Sensation in Barcelona: Chelsea nach 2:2 im Finale

24.04.2012 | 22:46 |  von Sascha Bunda (Die Presse)

In einem an Dramatik kaum zu überbietenden Halbfinal-Rückspiel setzt sich der Außenseiter aus England durch. Superstar Lionel Messi vergibt einen Elfmeter.

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[Barcelona/Wien] Der „Fluch" geht weiter: Auch in dieser Champions-League-Saison wird es keine Titelverteidigung geben. Denn der FC Barcelona scheiterte im Halbfinal-Rückspiel gegen den FC Chelsea erst an der Spielverweigerung der Engländer, dann an sich selbst. Nach einem enttäuschenden 2:2 ist der Titelträger draußen.

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Barça-Trainer Josep Guardiola hatte vor Spielbeginn schon geahnt, was seinem Team blühen würde - eine wie im Hinspiel völlig destruktive Chelsea-Elf. Daher kramte der Coach tief in der Taktik-Trickkiste und holte das fast schon antike 3-3-4-System heraus, sein oft erprobtes Mittel gegen Abwehrbeton. In der ersten halben Stunde hätte Guardiola aber auch völlig auf Abwehrspieler verzichten können: Was sich auf dem Rasen des Nou Camp abspielte, hätte in jeder Handball-Halle stattfinden können. Chelsea igelte sich am eigenen Sechzehner ein. Offensivaktionen gab es nur, wenn Torhüter Petr Cech mit seinen Abstößen vorne Didier Drogba suchte.

Barcelona mühte sich lange - auch weil Lionel Messi die einzigen hart erkämpften Möglichkeiten vergab (3./20.). Es sollte nicht der Abend des Superstars werden. Auch über die Seiten war Chelseas Neun-Mann-Defensivblock nicht zu knacken. Vor allem der 20-jährige Isaac Cuenca hatte rechts gegen Ashley Cole keine Chance.
Doch ausgerechnet er sollte das Bollwerk knacken. Nach einem Eckball sah Dani Alves, der in der 26. Minute den verletzten Gerard Pique ersetzte, halblinks ein wenig Platz. Cuenca drang in den Strafraum und spielte einen perfekten Querpass hinter die Chelsea-Viererkette. Sergi Busquets musste nur noch abstauben (35.) - die Hinspielpleite war egalisiert.

Terrys unerklärlicher Aussetzer

Die jubelnden Barça-Fans hatten sich gerade erst wieder hingesetzt, als John Terry ein unglaublich dummer Gedanke kam. Der Chelsea-Kapitän rammte abseits des Geschehens Sanchez das Knie in den Hintern. Dem aufmerksamen Schiedsrichter Cüneyt Cakir war die Tätlichkeit nicht entgangen. Der Türke zeigte Rot.
Barcelona war nun klar Herr im eigenen Haus: Nun boten sich Räume, in die die Spanier nach dem langen vergeblichen Anrennen umso genüsslicher hinein stießen. Messi spielte in der 44. Minute einen Zuckerpass auf Iniesta, der Cech keine Chance ließ.

Nach dem 2:0 schien der Aufstieg nur noch Formsache zu sein, doch das denkwürdige Spiel nahm eine weitere Wendung: Bei einem der wenigen Konter Chelseas fand sich Ramires plötzlich frei vor Barça-Torwart Valdes. Mit einem Lupfer, wie er sonst von Messi zelebriert wird, traf der Brasilianer zum 2:1 - nun stand Chelsea wieder im Finale, Barça wieder bei Null. Und Erneut machten sich die Katalanen das Leben selbst schwer.

Messi scheitert vom Punkt

Unmittelbar nach der Pause ließ Drogba Cesc Fabregas im Sechzehner über die Klinge springen, Messi trat zum Elfer an. Doch statt zum 15. Mal in dieser Champions-League-Saison ins Netz traf der „Floh" nur die Querlatte.

Der Titelverteidiger zeigte sich vom Fehlschuss unbeeindruckt. Barcelonas Ballbesitz näherte sich der 90-Prozent-Marke, doch das 3:1 wollte nicht fallen. Kurz nach einem Abseitstor von Xavi (81.) traf Messi wieder nur Aluminium, weil Cech noch die Fingerspitzen an den Ball brachte.

Und dann hatte dieses Spiel noch eine besondere Schlusspointe: Ausgerechnet Chelseas Problemstar Fernando Torres fixierte in der Nachspielzeit den Finaleinzug der Engländer.

