Nach fünf Jahren neigt sich die Amtszeit von Franco Foda bei Sturm Graz dem Ende zu. Der deutsche Trainer lehnte eine Verlängerung seines mit Saisonende auslaufenden Vertrages ab. Sturm Graz wollte mit dem 45-Jährigen um zwei Jahre verlängern, Foda wollte in dem neuen Vertrag eine Ausstiegsklausel verankert haben. Kein Wunder, schließlich wird sein Name fast jedesmal genannt, wenn in Deutschland eine Trainerstelle frei wird. Auf diese Klausel wollte sich Sturm aber nicht einlassen. Spätestens im Sommer wird die erfolgreiche Foda-Ära daher zu Ende gehen.
Der Deutsche, von 1997 bis 2001 Spieler der "Blackies", danach Trainer der Sturm Amateure und Co-Trainer der Profis, hatte Sturm Graz im Juni 2006 von Michael Petrovic übernommen. Sturm hatte die Saison 2005/06 gerade auf Platz acht beendet. Foda führte den Verein zurück an die Spitze. Seine größten Erfolge waren der Cuptitel 2010 und die Meisterschaft 2011 - und das, obwohl Sturm fast jedes Jahr wichtige Leistungsträger ziehen lassen musste.
Stockenhuber ist sich keiner Schuld bewusst
Sturm-Präsident Gerald Stockenhuber meinte zur bevorstehenden Trennung in einer Aussendung: „Persönlich tut es mir sehr leid, dass sich die Wege des SK Sturm und von Franco Foda trennen. Es war mein ausdrücklicher Wunsch und mein vorrangiges Ziel, Franco Foda auch für die kommenden Jahre an den SK Sturm zu binden. Daher haben wir auch über die Modalitäten einer weiteren Zusammenarbeit gesprochen und waren uns darüber einig, auf welche Art und Weise diese weiterhin, angedacht waren die kommenden beiden Saisonen, möglich sein würde.
Dass im Falle der Weiterverpflichtung eines Trainers auch der Vorstand eingebunden sein muss, liegt auf der Hand. Dieser hat den Vertrag mehrheitlich abgesegnet. Danach hat Franco Foda eine weitere Forderung in die Vereinbarung hinein reklamiert, die wir so keinesfalls erfüllen können.
Wenn Franco Foda sich nun dazu entschieden hat, den angebotenen Vertrag nicht zu akzeptieren, muss ich das zu Kenntnis nehmen. Ich betone jedoch ausdrücklich, dass es der Wunsch des SK Sturm war, mit seinem Meistertrainer auch in die kommenden Saisonen zu gehen und der Verein an der ausgehandelten Vereinbarung nicht mehr rütteln wollte. Die Fakten sprechen aber eine andere Sprache: Franco Fodas zusätzliche Forderung in Zusammenhang mit der Möglichkeit, jederzeit aus dem neuen Kontrakt auszusteigen, war für uns nicht akzeptabel. Es liegt nicht im Sinne des Vereines, einen Vertrag abzuschließen, bei welchem der Trainer schon von Beginn weg an seinen Ausstieg denkt."
Foda "geht die Nörgelei auf den Wecker"
Foda wollte inhaltlich auf die Differenzen nicht näher eingehen. "Ich rede nicht über Details. Wichtig ist mir nur, dass es nicht um finanzielle Dinge gegangen ist", sagte er am Rande des Sonntagstrainings. "Würde es mir ums Geld gehen, wäre ich schon lange nicht mehr bei Sturm", meinte Foda, der in der Vergangenheit mehrmals nicht nur als ÖFB-Teamchef, sondern auch als Betreuer von Kaiserslautern und Bochum ins Spiel gebracht worden war.
Eigentlich schien der Vertragsverlängerung nur mehr ein Formalakt zu fehlen. "Ich wollte schon am Montag (dieser Woche, Anm.) unterschreiben. Stattdessen hat es ein weiteres Gespräch mit Stockenhuber gegeben. Am Dienstag dann noch eines mit Johann Jauk (Vizepräsident und Finanzvorstand, Anm.)", erzählte Foda. "Daraufhin habe ich meine Konsequenzen gezogen und entschieden, nicht zu unterschreiben."
Foda, bekannt als äußerst zurückhaltender Charakter, hielt mit seinem Ärger diesmal nicht hinter dem Berg. "In den letzten Wochen und Monaten sind viele Kleinigkeiten zusammengekommen. Es ist mir immer nachgesagt worden, ich hätte die Allmacht im Klub. Das ist ein Blödsinn, das nervt mich. Ich habe nur die Vorgaben des Vorstands erfüllt", meinte Foda. "Mir geht die interne Nörgelei auf den Wecker, ich weiß nicht, wer da mit meiner Arbeit nicht zufrieden ist."
Dass der Verein sparen müsse, wäre für ihn kein Problem gewesen. "Ich hätte sogar eine weitere Budgetreduzierung, die geplant ist, mitgetragen. Wie ich schon in den vergangenen Jahren immer wieder Spielerverkäufe abgesegnet habe", behauptete Foda. "Ich bin immer von der Verlängerung ausgegangen, daher habe ich mir weitere Ziele gesetzt. In den nächsten zwei Jahren wollte ich noch die Gruppenphase der Champions League erreichen."
Angesichts seiner langen Vereinstreue hafte dem Ende nun ein etwas bitterer Nachgeschmack an. "Ich war 15 Jahre beim Verein, habe alle Höhen und Tiefen miterlebt und mich von der Akademie hochgearbeitet", verwies er auf seine erfolgreiche Vergangenheit in Graz. Schon als Aktiver gehörte er um die Jahrtausendwende der erfolgreichen Sturm-Truppe von Trainer Ivica Osim an und brachte Sturm als Trainer bisher einen Cup-Sieg (2010) und einen Meistertitel (2011) ein.
Dennoch versprach Foda, dessen Sohn Sandro ebenfalls im Kader der "Blackies" steht, sich bis Saisonende einzig auf Sturm zu konzentrieren. "Ich arbeite mit vollem Elan und seriös bis zum Schluss weiter. Die Top-Vier bleiben weiter das erklärte Ziel. Ich glaube, ich kann dieser Saison noch viel erreichen und mit Sturm ganz vorne mitspielen. Da ist schon einiges drin."
(sb/APA)

