Österreichs Fußball-Teamchef Josef Hickersberger nützte die erste Zusammenkunft der Nationalmannschaft am Donnerstag in Lindabrunn dazu, um seine Spieler noch vor dem ersten gemeinsamen Training mit jenem Verhaltenskodex zu konfrontieren, der sie in den kommenden Wochen bis zur und während der EURO leiten soll. Eigentlich seien es ja "Selbstverständlichkeiten", fügte Hickersberger hinzu.
"Respekt vor allen, auch dem Personal im Hotel"
Hickersberger fordert von seinen Spielern vor allem "Pünktlichkeit" in allen Bereichen. Nicht nur beim Training, auch bei der Massage, dem Essen und so weiter. "Respekt" ist ein weiteres Schlüsselwort in der Gebotsliste, schließlich hätten die Spieler eine Vorbildfunktion zu erfüllen. "Respekt vor allen, auch dem Personal im Hotel, dem Masseur und dem Zeugwart", sagte Hickersberger. "Aber auch untereinander in den Trainingseinheiten."
Sich und seinen Spielern möchte Hickersberger jedenfalls einen freien Kopf verschaffen. Journalisten sollen ihre Kommunikation mit dem Team auf Pressetermine beschränken, die Kicker das Studium von Zeitungen etwa beim Essen unterlassen. "Das könnte sich sonst auf den Magen schlagen", erklärte der 60-Jährige schnippisch.
Ehefrauen nur in der Hotel-Lobby
Erwartungsgemäß ist auch nicht jedermann am jeweiligen Aufenthaltsort erwünscht: "Es gibt personae non gratae", stellte Hickersberger klar. "Dazu zählen nicht nur Prostituierte, sondern auch Spielermanager oder - Berater." Ehefrauen, Freundinnen und Kinder dürfen freilich empfangen werden, allerdings gilt hier zu beachten: "Nur in der Hotel-Lobby oder im Aufenthaltsraum. Da muss jeder vernünftig sein."
Der Zapfenstreich ist für 22.30 Uhr terminiert. Wer nach Mitternacht noch "ein gutes Buch" lesen will, hat Hickersbergers Segen, "wer allerdings würfelt oder Karten spielt, für den ist ,game over'", stellte der Coach klar. Auch in der Frage der mobilen Telefonie gibt es Restriktionen. "Sinnvoll" müsse mit den Geräten umgegangen werden, "bei Pressekonferenzen, beim Essen oder in der Kabine hat das Handy ausgeschaltet zu sein."
Ein Problem, das sich dem Trainer bei der WM 1990 in Italien nicht stellte. "Eigentlich hat sich gegenüber damals nichts wesentliches geändert. Ich habe die Regeln etwas modernisiert. So muss sich jeder verletzte Spieler eine Stunde vor dem Training beim Arzt melden. Außerdem müssen auch alle Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel gemeldet werden, damit wir bei Dopingkontrollen gut schlafen können", sagte Hickersberger. (Ag.)
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