Fußballer und schwul: Geht doch

Tabuthema: Das Outing des schwedischen Viertligaspielers Anton Hysen macht in Schweden Schlagzeilen. Er prangerte die Homophobie in der Fußballwelt an und bekommt Hass-Mails.

Fussballer schwul Geht doch
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Fussballer schwul Geht doch
(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Doris Schlagbauer)

Stockholm. Als Glenn Hysen, einst ein berühmter Haudegen in Schwedens Fußballteam, vor vier Jahren bei Stockholms Pride-Parade die Eröffnungsrede hielt, erweckte er großes Aufsehen, hatte der beinharte Innenverteidiger doch früher selbst mit schwulenfeindlichen Sprüchen geglänzt. Doch dann prangerte er die Homophobie in der Fußballwelt an: „Wie einfach ist es wohl für einen 16-Jährigen, sich vor seinen Teamkameraden als schwul zu bekennen?“, fragte Hysen.

Kaum einer wusste damals, dass der vielfache Nationalspieler dabei an seinen eigenen Sohn dachte. Jetzt hat sich der 20-jährige Anton Hysen in einem Interview mit dem Fußballmagazin „Offside“ als homosexuell geoutet und damit viel Zustimmung – und einige Hass-Mails geerntet.

Denn auch im liberalen Skandinavien schienen bisher Fußball und Homosexualität unvereinbare Größen zu sein. Zumindest Männerfußball. Dass zahlreiche der besten Fuß- und Handballerinnen lesbisch sind, ist ebenso bekannt wie respektiert. Kein Mensch kümmert sich noch darum. Bei den Kickern ist das anders, Hassgesänge gegen Schwule von den Rängen und Macho-Slang in den Umkleidekabinen sind für viele nicht das Umfeld für ein Bekenntnis zur eigenen Sexualität.

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„Muss doch mehr von uns geben“

Anton Hysen war unsicher, wie die eigene Familie reagieren würde, als er von seiner Neigung berichtete, doch nun spürt er eine Unterstützung, die ihm Mut für seinen nächsten Schritt gegeben hat, den an die Öffentlichkeit. Jetzt hofft er, dass sein Outing auch Nachahmer findet. „Es muss doch mehr von uns geben.“ Dass von zehntausenden Fußballern kein einziger schwul sein sollte, ist schon rein statistisch ausgeschlossen. „Wo, zum Teufel, sind also die anderen?“, fragt Anton Hysen.

Als Fußballer hat der junge Mann noch keine Schlagzeilen gemacht. Während sein Vater als Profi in Holland, Italien und England spielte und Bruder Tobias gefeierter Torschützenkönig der höchsten Liga „Allsvenskan“ ist, führt Anton als Linksverteidiger des BK Utsikten in der vierthöchsten Spielklasse ein bescheideneres Dasein. Jetzt ist sein Name dennoch in aller Munde, und in den Webforen regnet Anerkennung. Wie die Fans reagieren werden, wenn Schwedens Fußballliga wieder loslegt, ist abzuwarten.

 

Extreme Diskriminierung

„Lass sie singen, ich weiß, wer ich bin“, sagt Hysen. Der Kampf um Anerkennung sollte nicht auf den einzelnen Spielern lasten, meint Ulrika Westerlund, Vorsitzende des Verbands für sexuelle Gleichberechtigung.

„Alle, die im Fußball etwas zu sagen haben, sollten dafür kämpfen, dass sich alle willkommen fühlen können.“ Doch während der Kampf gegen den Rassismus großgeschrieben werde, werde die Diskriminierung Homosexueller ignoriert.

Auch Anton Hysen glaubt, dass ihn viele Trainer nicht verpflichtet haben, weil sie hörten oder selbst wussten, dass er homosexuell ist. Bei seinem jetzigen Coach beim BK Utsikten braucht er die Benachteiligung nicht zu befürchten: der heißt nämlich Glenn Hysen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.03.2011)

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