Fußballer und schwul: Geht doch

20.03.2011 | 18:09 |  UNSEREM KORRESPONDENTEN HANNES GAMILLSCHEG (Die Presse)

Tabuthema: Das Outing des schwedischen Viertligaspielers Anton Hysen macht in Schweden Schlagzeilen. Er prangerte die Homophobie in der Fußballwelt an und bekommt Hass-Mails.

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Stockholm. Als Glenn Hysen, einst ein berühmter Haudegen in Schwedens Fußballteam, vor vier Jahren bei Stockholms Pride-Parade die Eröffnungsrede hielt, erweckte er großes Aufsehen, hatte der beinharte Innenverteidiger doch früher selbst mit schwulenfeindlichen Sprüchen geglänzt. Doch dann prangerte er die Homophobie in der Fußballwelt an: „Wie einfach ist es wohl für einen 16-Jährigen, sich vor seinen Teamkameraden als schwul zu bekennen?“, fragte Hysen.

Kaum einer wusste damals, dass der vielfache Nationalspieler dabei an seinen eigenen Sohn dachte. Jetzt hat sich der 20-jährige Anton Hysen in einem Interview mit dem Fußballmagazin „Offside“ als homosexuell geoutet und damit viel Zustimmung – und einige Hass-Mails geerntet.

Denn auch im liberalen Skandinavien schienen bisher Fußball und Homosexualität unvereinbare Größen zu sein. Zumindest Männerfußball. Dass zahlreiche der besten Fuß- und Handballerinnen lesbisch sind, ist ebenso bekannt wie respektiert. Kein Mensch kümmert sich noch darum. Bei den Kickern ist das anders, Hassgesänge gegen Schwule von den Rängen und Macho-Slang in den Umkleidekabinen sind für viele nicht das Umfeld für ein Bekenntnis zur eigenen Sexualität.

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„Muss doch mehr von uns geben“

Anton Hysen war unsicher, wie die eigene Familie reagieren würde, als er von seiner Neigung berichtete, doch nun spürt er eine Unterstützung, die ihm Mut für seinen nächsten Schritt gegeben hat, den an die Öffentlichkeit. Jetzt hofft er, dass sein Outing auch Nachahmer findet. „Es muss doch mehr von uns geben.“ Dass von zehntausenden Fußballern kein einziger schwul sein sollte, ist schon rein statistisch ausgeschlossen. „Wo, zum Teufel, sind also die anderen?“, fragt Anton Hysen.

Als Fußballer hat der junge Mann noch keine Schlagzeilen gemacht. Während sein Vater als Profi in Holland, Italien und England spielte und Bruder Tobias gefeierter Torschützenkönig der höchsten Liga „Allsvenskan“ ist, führt Anton als Linksverteidiger des BK Utsikten in der vierthöchsten Spielklasse ein bescheideneres Dasein. Jetzt ist sein Name dennoch in aller Munde, und in den Webforen regnet Anerkennung. Wie die Fans reagieren werden, wenn Schwedens Fußballliga wieder loslegt, ist abzuwarten.

 

Extreme Diskriminierung

„Lass sie singen, ich weiß, wer ich bin“, sagt Hysen. Der Kampf um Anerkennung sollte nicht auf den einzelnen Spielern lasten, meint Ulrika Westerlund, Vorsitzende des Verbands für sexuelle Gleichberechtigung.

„Alle, die im Fußball etwas zu sagen haben, sollten dafür kämpfen, dass sich alle willkommen fühlen können.“ Doch während der Kampf gegen den Rassismus großgeschrieben werde, werde die Diskriminierung Homosexueller ignoriert.

Auch Anton Hysen glaubt, dass ihn viele Trainer nicht verpflichtet haben, weil sie hörten oder selbst wussten, dass er homosexuell ist. Bei seinem jetzigen Coach beim BK Utsikten braucht er die Benachteiligung nicht zu befürchten: der heißt nämlich Glenn Hysen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.03.2011)

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9 Kommentare
Gast: Mirco
21.03.2011 19:34
0

richtig so!

