Wien. Michael Ballack ist gestern nicht zum Training erschienen. Weiter nicht tragisch, aber Fußball-Deutschland beobachtet wieder einmal jeden Schritt des 35-Jährigen. Die Spekulationen um ein vorzeitiges Vertragsende bei Bayer Leverkusen haben neue Nahrung bekommen, seit Samstag ist die Unruhe überhaupt perfekt. Beim 1:1 gegen Werder Bremen war der ehemalige DFB-Teamkapitän nicht nur zweite Wahl, sondern er durfte sich lediglich 40 Minuten aufwärmen. Nicht einmal eine Minute lang ist Ballack dann auf dem Platz gestanden. Wobei Trainer Robin Dutt das auch erklären konnte. „Ich war mit meiner Mannschaft sehr zufrieden – ich habe keinen Grund zum Wechseln gesehen.“
Ein unwürdiger Abschied
Für Ballack war es eine Art Demütigung, die Demontage in Leverkusen hat eine Fortsetzung gefunden. Dass der einst torgefährlichste Mittelfeldspieler am Dienstag dem Training ferngeblieben ist, das war schon vor längerer Zeit ausgemacht, erscheint dennoch jetzt in einem anderen Licht. Der Verein verwehrt sich jedenfalls gegen Spekulationen, verweist darauf, dass Ballack bei der heutigen nicht öffentlichen Trainingseinheit „wie gewohnt“ seinen Dienst aufnehmen werde.
Der 35-Jährige, der bei Bayer noch einen Vertrag bis 30. Juni besitzt, wurde zuletzt zwar mit dem spanischen Erstligisten Real Mallorca in Verbindung gebracht, aber ein Wechsel wurde nie konkret. Dort ist ein Deutscher Mitbesitzer des Vereins, Utz Claassen hatte gemeint: „Ballack war eine mögliche Option.“ Ein Wechsel des alternden „Capitano“ nach Ende der zweiten Transferperiode ist nur noch in bestimmte Länder möglich. Wie etwa Norwegen, Schweden, Russland, die Schweiz und die USA.
Auf der Zielgeraden seiner Karriere droht Ballack auch in der Bundesliga ein unwürdiger Abschied. DFB-Sportdirektor Matthias Sammer rät dem Ex-Teamspieler: „Wenn du noch ein bisschen Fußballer bist, musst du sofort weggehen von Leverkusen. Michael Ballack kann nicht gewinnen in der Diskussion, dann wird sich etwas festsetzen, was für Michael nur negativ sein kann. Er muss souveräner wirken. Ob zu Recht oder nicht, er hat ein total negatives Erscheinungsbild. Das muss er ändern – aber das kann eigentlich nur er.“
Das Verhältnis zu Trainer Robin Dutt und zu den Klub-Verantwortlichen ist zerrüttet. Die Bayer-Führung um Wolfgang Holzhäuser und Rudi Völler hatte vergangene Woche vergeblich versucht, auf den eigenwilligen Starspieler einzuwirken, nachdem Ballack bei seiner Auswechslung im Heimspiel gegen Mainz (3:2) Trainer Dutt bloßgestellt, den Handschlag verweigert hatte.
Das Projekt Ballack, sagt Leverkusen-Boss Holzhäuser, ist gescheitert. Ob er ihn noch einmal holen würde? „Wenn ich damals gewusst hätte, was ich heute weiß, hätte ich es mir sehr gut überlegt.“ Der 35-Jährige steht zum Verkauf, falls er bleibt, will man die letzten drei Monate „professionell“ über die Bühne bringen. Ballack selbst schweigt zu der ganzen Sache, pro Jahr kassiert er sechs Millionen Euro. In den zwei Jahren also zwölf Millionen, von denen sich beide Seiten mehr versprochen haben. Ballack hoffte auf ein Team-Comeback, Bayer auf die dauerhafte Rückkehr an die Spitze. Eine Vizemeisterschaft, das war letztlich alles. Zwischenzeitlich raufte er sich mit Trainer Dutt zusammen, in der Champions League steht man immerhin im Achtelfinale gegen den FC Barcelona.
Einsamkeit der tragischen Figur
Trainer Robin Dutt, von Freiburg gekommen, hofft auf ein baldiges Ende des unerfreulichen Dauerthemas. „Wir haben die einmalige Chance, Ballack einen würdigen Abschied zu bereiten. Die Mannschaft kann ihm helfen, und er kann der Mannschaft helfen. Ob er nun spielt, oder nicht.“ Ballack, der einsame „Capitano“, ist zu einer tragischen Figur geworden.

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