzweifelt nach einem Kompromiss: „Was hier passiert, das schadet dem Image des Fußballs. Mehr will ich dazu gar nicht sagen.“ Edlinger geht es um die Fans. „Das sind wir unseren Fans schuldig. Und es ist nun einmal so, dass wir den größten Anhang haben“, meint der Rapid-Präsident und findet: „Sky verfügt in Österreich über 180.000 Anschlüsse – das ist entschieden zu wenig.“
„Ja, es braut sich etwas zusammen“, sagt Edlinger, der sich von der Bundesliga schlecht behandelt fühlt. „Die reden doch nicht einmal mit uns.“ Den einzigen Kontakt habe es in schriftlicher Form gegeben. „Der Bundesliga-Vorstand hat mir einen Brief geschickt, verfasst wurde er am 23. Dezember.“ Darin sei gestanden: „Wenn ich etwas wissen will, dann solle ich mich an Liga-Vorstand Georg Pangl wenden. Er stünde für mich jederzeit zur Verfügung. Da frage ich mich schon, was das soll!“, schäumt Edlinger.
Und schließlich gehe es nicht nur um finanzielle Aspekte, kehrt er den Sozialdemokraten hervor. „Es stimmt nicht, dass wir als Hütteldorfer ein größeres Stück vom TV-Kuchen haben wollen. Aber man muss auch an jene Fans denken, die sich ein Sky-Paket einfach nicht leisten können oder wollen. Das ist eine Missachtung einer sozialen Frage, was die Bundesliga hier machen will.“
Sponsoren fordern Reichweite
Der Hütteldorfer Klubpräsident gibt allerdings zu, dass es ihm auch um die Sponsoren geht. „Als wir mit der Liga den ersten Vertrag mit einem Pay-TV abgeschlossen haben, wurde uns versprochen, dass sich die Sky-Anschlüsse verdoppeln würden. Das hat nie stattgefunden. Wie soll da ein Sponsor zufrieden sein, wenn er im Fernsehen so gut wie nicht vorkommt? Warum soll jemand Geld in die Hand nehmen, wenn er dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf einer Bande steht?“
Edlinger werde bei der Hauptversammlung der Bundesliga am Donnerstag keinen Rückzieher machen. „Und wenn wir überstimmt werden, leiten wir rechtliche Schritte ein. Niemand kann Rapid vorschreiben, an wen es seine Rechte abtritt. Wir lassen uns nicht beschränken, hier will man TV-Reichweiten amputieren.“
Und zu guter Letzt wirft Edlinger der Bundesliga auch juristische Fehler vor. „Alle TV-Rechte hätten öffentlich ausgeschrieben werden müssen. Auch die vom Pay-TV. Wer sagt denn, dass Sky allein auf dem Markt ist? Eine Agentur könnte sich genauso bewerben.“
■Fußball-TV-Rechte.
Der Streit eskaliert: Rapid-Präsident Rudolf Edlinger will die Heimspiele der Hütteldorfer an einen Free-TV-Sender verkaufen. Damit könnte der ORF in der Bundesliga doch am Ball bleiben und exklusiv die Spiele des Rekordmeisters übertragen. Für den Fall, dass Rapid bei der Liga-Hauptversammlung am kommenden Donnerstag überstimmt werden sollte, kündigt Edlinger rechtliche Schritte gegen ein Abkommen mit Sky an.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.01.2010)

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