Graz/Hoe. Ein kurzer Moment der Verunsicherung, unterlegt mit einem fragenden Blick in eine für ihn ungewohnte Kulisse. Wo soll ich mich hinsetzen? Frank Stronach steuerte bei der gestrigen Verhandlung gegen Ex-Sturm-Graz-Präsident Hannes Kartnig und sieben ehemalige Klubfunktionäre im Grazer Straflandesgericht schon auf die Anklagebank zu, als ihn der Richter gerade noch einbremste und in den Zeugenstand umdirigierte...
Mit seiner Befragung nahm der Prozess nach knapp zwei Monaten Pause wieder Fahrt auf. Kartnig wird schwerer Betrug, betrügerische Krida, grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen sowie Steuerhinterziehung vorgeworfen. Kartnig hatte sich von Beginn an in Bezug auf die Steuerhinterziehung schuldig bekannt. Von Schwarzeinnahmen, Schwarzzahlungen und Betrug wollte er nichts wissen. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Im Zeugenstand fand Stronach schnell zur Souveränität zurück. Beruf? „Werkzeugmacher“, gab der Milliardär und Magna-Gründer kokett an. Auch legte er sein Verhältnis zu Hannes Kartnig, dessen Trauzeuge er ist, offen: „Einigermaßen befreundet.“
Dann stand jene Million Euro im Mittelpunkt, die er 2004 dem damals finanzmaroden Klub zur Verfügung gestellt hatte. War es ein Geschenk oder ein Darlehen, fragte der Richter. Stronach holte aus. Laut Magna-Statut müssen zwei Prozent des Konzernprofits in soziale Projekte fließen. Darunter falle der österreichische Fußball, „weil sich die Regierung ja nicht um alles kümmern kann“. Er habe gewusst, dass „alle Vereine mit einem halben Bein im Konkurs stehen würden“. Auch Sturm. Dieses Ende wollte der gebürtige Steirer dem Verein ersparen und ließ eine Million Euro überweisen.
Ob er jemals daran gedacht hatte, das Geld zurückzufordern, wollte der Richter dennoch wissen. Fußball sei generell kein Geschäft, antwortete Stronach. Aber „es hätte ja ein Wunder passieren und Sturm in der Champions League viel verdienen können. Aber ich habe nie Illusionen gehabt“.
Das Geld floss jedenfalls nicht, zur Freude des damaligen SMI-Geschäftsführers Andreas Rudas, wie dieser bei seiner Zeugenbefragung erklärte. Rudas war zur fraglichen Zeit auch Vizepräsident der Austria. Als solcher habe er es „nicht gerne gesehen, wenn Stronach die Konkurrenz stärkt“ – aber er sei weisungsgebunden gewesen. Zudem wurden als Gegenleistung das Vorkaufsrecht auf sechs Spieler und zwei Drittel der Transfererlöse zugesichert.
Der Vertrag wurde vom Schöffensenat auf nicht gesetzeskonforme Kündigungen, Vorkaufsrechte und Bilanzierungsdetails geprüft. Viele Fragen blieben offen, also deutete es Staatsanwalt Johannes Winklhofer als „Betrug am Verein“. Eine Ausweitung der Anklage wurde aber ebenso abgelehnt wie ein verlangtes Privatgutachten und die Ladung weiterer Zeugen. Der Prozess wird heute fortgesetzt, das Urteil soll diese Woche erfolgen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.02.2012)

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