Auch unter Managern gibt es sie, die „In- und Outlisten“, wie sie heute jede Mädchenzeitschrift führt. Denn auch der Transfermarkt ist wie viele andere Märkte zyklisch angelegt. In Deutschland etwa wollte in den 1990er-Jahren jeder Klub einen Afrikaner haben. Später waren Brasilianer das „Must have“. Südamerika galt als El Dorado, in dem statt Gold an jeder Ecke Rohdiamanten zu finden waren, die man nur noch zu neuen Lucios, Elbers oder Amorosos schleifen musste. Heute sind es Senkrechtstarter wie der Japaner Shinji Kagawa von Borussia Dortmund. Und Österreicher.
Wenn am kommenden Freitag die deutsche Bundesligasaison 2011/12 beginnt, werden 18 ÖFB-Spieler in den Kadern der 18 Bundesligisten stehen. Nie waren es mehr. Mitgerechnet sind auch die drei Doppelstaatsbürger: Jonathan Schmid (SC Freiburg/Frankreich und Österreich), Martin Harnik (Stuttgart/Deutschland und Österreich) und seit dieser Saison auch Moritz Leitner vom BVB. Der 18-jährige Sohn einer Steirerin und eines Deutschen spielte bereits für Österreichs U17. Nachdem er im September 2010 auch die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt, wechselte er zur U19-Auswahl des DFB. Wie schwer der Verlust Leitners für den ÖFB wiegt, war zu erkennen, als unlängst ein Gerücht durch die Medienlandschaft geisterte. Der Mittelfeldspieler habe angeblich angedeutet, wieder für Österreich spielen zu wollen. Die Meldung wurde zwar rasch dementiert, doch ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner ließ bei seiner Einschätzung des Dortmund-Talents keine Fragen offen: „Sollte Moritz Leitner zukünftig doch noch überlegen, für Österreich zu spielen, fliegen wir auch rund um den Erdball, um ihn für uns zu gewinnen.“
Doch nicht nur Ruttensteiner hält große Stücke auf den gebürtigen Münchner. BVB-Trainer Jürgen Klopp meinte kürzlich: „Moritz hat uns alle überrascht.“ Bedeutet: Der 18-Jährige nähert sich beim Deutschen Meister der Startelf. Leitner ist einer der heißesten Kandidaten für die offensive Position in der „Doppelsechs“ des BVB, auf der im Meisterjahr noch Superstar Nuri Sahin den Takt vorgab.
Die Fixstarter. Andere Österreicher haben ihren Stammplatz bereits sicher – allen voran die Abwehrspieler Emanuel Pogatetz bei Hannover und Martin Stranzl bei Borussia Mönchengladbach. Sie hatten großen Anteil am Erreichen des Europacups beziehungsweise der erfolgreichen Aufholjagd und des Klassenerhalts.
Bei Pokalsieger Schalke soll Christian Fuchs das lange schwelende Problem links in der Viererkette lösen. Starke Leistungen in den Testspielen lassen darauf schließen, dass ihm das gelingen kann. Ernsthafte Konkurrenz hat er bei Königsblau jedenfalls nicht.
Martin Harnik hat vergangene Saison den Sprung vom „Joker“ zur Stammkraft bei Stuttgart geschafft. Im 4-2-3-1-System ist er Fixstarter auf der rechten Offensivposition. Auch Andreas Ivanschitz hat bei Mainz gearbeitet. Er hätte einen Stammplatz – würde Trainer Thomas Tuchel nicht so oft die Spieler-Rotation forcieren.
Auf Stand-by. Neuzugang Julian Baumgartlinger muss sich in Mainz noch hinter den beiden „Sechsern“ des Vorjahres Eugen Polanski und Elkin Soto anstellen. Sebastian Prödl wird es bei Werder Bremen nach seiner Verletzungspause angesichts der Neuzugänge Papastathopoulos und Wolf schwer haben, sich zurück in die Innenverteidigung zu spielen. Zudem zeichnet sich auch langsam die Rückkehr von Abwehrstar Naldo ab. Prödls Klubkollege Marko Arnautović steht vor einer entscheidenden Saison: Die Konkurrenz im Bremer Sturm ist alles andere als groß, doch das „Enfant terrible“ muss endlich Konstanz zeigen. Ein weiteres enttäuschendes Jahr wird Bremen nicht mit ansehen.
Die zweite große Überraschung der Vorbereitung neben Leitner heißt David Alaba. Der 19-Jährige hat Bayern-Trainer Jupp Heynckes beeindruckt und kratzt an einem Stammplatz.
Die Bankerldrücker. Bei Hoffenheim hat sich Ex-Bayern-Spieler Edson Braafheid den Linksverteidiger-Part von Andreas Ibertsberger geschnappt. Der Salzburger wird heuer viel Zeit auf der Bank verbringen – ebenso wie Clemens Walch (Kaiserslautern).
Die Tribünengäste. Für Kevin Stöger, der derzeit bei der U20-WM in Kolumbien weilt, wird der Weg in die erste Elf des VfB Stuttgart sehr steinig sein. Samuel Radlinger (Hannover 96) und Marco Knaller (Kaiserslautern) haben ein schweres Jahr als dritte Torhüter vor sich. Marco Djuricin ist bei Hertha BSC ebenso Stürmer Nummer fünf wie Rubin Okotie bei Nürnberg.
Bleibt noch Jonathan Schmid. Der Außenbahnspieler hätte bei Freiburg Chancen als Rechtsverteidiger. Sonst bleibt dem gebürtigen Straßburger viel Zeit, um abzuwägen, für welches Land er spielen möchte. Willi Ruttensteiner übt sich derweil in Geduld.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.07.2011)

Grid Girls Schönheiten der Boxenstraße
Schnappschuss Die besten Sportbilder