PULA/WIEN. Österreich wandelt im Sport gerne auf fremden Spuren, was den Fußball betrifft, so schielt man oft nach Deutschland. Die heimischen Organisatoren der Euro 2008 würden vielleicht noch orientierungsloser dastehen, hätte es die WM 2006 nicht gegeben. Und weil das „Sommermärchen gar so schön war, versuchen die Österreicher alles abzukupfern, was beim Nachbarn zum Erfolg geführt hat. Auch der ÖFB hat längst die Arbeitsmethoden des DFB zum Vorbild erhoben. Also war es naheliegend, auf den Spuren eines Jürgen Klinsmann zu wandeln. Und weil der deutsche Sunny-Boy, der sich künftig um Bayern München kümmern will, vor zwei Jahren Sardinien als idealen Trainings-Ort gewählt hat, schwitzt nun auch die Mannschaft von Teamchef Josef Hickersberger dort.
Eine grüne Umarmung
Die neue Heimat der Euro-Kandidaten heißt für die nächsten Tage „Villa del Parco“, ein Fünf-Stern-Hotel, das alle Stückerln spielt. Die Österreicher haben am Sonntag im Herzen des „Forte Village Resort“, 45 Kilometer von Cagliari und 14 km von Pula entfernt, eingebettet in eine intakte, wilde Naturlandschaft, die Zelte aufgeschlagen. „Eine Oase des Friedens“, bekommt der Gast zu lesen. „Und eine Oase der Entspannung am kristallklaren Meer Südsardiniens. Wie eine grüne Umarmung.“ Verlockend auch die „Thaermae del Forte Village“ mit sechs Meerwasserbecken mit unterschiedlicher Temperatur. Eine Go-Kart-Bahn und ein Beauty-Center (Thalasso-Therapie) so am Rande erwähnt, steht auch zur Verfügung.
Die rotweißroten „Euro-Fighter“ sind dort jedoch nicht anzutreffen, sie ziehen die Kreise auf dem Fußball-Platz. Der Rasen präsentiert sich in einem traumhaften Zustand, er wurde in den vergangenen Monaten gehegt und gepflegt. Erst zu Ostern wollte beispielsweise der FC Chelsea das herrliche Grün benützen, erhielt aber die Rote Karte. „Reserviert für den ÖFB.“ Ob das ein Mitgrund ist, dass Chelsea letztlich „nur“ englischer Vizemeister geworden ist, gilt nicht als erwiesen.
Es gibt noch Luft nach oben
Bis Freitag werden Österreichs Nationalspieler auf Sardinien so richtig geschliffen. Auf dem Programm stehen zumindest zwei Trainingseinheiten täglich, manchmal sogar drei. „Es geht in dieser Schärfe weiter“, meint Teamchef Josef Hickersberger. „Wir sind zwar auf einem guten Weg, aber wir haben noch Luft nach oben!“ Der 60-Jährige gibt allerdings zu bedenken, dass nicht nur die Peitsche geschwungen werden darf. „Unsere Untersuchungen zeigen, dass einige von der Belastung her schon ziemlich am Limit sind.“
Das war auch schon beim Trainingsspielchen in Mattersburg gegen den SV Spittal an der Drau, (Sieger der Aktion Superklub) das mit einem 6:0 für Österreich endete, bemerkbar. Ein Vergleich zur Situation in Deutschland ein Monat vor der WM 2006 ist aber auch in diesem Fall nicht zulässig. Trotz Debakel von Florenz wäre ein Auftritt der DFB-Auswahl in der Provinz bejubelt worden, das Pappelstadion im Burgenland war allerdings nur halb voll. Oder halb leer, wie man es eben sehen will. Und das, obwohl der Teamchef Christian Fuchs für dieses eine Match sogar zum Kapitän befördert hatte. Eine Art Abschiedsgeschenk, denn der 22-Jährige (Vertrag bis 2009) verlässt seinen Klub in Richtung Bochum.
Fuchs, der einen Treffer beisteuerte, hinterließ einen guten Eindruck, ebenso Ümit Korkmaz, der pfeilschnelle Rapidler, der auf einen ersten Länderspiel-Einsatz brennt. „Er ist ein belebendes Element“, gibt Hickersberger zu. „Seine Dribblings sind bemerkenswert.“ Eine Empfehlung konnte auch „Jimmy“ Erwin Hoffer abgeben, er traf im Doppelpack. Für die Lufthoheit war Stefan Maierhofer zuständig, der 2,02-Meter-Riese hat Pfingsten auch dazu genützt, um seine sportliche Zukunft zu regeln. Der Senkrechtstarter hat sich doch dazu durchgerungen, auch die kommende Saison in Hütteldorf zu verbringen.
Maierhofer hatte seinen Anteil, am grünweißen Meistertitel, in Italien verhinderte Alexander Manninger den vorzeitigen Triumph von Inter Mailand. Er parierte einen Elfer von Materazzi, rettete damit ein 2:1. Das erste Tor in der Serie A gelang György Garics beim 3.1 gegen den AC Milan.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.05.2008)
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