"Es ging nur darum, Schlimmeres für den deutschen Fußball zu verhindern," meinte Christoph Schickhardt, Anwalt von Hertha BSC, am Mittwoch. Der Absteiger aus der deutschen Bundesliga erwägt, wegen der Fan-Tumulte bei der Relegations-Partie gegen Fortuna Bundesliga Protest einzulegen. "Es ist unsere Verantwortung, darüber nachzudenken. Das sind wir auch unseren Fans schuldig", erklärte Hertha-Manager Michael Preetz nach dem 2:2.
Die Mannschaft kehrte nur auf Bitten der Polizei aufs Spielfeld zurück. "Der Schiedsrichter hat die Mannschaft nicht wegen des Fußballs auf den Platz zurückgeführt, sondern nur auf Bitten der Polizei, um eine Eskalation - man hat von einem Blutbad gesprochen - zu verhindern", sagte Schickhardt. Er sprach davon, dass sich die Hertha-Mannschaft in Todesangst befunden habe. Die Spieler seien "ungeschützt in einem Mob" auf dem Spielfeld gestanden.
Die Partie vor 51.000 Zuschauern in der ausverkauften Esprit-Arena stand in der Nachspielzeit am Rande des Abbruchs, weil Hunderte von Fans auf den Rasen gestürmt waren. Die Spieler und das Schiedsrichtergespann unter der Leitung von Wolfgang Stark gingen daraufhin in die Kabinen. Erst nach 20-minütiger Unterbrechung setzte der Referee die Begegnung fort. Zu absolvieren waren zu diesem Zeitpunkt noch 90 Sekunden der offiziell siebenminütigen Nachspielzeit.
Unschöne Szenen in der Nachspielzeit
Trotz des möglichen Hertha-Protests sind die Fortuna-Verantwortlichen fest davon überzeugt, nicht nachträglich am Grünen Tisch den Abstieg abgesprochen zu bekommen oder ein Wiederholungsspiel bestreiten zu müssen. "Ich gehe fest davon aus, dass wir aufgestiegen sind", sagte Manager Wolf Werner. "Die Fans sind nach einem geglaubten Abpfiff auf das Spielfeld gelaufen. Das sind unschöne Szenen, die sind unnötig." Aber der Schiedsrichter habe wieder angepfiffen. "Der Spielablauf kann nicht infrage gestellt werden."
Hertha-Fans demolieren Zug
Kritik übte Werner an der Aussage von Schickhardt, dass das Spiel nur auf Anraten der Polizei fortgesetzt worden sei, weil sie ein Blutbad befürchtete. "Ich finde das total überzogen", sagte Werner. Den Vorwurf, dass es zu wenig Ordner im Stadion gegen habe, wies er zurück. "Es waren eine Unzahl von Ordner da. Die Massen dieser Form waren nicht zu bändigen gewesen", so Werner. "Ich weise darauf hin, dass es hier nicht um Gewalt gegangen ist, sondern um die Freude, weil die Fans glaubten, das Spiel sei abgepfiffen."
Nach dem Spiel blieb es laut Düsseldorfer Polizei in der Stadt friedlich. Allerdings wurde ein Sonderzug mit 750 Hertha-Fans auf der Rückreise angehalten. Der Zug sei wegen zerschlagener Fensterscheiben drei Stunden im Bahnhof Hamm gestanden, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Einer der elf Waggons musste abgehängt und ersetzt werden.
(Ag.)

