Länderspiel: Koller-Pflänzchen wächst langsam - 3:2

Österreich gewann gegen Euro-Gastgeber Ukraine in Innsbruck dank starker Leistung nach der Pause 3:2. Marko Arnautovic erzielte zwei Treffer.

Marko Arnautovic, der Mister Effizienz
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Marko Arnautovic, der Mister Effizienz
(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Hans Osterauer)

[INNSBRUCK] Die eine Woche Vorbereitung in Seefeld hat Österreichs Nationalteam gut getan, Teamchef Marcel Koller konnte im Training so einiges ausprobieren, die Spieler näher kennenlernen. Aber es wäre zu viel verlangt gewesen, wenn man von Rot-weiß-rot gleich Wunderdinge verlangt hätte. Koller steht erst am Anfang, auch wenn die WM-Qualifikation für die Endrunde in Brasilien 2014 bereits im September mit dem Schlager gegen Deutschland beginnt. Der Teamchef nützte daher die Gelegenheit, um gegen die Ukraine einige Kandidaten auf den Prüfstand zu stellen. Mit Erfolg, denn letztlich gab es einen 3:2-Sieg zu bejubeln.

Marcel Koller setzte im Tor auf Austrias jungen Keeper Lindner, in der Innenverteidigung bekamen Prödl und Scharner, der sich nach seinem England-Engagement auf Vereinssuche befindet, eine Chance. Zu mehr Überraschungen rang sich der Teamchef nicht durch. Das hat auch damit zu tun, weil es im Vorfeld einige Absagen gehagelt hat. Fuchs, Harnik, Jantscher, Maierhofer, Almer etc. standen nicht zur Verfügung, dennoch mussten beispielsweise die Legionäre Dragovic und Garics von Beginn an auf die Bank.

Das „Hinspiel“ hatte Österreich Mitte November in der Ukraine mit 1:2 verloren, beim Koller-Debüt allerdings eine ansehnliche Leistung gezeigt. In Innsbruck begann die Partie nach Wunsch. Die Österreicher starteten wie aus der Pistole geschossen, machten Druck, suchten den Weg nach vorne. Diese Bemühungen führten dazu, dass es bereits in der dritten Minute einen Pfiff für die Koller-Elf gab. Junuzovic und Arnautovic tummelten sich um den ruhenden Ball, nach 150 Sekunden zappelte dieser dann im Netz. Der ukrainische Torhüter war beim Junuzovic-Schuss etwas überrascht, er reagierte nicht einmal richtig und der Werder-Legionär durfte sich nach seinem zweiten ÖFB-Treffer feiern lassen.

Führungstreffer beflügelte nicht

Die 13.000 Zuschauer dachten möglicherweise an ein fußballerisches Feuerwerk, aber die Österreicher konnte die Blitzführung nicht wirklich beflügeln. Sie drosselten alsbald das Tempo, zogen sich etwas zurück, das angesagte Pressing wurde abgeblasen. Zumindest in der gegnerischen Hälfte fand es nicht mehr statt. Ein Instinkt, denn mit Führungen kann man offenbar nicht so recht umgehen.

Die Ukrainer empfanden dies durchaus als nette Geste, sie konnten sich befreien, fanden dann auch in der 21. Minute eine große Ausgleichschance vor. Aber der Ball war dann für den Euro-Co-Gastgeber doch zu schnell, die Österreicher überstanden die Situation mit Glück. Teamchef Koller hat in den vergangenen Tagen viel von österreichischer Fußball-Identität gesprochen, allzu viel war davon noch nicht zu sehen. Denn in der Offensive konnte sich seine Mannschaft nicht entfalten. Auch Marc Janko nicht, der Porto-Legionär wirkte wie ein Fremdkörper. Er fand keine einzige Tormöglichkeit vor. Für einen selbst ernannten Torjäger zu wenig. Das sah auch Teamchef Koller so, er brachte Bürger, ermöglichte damit das Debüt des Mattersburgers. Nach einem Freistoß der Ukrainer, den Prödl abfälschte, war nach einem Querpass Gusev zur Stelle (56.). Das Spiel begann erneut – beim Stand von 1:1.

Arnautovic, der Mister Effizienz

Die Österreicher ließen sich davon aber nicht einschüchtern. Es kam mehr Bewegung ins Spiel, davon profitierte auch die Koller-Elf. Als sich einmal Alaba gekonnt in eine Offensivaktion einschaltete, führte dies letztlich zur 2:1-Führung. Ein Ivanschitz-Schuss wurde in weiterer Folge abgeblock, Marko Arnautovic traf ins lange Eck (62.).

Die neuerliche Führung für Rot-weiß-rot währte aber nur drei Minuten, erneut war es Gusev, der Lindner keine Chance ließ (65.). Ein sehenswerter Treffer, aber die Ukraine bleibt bei der Euro nur Außenseiter. Denn Arnautovic setzte in der 89. Minute den Schlusspunkt. Er bewegt sich wenig, Effizienz aber kann man ihm nicht absprechen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.06.2012)

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