("Die Presse", Printausgabe vom 25. April 2012)

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34 Kommentare
 
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Destruktionsball

Destruktionsball statt Fußball. Chelsea effizient? Ja. Aber zum Anschauen? Uninteressant. Im Sinne der Zuschauer wäre es überlegenswert über Regeländerungen nachzudenken, zB maximal erlaubte Anzahl von Spielern im eigenen 16er.

Antworten Gast: Beanstander
25.04.2012 14:17
1

Re: Destruktionsball

Eine maximal erlaubte Anzahl von Spielern im eigenen 16er...

Ist heute der 1e April?

Gast: barney stinson
25.04.2012 11:54
1

na bitte

und da haben die bayern dann auch gleich ihren wunschgegner fürs finale. eine echte schande. ich hoffe, real versalzt den bayern noch die suppe. glauben tu ichs aber nicht.

lol

Wie es die ganzen Barca Fans mal nicht ertragen, dass die (immer noch) beste Manschaft der Welt von Chelsea über zwei Spiele hin genialst demontiert wurde.

Zu 10. mit einem Elfer gegen sich noch den Ausgleich zu holen und damit das Ticket für München ist einfach Extraklasse. Effizienz statt Tiki Taka (Hallo @ Classico 21.4)

Re: lol

Den "Ausgleich" hervorzuheben, das ist ja mal eine feine Selbst-Disqualifikation. Barca hat klarerweise die Verteidigung vollkommen aufgelöst, ob 2:1 oder 2:2 ist da ziemlich wurscht.

Oder denken Sie ernsthaft, dass Chelsea den Ausgleich geschafft hätte, wenn Barca am Ende auch nur ansatzweise verteidigt hätte?

Re: Re: lol

Warum hätte das Chelsea nicht schaffen können? Nach deren Logik hätte das 1:0 an der Stamford Bridge bzw. das zwischenzeitliche 2:1 gar nicht fallen dürfen, weil Barca da ja "ansatzweise verteidigt" hat.

Antworten Gast: yoshi1
25.04.2012 12:36
1

Re: lol

Gut herausgespielte Konter: Ja.

Genialer Fußball: Definitiv nicht.

Schön anzusehen: Gott, nein!

Antworten Gast: ido
25.04.2012 12:04
2

Re: lol

"Genialst" ist ein Wort das ich hier nur vorsichtig verwenden würde.

Natürlich ist es sinnvoll für Chelsea, so zu spielen, immerhin wollen die ja ins Finale, und sich nicht abschießen lassen. Aber genial... das ist schon ein hartes Wort.

@Classico: nicht vergessen, dass das der erste Classico ist, der seit langem an Real ging...

Tragisch

Das war wohl der unverdienteste Aufsteiger, den ich je gesehen habe. Eine dunkle Stunde für den gesamten Fußballsport, wenn ein solches Team ins Finale einzieht. Kein Engagement, kein Wille und noch dazu unsportlich. Pfui.

Re: Tragisch

oder auch "die revanche für 2009" :)

Antworten Antworten Gast: ido
25.04.2012 11:49
1

Re: Re: Tragisch

2009 war die Revanche für 2008, irgendwas passt da nicht...

So zu denken hilft aber auch nicht weiter, im Fußball (und im Leben...) gleicht sich irgendwie, irgendwann ohnehin alles aus...

Barca war gestern die bessere Mannschaft, und Chelsea steht im Finale. Daran ändert sich nichts mehr, also warten wir ab was nächstes Jahr passiert...

Gast: 111
25.04.2012 09:22
8

jedes jahr die selben kommentare wenn barca fliegt...

Inter hats auch nicht anders gemacht.. gegen barca kann man nur so spielen

Antworten Gast: ido
25.04.2012 11:58
1

Re: jedes jahr die selben kommentare wenn barca fliegt...

Als Barcafan kann ich mich dem nur anschließen, sonst ist (leider) dagegen kaum ein Kraut gewachsen.

Trotz allem...

... ein wunderbarer Fußballabend gestern ;)

Re: Trotz allem...

seh ich auch so! das spiel hatte alles. rot, gelb, temprament, 11fer, viele chancen... meine "regenwolke" für dieses match war die einfallslosigkeit vor dem tor der blues...

Re: Re: Trotz allem...

...sehe ich genauso...

Gast: Prager Schinken
25.04.2012 09:00
5

Bravo Chelsea

Tolle Leistung!!

Wichtigste Nebensache?


