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Die internationalen Wurzeln von Europas Fußballstars

17.06.2012 | 18:37 |  von Christoph gastinger (Die Presse)

15 der 16 Euro-Teams setzen auf die Qualitäten von Spielern mit Migrationshintergrund. Welbeck oder Özil wurden sogar angefeindet, der Tscheche Gebre Selassie gefeiert.

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Wenn die Équipe Tricolore morgen gegen Schwedens Eliteauswahl den Aufstieg in das Viertelfinale schafft, sorgt das nicht nur in Frankreich für reichlich Gesprächsstoff. Auch in Algerien, Senegal, Marokko oder etwa Mali werden dann hitzige Diskussionen geführt werden. Denn kein anderes Team bei dieser Euro ist international so verwurzelt wie das französische.

Teamchef Laurent Blanc könnte eine ganze Elf mit Migrationshintergrund, angeführt von Leistungsträgern wie Samir Nasri und Karim Benzema (beide Algerien), auf den Rasen schicken, ohne den Vergleich scheuen zu müssen. Der Trend hin zur internationalen Mixtur ist kein französisches Phänomen. Es ist historisch gewachsen, durch Einwanderer aus den Kolonien. Auch die Niederlande zählen acht Kaderspieler, die keine „waschechten“ Oranje sind.

Diese Weiterentwicklung ist keine Überraschung. Für Aufsehen sorgte hingegen ein Tscheche, Theodor Gebre Selassie. Sein Vater ist Äthiopier, kam 1982 nach Tschechien und Theodor wurde in Trebitsch (Třebíč) geboren. Er ist der erste Schwarzafrikaner in Tschechiens Nationalteam. Auch seine Schwester ist im tschechischen Sport übrigens ein Begriff, sie spielt im Damenhandballteam. Die Familie wird nun als „Musterbeispiel“ für Integration und Identität gefeiert.

 

Zwei Pässe, aber nur eine Chance

In Deutschland sind sieben Spieler zum Teil unterschiedlichster Herkunft, das Thema ist allgegenwärtig und birgt Brisanz in sich. Mesut Özil ist so ein Fall, an dem sich die deutsch-türkischen Geister lange Zeit geschieden haben. Als Sohn türkischer Eltern wurde der heutige Spielmacher des DFB-Teams in Gelsenkirchen geboren. Vater Mustafa war bereits im Alter von zwei Jahren nach Deutschland gekommen. Özil lebte oder spielte nie in der Türkei, besaß bis vor Kurzem aber zwei Staatsbürgerschaften. Die Türkei unternahm in Özils Jugend mehrmals Abwerbungsversuche. Sogar Hamit und Halil Altintop wurden beauftragt, den Verband in dieser Causa zu unterstützen und Özil von einem Engagement zu überzeugen. Der Techniker entschied sich aber für sein Heimat – und gegen sein Herkunftsland. Für manche Türken gilt er seither als „Verräter“.

Säße Özil an einem Tisch mit Miroslav Josef Klose und Lukasz Józef Podolski, gäbe es genügend Gesprächsstoff. Auch die „Polen“ im Team der Deutschen kennen diese Problematik. Geboren in Opole und Gliwice übersiedelten sie in ihrer Kindheit in die Bundesrepublik, um sich Jahre später mit Anfeindungen konfrontiert zu sehen. Heute tragen beide stolz den Bundesadler auf der Brust. Die verlorenen Söhne werden sportlich nie mehr heimkehren. Wer einmal ein Spiel für die A-Nationalmannschaft eines Landes bestritten hat, darf nur noch für diese auflaufen. Die polnische Tageszeitung „Rzeczpospolita“ schätzt, dass sich 2000 Talente mit polnischen Wurzeln auf deutschen Fußballplätzen tummeln: „Noch einen Podolski oder Klose dürfen wir nicht verlieren.“

 

Aus Pfiffen wurde Applaus

Mario Barwuah, bekannt als Mario Balotelli, hatte ebenfalls die Qual der Wahl. Seine Eltern stammen aus Ghana, geboren und aufgewachsen ist „Super-Mario“ aber in Italien. Wenige Monate vor der WM 2010 in Südafrika unterbreitete ihm Ghanas Verband das Angebot, an der Endrunde teilzunehmen. Der damals 19-Jährige winkte ab, er trage lieber das Trikot der Squadra Azzurra.

