Sensation in Barcelona: Chelsea nach 2:2 im Finale

In einem an Dramatik kaum zu überbietenden Halbfinal-Rückspiel setzt sich der Außenseiter aus England durch. Superstar Lionel Messi vergibt einen Elfmeter.

Chelsea setzt sich überraschend gegen den hohen Favoriten Barcelona durch
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Chelsea setzt sich überraschend gegen den hohen Favoriten Barcelona durch
(c) AP (Felice Calabro))

[Barcelona/Wien] Der „Fluch" geht weiter: Auch in dieser Champions-League-Saison wird es keine Titelverteidigung geben. Denn der FC Barcelona scheiterte im Halbfinal-Rückspiel gegen den FC Chelsea erst an der Spielverweigerung der Engländer, dann an sich selbst. Nach einem enttäuschenden 2:2 ist der Titelträger draußen.

Barça-Trainer Josep Guardiola hatte vor Spielbeginn schon geahnt, was seinem Team blühen würde - eine wie im Hinspiel völlig destruktive Chelsea-Elf. Daher kramte der Coach tief in der Taktik-Trickkiste und holte das fast schon antike 3-3-4-System heraus, sein oft erprobtes Mittel gegen Abwehrbeton. In der ersten halben Stunde hätte Guardiola aber auch völlig auf Abwehrspieler verzichten können: Was sich auf dem Rasen des Nou Camp abspielte, hätte in jeder Handball-Halle stattfinden können. Chelsea igelte sich am eigenen Sechzehner ein. Offensivaktionen gab es nur, wenn Torhüter Petr Cech mit seinen Abstößen vorne Didier Drogba suchte.

Barcelona mühte sich lange - auch weil Lionel Messi die einzigen hart erkämpften Möglichkeiten vergab (3./20.). Es sollte nicht der Abend des Superstars werden. Auch über die Seiten war Chelseas Neun-Mann-Defensivblock nicht zu knacken. Vor allem der 20-jährige Isaac Cuenca hatte rechts gegen Ashley Cole keine Chance.
Doch ausgerechnet er sollte das Bollwerk knacken. Nach einem Eckball sah Dani Alves, der in der 26. Minute den verletzten Gerard Pique ersetzte, halblinks ein wenig Platz. Cuenca drang in den Strafraum und spielte einen perfekten Querpass hinter die Chelsea-Viererkette. Sergi Busquets musste nur noch abstauben (35.) - die Hinspielpleite war egalisiert.

Terrys unerklärlicher Aussetzer

Die jubelnden Barça-Fans hatten sich gerade erst wieder hingesetzt, als John Terry ein unglaublich dummer Gedanke kam. Der Chelsea-Kapitän rammte abseits des Geschehens Sanchez das Knie in den Hintern. Dem aufmerksamen Schiedsrichter Cüneyt Cakir war die Tätlichkeit nicht entgangen. Der Türke zeigte Rot.
Barcelona war nun klar Herr im eigenen Haus: Nun boten sich Räume, in die die Spanier nach dem langen vergeblichen Anrennen umso genüsslicher hinein stießen. Messi spielte in der 44. Minute einen Zuckerpass auf Iniesta, der Cech keine Chance ließ.

Nach dem 2:0 schien der Aufstieg nur noch Formsache zu sein, doch das denkwürdige Spiel nahm eine weitere Wendung: Bei einem der wenigen Konter Chelseas fand sich Ramires plötzlich frei vor Barça-Torwart Valdes. Mit einem Lupfer, wie er sonst von Messi zelebriert wird, traf der Brasilianer zum 2:1 - nun stand Chelsea wieder im Finale, Barça wieder bei Null. Und Erneut machten sich die Katalanen das Leben selbst schwer.

Messi scheitert vom Punkt

Unmittelbar nach der Pause ließ Drogba Cesc Fabregas im Sechzehner über die Klinge springen, Messi trat zum Elfer an. Doch statt zum 15. Mal in dieser Champions-League-Saison ins Netz traf der „Floh" nur die Querlatte.

Der Titelverteidiger zeigte sich vom Fehlschuss unbeeindruckt. Barcelonas Ballbesitz näherte sich der 90-Prozent-Marke, doch das 3:1 wollte nicht fallen. Kurz nach einem Abseitstor von Xavi (81.) traf Messi wieder nur Aluminium, weil Cech noch die Fingerspitzen an den Ball brachte.

Und dann hatte dieses Spiel noch eine besondere Schlusspointe: Ausgerechnet Chelseas Problemstar Fernando Torres fixierte in der Nachspielzeit den Finaleinzug der Engländer.

("Die Presse", Printausgabe vom 25. April 2012)

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