Was man hier seitens des "Siegers" in beiden Spielen gesehen hat, ist angetan, mich in Zukunft anderen Themen zu widmen, als 180 Minuten (plus) mitzuverfolgen, wie eine Truppe unmanierlicher Söldner im Millionärsrang sich vor dem eigenen Tor aufstellt und eine Menschenmauer bildet. Wenn ihre Fußballspielverhinderung dann noch von "Erfolg gekrönt" ist, bleibt lediglich die Konsequenz, sich abzuwenden.

Auf meine Reaktion und den Verlust meines Zuschauens wird es wohl nicht ankommen. Wenn bei tendenzieller Entwicklung in diesem einst schönen Sport sich allerdings die Massen abzuwenden beginnen, weil das "erfolggekrönte Spiel" einfach unansehnlich ist, wird man sich in der UEFA bzw. FIFA möglicherweise etwas einfallen lassen, um Fußball nicht zum Handball werden zu lassen.

Chelsea mag den Aufstieg in das Finale gewonnen haben. Ob es ein Sieg für den Fußballsport ist, bezweifle ich. Denn die Art, in der die "Engländer" ins Finale gekommen sind, wird einen einst schönen Sport nebensächlicher werden lassen.

Antworten Gast: Dr Evil
25.04.2012 09:36
8

Re: Wichtigste Nebensache?

Geh bitte... das ist Fussball und nicht Synchronschwimmen.
War ein spannendes Spiel. Darum geht es!

Antworten Gast: Blues
25.04.2012 08:54
10

Re: Wichtigste Nebensache?

An Ihrem Kommentar merkt man, dass Sie selbst nie Fußball gespielt haben.

Was hat Chelsea davon im Nachhinein behaupten zu können, dass sie gut gespielt und sich nicht versteckt haben, wenn sie auf Grund einer zu offensiven Aufstellung verloren haben?

So ist der Fußball nun mal, will man Erfolg haben, so gilt es die Spielweise des Gegners zu analysieren und mit einer passenden Gegentaktik unschädlich zu machen.

Und bei aller Liebe, aber genau das hat Chelsea gestern gemacht.

Sie haben in Unterzahl gegen ein Pressing der Sonderklasse spielendes Barcelona eine defensive Meisterleistung abgeliefert.

Ich gratuliere Chelsea herzlich zum verdienten Weiterkommen.

Im Gegensatz zu Ihren Katalanen, hat diese "Truppe unmanierlicher" Söldner seine Chancen nicht LEICHTFERTIG vergeben, sondern Klasse bewiesen.

Herrlich mit anzusehen, wie nutzlos 75% Ballbesitz doch sein können.

Das nächste mal ein etwas sachlicherer und emotionsloserer Post bitte.

Schönen Tag noch

Re: Re: Wichtigste Nebensache?

o.k., schau'n Sie sich's weiter an und erfreuen Sie sich. Viel Spaß! ...

Antworten Antworten Antworten Gast: Matze
25.04.2012 13:30
1

Re: Re: Re: Wichtigste Nebensache?

Man muss schon sagen, dafür dass Barcelona so ein Gutmenschenverein ist, sind die Fans der Katalanen schon ausgesprochen schlechte Verlierer...

Antworten Antworten Gast: funky
25.04.2012 10:11
0

Re: Re: Wichtigste Nebensache?

Bei den 2 Toren von Chelsea muss man allerdings beachten, dass die beiden Torschützen praktisch alleine vor dem Tor standen und es nur Formsache war, den Ball "hineinzuschieben".

Aber so ist nun mal eben Fußball. Manchmal steigt auch der schwächere auf. Dennoch denke ich, dass sich Bayern heute durchsetzen wird und auch das Finale gewinnen wird. Sie spielen daheim und gegen die "2. Mannschaft" von Chelsea.

das war einfach klug!

Chelsea wusste dass sie nicht mitspielen durften! Das war NICHT destruktiv einfach hochintelligent, dass zu tun was man kann - die Dortmund hat ja gezeigt wie es nicht geht!

Gast: ja ja chelsea..
25.04.2012 01:39
3

Wird ja ein lustiger Finale

naja schade dass chelsea mit glück weiter gekommen ist, aber nun wirds ja noch lustiger, weil ja da noch etwa 5 stammspieler eine Sperre haben... und dass gegen Bayern münchen oder Real Mandril. tja viel glück dann...

Wie sagt man in Wien?

Es san scho Hausherrn gsturbn!

 
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