Das Engagement von Magna beim Bundesligisten Wiener Neustadt ist ab 30. Juni 2011 Geschichte. Großmäzen Franz Stronach gab am Dienstag bekannt, dass er das Projekt beenden werde. Grund für seine Entscheidung sei "unsachliche Kritik" an seinen Plänen, für den Verein ein modernes Stadion zu bauen. Daher fühle sich der seit gestern 78-Jährige "als Investor in Niederösterreich nicht erwünscht".
"Neben der sportlichen Etablierung in der Bundesliga wäre es auch wichtig, für eine angemessene Infrastruktur in Form eines modernen Stadions zu sorgen. Damit hätte der Verein alle Voraussetzungen, um sich langfristig im österreichischen Spitzenfußball zu verankern. Leider scheint dies nicht möglich zu sein. Wenn ein Herr Schneeberger - als hoher Repräsentant der größten Partei des Landes und Abgeordneter aus Wiener Neustadt - in der Öffentlichkeit und von anderen hochrangigen Politikern unwidersprochen höchst unsachliche Kritik am Stadionprojekt äußert und ernsthafte Überlegungen als "Marotte" abqualifzieren kann, wird bei mir der Anschein erweckt, dass Frank Stronach und Magna als Investoren in Niederösterreich nicht erwünscht sind", teilte Stronach per Aussendung mit.
Weiter hieß es: "Derartige Äußerungen, die ich als unverschämt, unbedacht und unklug bezeichne, sind schädlich für jedes Investitionsprojekt, auch für Projekte im industriellen Bereich. Nachdem uns klar signalisiert wurde, dass wir als Investor nicht erwünscht sind, werden wir dieses Projekt nicht weiter verfolgen. Dies tut mir vor allem für die Region und die Fans der Vereins leid. Ich möchte, dass der Fußball in Wiener Neustadt erhalten bleibt und werde, sofern dies gewünscht ist, im Jugendbereich weiter als Partner zur Verfügung stehen. Für den Profibereich wird es aber notwendig sein, dass auch andere Personen und Institutionen Verantwortung übernehmen."
Stronach "gibt nach wie vor Geld her"
Frank Stronach bleibt dem Klub zumindest als Privatsponsor erhalten. "Stronach gibt nach wie vor Geld her, aber nicht in dem Ausmaß wie bisher", sagte Wiener Neustadts Bürgermeister Bernhard Müller. Stronach bleibe weiterhin Präsident und der Klub werde um eine Lizenz ansuchen. "Es gibt keine Auflösung des Vereins, keine Lizenzweitergabe", betonte Müller nach einem Gespräch mit Stronach. Der Stadionneubau und eventuelle Planspiele einer Klubverlegung innerhalb von Niederösterrecih seien allerdings gestorben.
Per Aussendung präzisierte der Bürgermeister seine Aussagen später: Stronach werde mit Saisonende seine Sponsorgelder beim Bundesligaklub reduzieren, werde aber weiterhin in den Jugendbereich investieren und diese Förderung sogar noch aufstocken. Frank Stronach habe zugesagt, in ein Sportzentrum für die Jugend zu investieren
Ziel sei es, trotz geringerem Budget, für die kommende Saison um eine Lizenz anzusuchen und sich in der Bundesliga zu halten. Sollte dies nicht klappen, wolle man zumindest in der Ersten Liga zu bleiben, um dem Nachwuchs eine sportliche Perspektive zu geben.
Weiter führte Müller aus: "Frank Stronach geht es um die Jugend und deren positive Entwicklung. Sein Engagement in Wiener Neustadt war bisher eine Win-win-Situation für alle Beteiligten und wird es auch weiterhin sein.
Ich habe Verständnis dafür, dass er in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, weniger Geld für den Sport zur Verfügung stellen kann, und ich verstehe auch, dass er von manchen öffentlichen Aussagen enttäuscht ist.
Dass das neue Stadion nicht kommt, ist zwar bedauerlich, wir werden diese Chance allerdings nutzen, um am bestehenden Areal Stadtentwicklung zu betreiben. Mein Dank gilt Frank Stronach, ohne den der SC nach wie vor in der fünfthöchsten Spielklasse tätig wäre. Er hat viel Geld in Wiener Neustadt investiert und möchte im Interesse der Jugend als maßgeblicher Unterstützer erhalten zu bleiben."
Manager Gruber: Keine Angst vor Lizenzentzug
Trotz des bevorstehenden Magna-Rückzuges hat Wr.-Neustadt-Manager Alexander Gruber keine Angst davor, dass seinem Klub die Lizenz für die Saison 2011/12 verweigert werden könnte. Er sei "hundertprozentig sicher", die im kommenden Frühjahr Spielgenehmigung zu bekommen. "Es gibt ja immerhin nach Frank Stronach als Präsident."
Man werde allerdings ein deutlich reduziertes Budget einreichen. "Wie hoch es genau ist, ist noch offen", sagte Gruber. Man werde auf jeden Fall versuchen, auch in der kommenden Saison eine konkurrenzfähige Mannschaft zu stellen - einige Leistungsträger könnten aber abhandenkommen. "Es kann sein, dass schon im Winter Spieler verkauft werden. Wir werden niemandem Steine in den Weg legen, aber eine Ablöse wird natürlich fällig werden", erklärte der Manager.
Besonders begehrt dürften die aktuellen U21-Teamspieler Alexander Grünwald, Christian Ramsebner und Guido Burgstaller sein, deren Kontrakte teilweise über den Sommer 2011 hinaus laufen. "Alle Verträge, auch die längerfristigen, werden erfüllt. Dafür steht Stronach", meinte Gruber, der die Mannschaft und auch Trainer Peter Schöttel von den neuen Entwicklungen informierte. "Er hat das zu 100 Prozent akzeptiert und wird seinen Job so wie bisher mit vollem Elan und Ehrgeiz erledigen", erklärte Gruber.
Schöttel: "Müssen schauen, dass wir in der Liga bleiben"
Schöttel selbst korrigierte die Saisonvorhaben ebenfalls nach unten korrigiert: "Wir müssen jetzt halt schauen, dass wir in der Liga bleiben und junge Spieler ausbilden. Das ist auch eine reizvolle Aufgabe."
Der Rapid-Rekordspieler, dessen Vertrag in Wiener Neustadt noch bis Jahresende 2011 läuft, sah die neuen Entwicklungen relativ gelassen. "Ich bin unter der Vorgabe zum Verein gekommen, dass das Budget reduziert werden muss. Die Verträge wurden schon in den letzten Monaten runtergefahren."
Seine Spieler würden mit der Situation professionell umgehen, so Schöttel. "Ich gehe davon aus, dass jeder um die Punkteprämie kämpft und sich in die Auslage stellen will", betonte der Wiener.
(Red.)

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