Manchester City: Eine Milliarde Euro für einen Titel

14.05.2012 | 16:44 |  Von Sascha Bunda (Die Presse)

Mit einer Menge Petrodollars päppelte Scheich Mansour bin Zayed al Nahyan Manchester City von einer grauen Maus zum Meisterklub auf. Lokalrivale Manchester United nahm einen bitteren Schluck der eigenen Medizin.

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Manchester/Wien. Fast genau dreizehn Jahre ist es her, dass Manchester United durch zwei Treffer in der Nachspielzeit einen der größten Erfolge seiner Klubgeschichte errang. Teddy Sheringham und Ole Gunnar Solskjær versetzten den Bayern im Champions-League-Finale 1999 im Nou Camp den Schock ihres Lebens. „Football, bloody hell“ – „Fußball, verdammt noch einmal“, kommentierte Manchester-Trainer Alex Ferguson den hochemotionalen Triumph.

„Football . . . incredible“ – „Fußball . . . unglaublich“ konnte Roberto Mancini am Sonntag gerade noch stammeln. Minuten zuvor hatte er Manchester City im dramatischsten Finale der Premier League zum ersten Meistertitel seit 44 Jahren geführt. Und diesmal war United der Leidtragende.

Drei Minuten Achterbahnfahrt

Noch um 17.50 Uhr sah alles nach dem 20. Meistertitel für die „Red Devils“ aus. Lokalrivale City lag gegen die Queens Park Rangers in der 90. Minute 1:2 zurück, das 1:0 in Sunderland würde United somit locker reichen. Doch die niedergeschlagenen Fans im Etihad Stadium ahnten nicht, dass sie nur fünf Minuten später das Meisterstück bejubeln würden. Die „Citizens“ kamen zurück: Edin Dzeko glich aus. Wohl zu spät, dachten viele. Doch in der vierten Minute der Nachspielzeit folgte der große Auftritt von Sergio Aguero: Unaufhaltsam wie sein Schwiegervater Diego Maradona in den besten Tagen drang der Argentinier in den Strafraum ein und bezwang QPR-Torwart Paddy Kenny mit einem Schuss ins kurze Eck. 3:2, das bedeutete den Titel für City dank der besseren Tordifferenz. Es ist die knappste Entscheidung in der Premier-League-Geschichte.

Auf der Tribüne applaudierte Scheich Mansour bin Zayed al-Nahyan. Seine Petrodollars machten den Erfolg erst möglich. Vor drei Jahren noch war Manchester City ein Klub wie viele in England: große Vergangenheit, aber traurige Gegenwart. Zeitweise kickte der zweifache englische Meister und Europacupsieger im Pokalsiegerbewerb 1970 (2:1 gegen Gornik Zabrze im Wiener Praterstadion) gar nur in der zweiten Liga.

City zapft die Ölquelle an

2009 stieg der Scheich aus dem Herrscherhaus von Abu Dhabi ein und pumpte Geld in den Verein – viel Geld. Über eine Milliarde Euro machte er für die „Citizens“ locker. Als der Klub im November 2011 den Rekordverlust von 227 Millionen Euro bekannt gab, störte das al-Nahyan kaum. „Das beschleunigte Investmentprogramm“ habe eben seinen Höhepunkt erreicht, teilte der Klub lapidar mit. Immerhin hatte man im Sommer 94 Millionen Euro in neue Stars gesteckt, die bis zu 200.000 Euro pro Woche verdienen.

Lange sah es so aus, als würde der FA-Cup 2011 trotzdem der einzige zählbare Erfolg des Millioneninvestments bleiben. In der Champions League und der Europa League blamierten sich die „Citizens“, im FA-Cup war Manchester United zu stark, im Ligacup Liverpool. Vor wenigen Wochen schien auch die Meisterschaft verloren, die al-Nahyan stets als „Hauptziel“ bezeichnete. United lag sechs Runden vor Schluss satte acht Punkte voran, verspielte aber noch alles. Mit dem zweiten Derbysieg übernahm City Ende April wieder die Tabellenführung und gab sie dank imposanter Heimstärke nicht mehr ab. Von 19 Heimspielen wurden 18 gewonnen, nur einmal mussten sich die Stars von Roberto Mancini mit einem Remis, dem 3:3 gegen Sunderland, begnügen. Den wichtigsten Sieg gab es aber im anderen Stadion in Manchester, als United im Old Trafford mit 6:1 deklassiert wurde. Das war mehr als nur ein Sieg – es war eine Kampfansage, die im Titelgewinn mündete. „Hoffentlich ist das der Beginn von etwas Großem“, meinte Goldtorschütze Aguero.

Angst vor einer Wachablöse haben die „Red Devils“ nicht. „Wir müssen uns keine Sorgen machen. City wird 100 Jahre brauchen, um so eine Geschichte wie wir zu haben“, sagte Alex Ferguson. Möglicherweise versiegt auch die Geldquelle der Erzrivalen schon in Kürze durch das angekündigte „Financial Fair Play“ der Uefa. Ab 2013/14 dürfen Klubs nämlich nicht mehr ausgeben, als sie einnehmen.

Auf einen Blick
Manchester City gewann in einem Herzschlagfinale seinen dritten Meistertitel. Die „Citizens“ schlugen zuhause QPR durch zwei Treffer in der Nachspielzeit 3:2 und hatten dank der besseren Tordifferenz die Nase vor dem punktgleichen Lokalrivalen United (1:0 in Sunderland).

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