Marc Janko: "Lechze nicht nach Aufmerksamkeit"

05.05.2012 | 18:06 |  von Christoph Gastinger (Die Presse)

Porto-Torjäger Marc Janko im Interview über den erbitterten Leiberlkampf bei einem Topklub, Aufmerksamkeitsdefizite der portugiesischen Liga und das Geheimnis der roten Badeschlapfen.

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Nach nur vier Monaten Porto dürfen Sie sich heute nach dem Spiel gegen Sporting Lissabon als Meister feiern lassen. Haben Sie schon eine Vorahnung, was Sie erwarten wird?

Marc Janko: Ich lasse mich überraschen, aber eines wurde mir schon übermittelt: Die Porto-Fans sind dafür bekannt, dass sie jeden Meistertitel wie den ersten feiern.

Das klingt nach einem geselligen Abend ...

Der wird es auch werden, nur leider kann ich nicht über die portugiesischen Witze lachen. Momentan fühle ich mich noch ein bisschen isoliert, weil ich die Sprache nicht beherrsche. Wir haben sehr viele Südamerikaner in der Mannschaft, die der englischen Sprache überhaupt nicht mächtig sind. Die nächsten Wochen und Monate werde ich viel büffeln müssen.

Das lässt sich in einem Haus am Meer sicher etwas leichter bewerkstelligen, oder?

Ich möchte nichts schlechtreden, aber in Enschede war die Lebensqualität eine völlig andere. Porto hat als Hafenstadt mit vielen Sonnenstunden und der Meerluft ein gewisses Flair. Ich war immer schon ein Freund von Städten am Meer. Mit dem Wechsel konnte ich berufliche mit privaten Zielen verbinden. Aber ich bin ja nicht hier, um den Touristen zu spielen ...

... sondern den Torjäger. In elf Bewerbsspielen haben Sie fünfmal getroffen. Sind Sie zufrieden mit Ihrer Ausbeute?

Viele Stürmer würden gerne mit meiner Statistik leben. Aber ich bin ein ehrgeiziger Typ, weiß, dass ich es noch viel besser kann und werde das auch beweisen. Dennoch: Ich brauche Zeit.

Wie meinen Sie das?

Wenn du im Winter zu einem neuen Verein kommst, musst du von heute auf morgen funktionieren, was in der Praxis nicht klappt. In der Sommer-vorbereitung habe ich die Gelegenheit, meine Kollegen richtig kennenzulernen, Laufwege einzustudieren und Automatismen aufzusaugen.

 

Hat man von Ihnen denn sofort Wunderdinge erwartet?

In gewisser Weise schon. Die Erwartungshaltung war von Anfang an eine große. Dieser Verein ist extrem auf Erfolg ausgerichtet.

An einem Ruf, wie ihn ihr Teamkollege Hulk genießt, müssen Sie noch arbeiten.

Er ist unbestritten ein Held in dieser Stadt. Hulk liefert fast in jedem Spiel unglaubliche Aktionen ab, ist ein Typ, der Spiele allein entscheiden kann. Aber Porto verfügt noch über genügend andere Weltklassespieler. Das ist teilweise ein anderes Kaliber und mit mir gar nicht zu vergleichen.

Erfolg weckt Begehrlichkeiten. Hulk etwa wird von Chelsea gejagt. Befürchten Sie einen Zerfall der Mannschaft?

Es gibt einige Kollegen, die im Sommer den Sprung zu einem absoluten Topklub schaffen wollen. Die Philosophie des Klubs sieht vor, sich jederzeit mit möglichen Transfers zu befassen. Porto kauft günstig und verkauft teuer. In den letzten Jahren ist der Verein mit dieser Politik sehr gut gefahren.

Ihren direkten Konkurrenten im Angriff, den Brasilianer Kléber, haben Sie bereits aus der Mannschaft verdrängt.