Endlich jemand, der den Mut hat sich zu outen!
Ich selbst bin nicht hscwul, aber mit einigen befreundent und weiss daher ungefähr, wie har das sein muss.
Was ich nicht verstehe ist diese gezwungene Homophobie im Männerfussball. Soll den einer schlechter spielen, weil er einen Mann liebt und keien Frau?
Was für ein Schwachsinn!
Früher gab es Kulturen, die Homosexualität verehrten, und heute hallen beleidigende und diskriminierende Gesänge durch die Stadien. Nun zeigt mir mal jemand, der heir einen Fortschritt erkennen kann, in unserer ach so toleranten Gesellschaft. Schwule/Lesben sind genau so Menschen wie jeder andere auch, oft sind sie sogar attraktiver und intelligenter als "die Normalen".
Und was die Sache mit dem Nutzen für den Fortbestand der Gesellschaft angeht;
Da haben Homosexuelle den gleichen Nutzen wie ein Katholischer Pfarrer. Und ich kann mich nicht erinnern, dass man die jemals mit wüsten Worten durch die Gegend gejagt hat.

homosexuell

wo bleibt eigentlich der mensch?ist es nicht egal was man liebt oder wen?

homosexuell

glaube nicht das dieses thema beim sport halt macht ist in jeder gesellschaftsschicht zu finden-ich persönlich habe nichts dagegen zu sagen es ist nur schade das man[n] sich fürchten muss um sich zu outen-und das im jahr 3000?!

Gast: schwul
21.03.2011 18:13
0

Respekt

Ich finde es toll das er es zugegeben hat und ich hoffe das sie ihn alle so nehmen wie er ist und dadurch nicht seine Kariere gefärdet wird...

Gast: outing
21.03.2011 16:07
3

ich gestehe

ich bin hetero und kein fußballer.

niemand interessierts?

eben.

Weil die EU und die Ideologie..

.. des Gender Mainstream Schwulheit nicht, wie tausende Jahre hindurch, als vom Normalzustand Frau/Mann abweichend, sondern als natürlich zur Verschwulung der Gesellschaft dargestellt werden soll.

Deshalb muss man alles daran setzen, dass alles, was den Naturgesetzen entgegensteht, dem Fortbestand des Lebens und des Modells "Mensch"schadet, zur Normalität zu erklären.

Re: Weil die EU und die Ideologie..

Ich als rein heterosexueller Mann kann mir unmöglich vorstellen, mir meine sexuellen Präferenzen aussuchen zu können. Rein homosexuellen Menschen werden das genauso sehen. Wer sich also vor einer "Verschwulung" fürchtet, outet sich damit implizit als bi- oder asexuell.

Antworten Gast: Fellini
21.03.2011 00:30
3

Re: Weil die EU und die Ideologie..

Es gibt keine Verschwulung der Gesellschaft. In jeder Population gibt es einen relativ konstanten Anteil an Homosexuellen. Warum, weiß man nicht, es gibt natürlich Theorien (etwa dass es den biologischen Sinn hat das Testosteron in der Gruppe zu senken), aber es ist so. Es ist also ganz normal. Wenn die Zeiten liberaler sind stehen mehr dazu, wenn sie weniger liberal sind, wird es geheim gehalten. Das ist das ganze Geheimnis. Diese von Ultrakonservativem befürchtete Homosexualisierung der gesamten Gesellschaft ist ein kompletter Schwachsinn. Es gehört aber irgendwie auch zusammen. Jede Population hat auch einen relativ konstanten Anteil an Ultrakonservativen. Warum, weiß auch keiner, ist aber so. Auch da gibt es Theorien dazu. Es ist jedenfalls wissenschaftlich messbar, dass Konservative paranoider und weniger stressrestistent sind. Daher glauben sie an Weltverschwörungen und sind für ein starkes Militär. also liebe Homos und liebe Ultras, es wird Zeit, dass ihr euch die Hände reicht, ihr sorgt nämlich für Stabilität in der Gesellschaft. Ihr balanciert sie aus, auf beiden Seiten des Spektrums.

Gast: berni1
20.03.2011 20:06
0

ich vermute

die meisten schwulen fußballer gibt es bei rapid zumindestens wenn man nach den fans geht

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