Barcelona/London. "Wenn wir den Titel holen wollen, müssen wir uns gewaltig steigern", hatte Barcelona-Trainer Josep Guardiola nach dem 1:1 im Hinspiel in Stuttgart geknurrt. Und seine Warnung traf auf offene Ohren: Sein Team zeigte im Achtelfinal-Rückspiel gegen den VfB von Beginn an ein völlig anderes Gesicht: Leidenschaftlich und aggressiv gingen die Katalanen zu Werke.
Zudem hatte Guardiola, der kurzfristig auf Xavi (Verletzung im Abschlusstraining) verzichten musste und Zlatan Ibrahimovic überraschend auf die Bank setzte, eine glänzende Idee: Er stellte Lionel Messi mehr in die Mitte und damit weiter weg von Bewacher Cristian Molinaro, der den Barça-Star im Hinspiel beeindruckend ausgeschaltet hatte.
Geniestreich
Und dieser Plan ging schon nach dreizehn Minuten auf: Messi lief einfach zentral in Richtung Strafraum, ließ drei Stuttgarter wie Schulbuben stehen und schloss mit einem spektakulären Schuss ins Kreuzeck ab. So einfach ist Fußball für ein Genie.
Kaum hatten sich die Deutschen wieder ein wenig gefangen, zeigte Messi einen zweiten Geniestreich: Mit einem wunderschönen Pass aus der Zentrale spielte der Argentinier links Yaya Touré frei, der passte in die Mitte, wo Pedro zum zweiten Tor nur noch den Fuß hinhalten musste (22.).
Für völlig überforderte Stuttgarter war die winzige Chance auf die Sensation damit vorbei. Barça zeigte sich aber gnädig in der Chancenverwertung und der VfB musste „nur“ noch Gegentore durch – natürlich – Lionel Messi (60.) – und Bojan (89.) hinnehmen. Im zweiten Achtelfinale des Abends besiegte Bordeaux Olympiakos mit 2:1 und stieg nach dem 1:0-Sieg im Hinspiel auf.
Am Ende gewinnt der Feind
Von Rache oder Genugtuung war bei José Mourinho während des 1:0-Sieges gegen Chelsea an der Stamford Bridge und den damit verbundenen Aufstieg ins Viertelfinale der Champions League nicht viel zu sehen. Beim goldenen Tor durch Samuel Eto'o sprang der Exzentriker kurz auf, ballte die Faust und drehte schon wieder ab. Beim Schlusspfiff war der Inter-Coach sogar schon in der Kabine, wohin er sich aus Respekt vor seinem ehemaligen Arbeitgeber zurückgezogen hatte.
Auch nach dem Spiel schoss Mourinho nicht gegen seinen Ex-Arbeitgeber, der ihn 2007 nach Differenzen mit Mäzen Roman Abramowitsch entlassen hatte. „Heute war ich der Feind. Und der Feind hat gewonnen. So ist das Leben.“
Chelsea muss zur Kenntnis nehmen: Auch die rund 750 Millionen Euro, die Magnat Abramowitsch seit seinem Einstieg 2003 in den Verein gepumpt hat, können die größte Trophäe des europäischen Klubfußballs nicht kaufen.
>> Nachlese: Champions League Achtelfinale
("Die Presse" Printausgabe vom 18. März 2010)

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