Er ist ein klassischer Mittelstürmer wie ich es bin. Kléber hat schon zweimal für die brasilianische Nationalmannschaft gespielt, dementsprechend große Konkurrenz stellt er dar. Ich muss jeden Tag um mein Leiberl kämpfen. Bei einem großen Klub wie Porto ist man nie gesetzt. Startelf-Garantien gibt es keine, außer man heißt Hulk und hat dem Verein seinen Stempel aufgedrückt. Ich muss mich erst beweisen.

Porto pflegt eine große Rivalität zu den beiden Topklubs aus Lissabon. Wie darf man sich diese vorstellen?

Extrem. Teilweise artet die Rivalität in Hass aus. Ich halte es fast schon für übertrieben, auch wenn Emotionen im Fußball ihren Reiz haben.

Müssen Sie denn um Ihre Gesundheit fürchten, wenn Sie als Spieler des FC Porto durch die Hauptstadt schlendern?

Ich glaube, bei körperlicher Gewalt hört es sich auf, sonst ist alles möglich. Also müsste ich mir zumindest blöde Sprüche anhören. Oder ich würde angestänkert werden.

Bei Ihrem Amtsantritt mussten Sie sogar ihre roten Badeschlapfen entsorgen, da diese farblich an Benfica erinnern.

Ich habe das zur Kenntnis genommen, aber nach wie vor rote Kleidung in meiner Garderobe. So streng ist man dann doch nicht mit uns. (lacht)

Sie sind nicht der einzige ÖFB-Legionär, der für positive Schlagzeilen sorgt. Um David Alaba ist sogar ein Hype ausgebrochen ...

... und ich gönne ihm diesen Erfolg. David ist nicht nur sportlich, sondern auch menschlich top. Es ist einfach beeindruckend, welche Karriere er in seinen jungen Jahren schon hingelegt hat. Dass er im Champions-League-Finale aufgrund der Gelb-Sperre nicht spielen darf, ist einfach unglaublich. Es kann nicht im Sinne unseres Sports sein, dass im Endspiel die besten Spieler fehlen.

Die mediale Strahlkraft der portugiesischen Liga ist im Vergleich zur deutschen in Österreich sehr gering. Verspüren Sie Neid?

Absolut nicht. Ich bin keiner, der um Aufmerksamkeit lechzt. Ich habe volles Verständnis dafür, dass die Menschen in Österreich den portugiesischen Fußball nicht so intensiv verfolgen wie etwa den deutschen oder englischen. Aber ich habe keine Angst, dass ich vergessen werde.

In Österreich steigt heute das Bundesliga-Gipfeltreffen zwischen Rapid und Salzburg. Wer wird Meister?

Ich tippe auf Salzburg, weil die qualitative Breite im Kader ausschlaggebend sein wird. Mir ist auch im Ausland nicht entgangen, dass Salzburg vor gar nicht allzu langer Zeit massiv in der Kritik stand. Ich glaube, viele haben vergessen, dass diese Mannschaft Athletic Bilbao in der Europa-League-Gruppenphase auswärts an den Rande einer Niederlage gebracht und nur mit Pech 2:2 gespielt hat. Dass die gleiche Athletic-Mannschaft jetzt im Finale steht, hat danach niemand geschrieben. So groß kann die Krise in Salzburg also nicht gewesen sein.

1983
wird Marc Janko am 25.Juni in Wien geboren.

1990
beginnt Janko bei Admira Mödling mit dem Vereinsfußball.

2004
erzielt er bei seiner Bundesligapremiere gegen den GAK sein erstes Liga-Tor.

2005
sichert sich Salzburg seine Dienste.

2006
gibt Janko beim 1:4 gegen Kroatien sein Debüt im ÖFB-Team. Nach 25 Länderspielen hält er bei elf Toren.

2009
wird Janko mit 39 Treffern Torschützenkönig und gewinnt den Bronzenen Schuh.

2010
wechselt Janko zum holländischen Meister Twente Enschede.

2012
ereilt ihn der Ruf des FC Porto. Janko wird auf Anhieb Meister.
APA

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.05.2012)

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