Wien. Nacer Barazite, Zlatko Junuzović und Roland Linz hießen die Torschützen beim 3:0-Sieg der Austria im 298. Wiener Derby im August des vergangenen Jahres im Happel-Stadion. Alle drei werden heute nicht dabei sein. Zwei wechselten ins Ausland, Letzterer wurde vom neuen Trainer Ivica Vastić bisher nicht berücksichtigt, weil er „nicht in Form“ sei, wie Vastić sagte. Immerhin ist Linz der erfolgreichste Derby-Torschütze, den die Violetten im Kader haben.
Egal. Es ist nicht irgendein Wiener Derby, das heute um 18.30 Uhr im Prater angepfiffen wird. Es ist das 300. und zudem: Es gibt nicht „irgendein“ Wiener Derby. Zumal der sogenannte Platzsturm der Rapid-Fans im Mai des vorigen Jahres noch immer mitschwingt. Rapid trägt bekanntlich aus diesem Grund die Heimspiele gegen die Austria im Happel- und nicht im Hanappi-Stadion aus. Die Rapid-Fans sind deshalb noch immer sauer und boykottieren das eigene Team. Sie werden dem Spiel teilnahmslos beiwohnen, kündigten sie an.
Was das Sportliche betrifft, ist es vor allem das Duell zweier junger Trainer. Rapids Peter Schöttel möchte in seinem dritten Derby endlich als Sieger vom Platz gehen. „Wir können uns mit einem Sieg von der Austria ein bisschen absetzen, darauf arbeiten wir hin“, sagt er. Doch wer Schöttel kennt, weiß, dass er damit kein Offensivfeuerwerk ankündigt. Schöttel wird nicht, wie Ricardo Moniz, sein Team über- und den Gegner unterschätzen. Das 0:4-Heimdebakel in der Europa League gegen Metalist Charkiw war ein Paradebeispiel an Naivität (siehe Kommentar).
Rapid ohne echten Stürmer
Die Offensive bei Rapid ist ohnehin ein eigenes Kapitel. Die drei echten Sturmspitzen Atdhe Nuhiu, Deni Alar und Rene Gartler sitzen zumeist auf der Bank. Die zwei torgefährlichsten Spieler in der Startelf sind Christopher Trimmel und Guido Burgstaller mit je vier Saisontreffern. Wie schwer sich Rapid mit dem Toreschießen tut, hat man zuletzt beim 0:0 in Wiener Neustadt gesehen.
Und die Austria? Nach dem Verkauf der Offensiv- und Kreativspieler Junuzović und Barazite und der Verbannung von Roland Linz auf die Bank ist das Team schwer einzuschätzen. Das Trio steuerte immerhin 21 der 36 Saisontreffer bei. Der 2:0-Sieg gegen Ried hat angesichts inferiorer Innviertler wenig Aussagekraft.
Und Vastić ist ohnehin kein Mann der großen Worte. „Der Platz im Happel-Stadion ist in einem sehr guten Zustand. Da kann man sicher gut kombinieren. Wir werden den Weg in den Rapid-Strafraum suchen.“
Vor allem der Ex-Rapidler Roman Kienast will die violette Fankurve jegliche Ressentiments vergessen lassen. Vorab meinte er vorsichtshalber: „Ich bin schon über sechs Jahre nicht mehr bei Rapid. Ich war kein Stammspieler, kein Liebling.“ Austria-Fans erwarten wohl treffendere Argumente.

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