Balotelli ist nicht Ghanas einziger Verlust. England feiert einen gewissen Daniel Nii Tackie Mensah Welbeck. Er machte mit der Schattenseite der Doppelstaatsbürgerschaft besonders unliebsame Bekanntschaft. Am 29. März 2011 gab er sein Debüt für die „Three Lions“. Seiner Einwechslung folgte ein langes, gellendes Pfeifkonzert. Das haben die „Fans“ aber längst vergessen. Seit seinem „Fersler“ zum 3:2 gegen Schweden ist der 21-jährige Danny Welbeck der neue Nationalheld auf der Insel.

Auf einen Blick

Russland war bei dieser Euro das einzige Team, das keine Spieler mit Migrationshintergrund stellte.

In ÖsterreichsFußball sind Kräfte mit ausländischen Wurzeln gänzlich unverzichtbar geworden.

So sind zum Beispiel György Garics (Ungarn), Aleksandar Dragovic, Marko Arnautovic (beide Serbien), Zlatko Junuzovic (Bosnien-Herzegowina/Serbien), Yasin Pehlivan, Veli Kavlak (beide Türkei), David Alaba (Nigeria/Philippinen) und Martin Harnik (Deutschland) keine „waschechten Österreicher“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.06.2012)

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11 Kommentare

I hau mi o!

Da wird darüber berichtet, wie sehr sich Menschen, die in anderen Ländern geboren wurden oder deren Eltern aus anderen Ländern kamen, in ihre(r) neuen Heimat derart integrieren, dass sie es als Ehre betrachten, in einer (nicht nur Fußball) Nationalmannschaft dieser neuen Heimat zu stehen - und was geschieht hier im Forum? Ob der losgetretenen Diskussion (?) bleibt einem da der Mund schon ein wenig offen. Aber schon der selige Roy Black hat gesungen "Du bist nicht allein". Womit? Mit der Reaktion auf diese Art von Integration, und zwar der Menschen aus den Staaten, wo sie oder ihre Eltern her kamen, und zum Teil auch der Menschen der Staaten, denen sie sich nun zugehörig fühlen! Um es "wienerisch" auszudrücken:

" es is völlig wurscht, wos de moch'n, es passt uns eh net. De soin se integrieren, wia's woin und daham bleim!"

Meine Frage daher: "Oisa, wo jetzt?"

Re: I hau mi o!

Die Frage könnte (sollte) auch heißen: "Oisa, wos jetzt?", hat aber auch so ihren Reiz. :o))

Wenn das kein Grund zum Feiern ist!

Fußball war einmal ein Sport, mit dem sich die Menschen identifizieren konnten.

"Polen"

soviel mit bekannt ist, gehören Klose und podolski aber der deutschen Minderheit in Polen an - womit sie zwar nicht in D geboren, aber trotzdem deutsche waeren. so wie die Südtiroler eben in italia. Sind zwar per Pass Italiener aber ethisch deutsch bzw. österreichisch.

Re: "Polen"

"ethisch" ist, vor allem im Zusammenhang mit dem Geschriebenen, witzig.
Und ethNisch gibt's keine Österreicher.

Antworten Antworten Gast: Leopold Figl
18.06.2012 09:39
2 1

Re: Re: "Polen"

Eine Ethnie (auch ethnische Gruppe) oder Ethnos (von griechisch ἔθνος, éthnos, „Volk, Volkszugehörige“) ist eine Population von Menschen, die Herkunftssagen, Geschichte, Kultur, die Verbindung zu einem spezifischen Territorium und ein Gefühl der Solidarität miteinander teilen. (A.D. Smith, The Ethnic Origins of Nations, Oxford 1986)

Natürlich gibt's die Österreicher - spätestens seit meiner Weihnachtsrede 1945 - ethnisch.

Antworten Gast: trotzdem
18.06.2012 01:21
3 4

Re: "Polen"

Sie sind trotzdem in Polen geboren, du Hausverstand.

Re: Re: "Polen"

und özils Vater mit 2 nach D.
trotzdem Türke?

Re: Re: "Polen"

naja, wenn dein Kind in China geboren wird, ist es ja auch nicht Chinese.

Antworten Gast: u_bere
17.06.2012 21:11
3 1

Re: "Polen"

Nur gibts viele Südtiroler, die "ethisch" österreichisch sind, aber nie für Österreich antreten würden.

Antworten Antworten Gast: MeranerAdler
18.06.2012 07:45
1 1

Re: Re: "Polen"

"viele" isch lei foisch