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Nur in Innsbruck gibt's Wahlfreiheit beim EM-Bier

14.05.2008 | 18:32 |  ROBERT BENEDIKT UND JUDITH LECHER (Die Presse)

Die Uefa bestimmt, was in Fan-zonen verkauft und beworben werden darf.

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Wenn es um seine Sponsoren geht, versteht der europäische Fußballverband Uefa keinen Spaß. Noch vor Beginn der EM hat er bei 430 Firmen interveniert, die unerlaubt mit der Veranstaltung geworben haben. Der Großteil hat danach diese Aktionen – von Werbern Ambush Marketing („Werben aus dem Hinterhalt“) genannt – eingestellt, in zehn Fällen zog die Uefa bereits vor Gericht.


Dann lieber nackt

Insgesamt 257 Mio. Euro sollen die 14 EM-Sponsoren der Uefa gezahlt haben, um als einziger Vertreter ihrer Branche das EM-Logo nutzen und in den Stadien und Fanzonen werben zu dürfen. Inklusive Garantie, dass sich kein Konkurrent an die EM anhängt. Auch das Land Österreich und die Austragungsstädte haben sich schon bei der Bewerbung verpflichtet, die Uefa dabei zu unterstützen. In der Praxis bedeutet das, dass alle öffentlichen Gebäude und Einrichtungen (Flughäfen, Bahnhöfe) während der EM keine Konkurrenz-Werbung tragen dürfen oder die Werbefläche zumindest zuerst den offiziellen Sponsoren angeboten werden muss.

Die Uefa setzt eigenes Personal ein, das das Exklusivrecht der Sponsoren wahren soll. Derzeit arbeitet es vor allem vom Schreibtisch aus, indem es die Behörden berät, was genehmigt werden darf (etwa keine Großtransparente). Geht die EM erst los, werden „Servicetruppen“ auch in die „Hoheitsgebiete“ der Uefa (Stadion, offizielle Fanzone) ausrücken, um Schleichwerbung zu verhindern.

Das kann durchaus skurrile Blüten treiben, wie sich bei der WM 2006 in Deutschland gezeigt hat. Dort mussten hunderte Fans der holländischen Nationalmannschaft ein Match in Unterhosen verfolgen. Sie waren von einer holländischen Brauerei mit orangefarbenen Lederhosen ausgestattet worden – für die Uefa ein klassischer Fall von Schleichwerbung.

Müssen die Fans also halbnackt in Stadion oder Fanzone sitzen, wenn ihre Kleidung das „falsche“ Logo trägt? „Es gibt natürlich keine Kleiderordnung“, beschwichtigt EM-Koordinator Heinz Palme. „Diese Legende gab es schon in Deutschland.“ Die Uefa greife nur bei gezielter Werbung von Konkurrenten ein – wie eben im Fall der holländischen Brauerei.

Am Bier werden sich auch in Österreich die Geister scheiden, denn in den hiesigen Fanzonen darf fast ausschließlich EM-Sponsor Carlsberg ausschenken. Einzige Ausnahme ist Innsbruck.

Die offizielle Tiroler Fanzone befindet sich in der Bergisel Arena; die Uefa wollte auch in der Stadt Innsbruck selbst ein Carlsberg-Monopol durchsetzen. Das hat Organisationschef Christoph Platzgummer verhindert, als Gegenleistung dürfen während der EM heimische Bierbrauer keine Werbung machen. Eine Folge: In Innsbruck ist das große Bier ist mit 3,50 bis 3,80 Euro billiger als in Salzburg (4 Euro) und Wien (4,50 Euro).

In den anderen Host-Cities hat man mit dem aufgezwungenen Monopol keine Freude. Guntram Jilka, Gastronomie-Sprecher in Kärnten beklagt das Preis-Diktat: „4,20 Euro für ein ausländisches Bier im Plastikbecher sind nicht gerade ein Beweis ausgeprägter Gastfreundschaft.“ Und: Üblicherweise koste die Wirte ein Fass Bier etwa 80 Euro, etwa 40 Prozent weniger als das von der Salzburger Stiegl-Brauerei gelieferte Carlsberg.

IM DETAIL: Die Uefa-Sponsoren

Die Uefa verdient durch die Sponsoren 257 Mio. Euro. Nur diese dürfen mit dem Logo der EM und in den Stadien bzw. Fanzonen werben. Es gibt vier nationale Sponsoren (Post, Bank Austria, Telekom Austria, Hublot), vier offizielle EM-Sponsoren(adidas, Continental, Castrol, benQ) und sechs Uefa-Eurotop-Partner (Coca Cola, JVC, Hyundai-Kia, Carlsberg, MasterCard, McDonald's)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.05.2008)

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11 Kommentare
Gast: Master of Disaster
15.05.2008 14:09
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einfach lesen & anschauen, viel Spaß !

http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/england/manchester/7402354.stm

Alien
15.05.2008 13:21
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Das ist halt so bei Sportveranstaltungen:

Bei der EM mußt halt Carlsberg saufen (kotz!), bei der F-1 mußt Fosters saufen (würg!) und das alles zu Preisen, wo man sich nach der Sinnhaftigkeit fragt.
Bin schon gespannt, wie sich da unsere Ordnungshüter gegen illegales Biereinbringen in die Fanzonen durchsetzen werden. Oder glaubt ernsthaft jemand, daß ein aus z.b. Polen angereister Fan ein 4,5Euro Carlsberg trinken wird, wenn er sich seine eigenen Paletten um ein zehntel des Preises mitnehmen kann?
Es wird einfach dazu führen, daß die Leute zum Saufen (und eventuellem nachherigen Randalieren) die Fanzonen verlassen werden. Die sind ja auch nicht ganz blöd!

Antworten Gast: axel
12.06.2008 10:30
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Re: Das ist halt so bei Sportveranstaltungen:

bilder sprechen mehr als worte.siehe
http://ibk-euro2008-fanbilder.blogspot.com

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Re: Das ist halt so bei Sportveranstaltungen:

In der FIFA-Fanzone in Hamburg am Heiligengeistfeld zur WM 2006 gab es Leibesvisitationen und Taschenkontrollen. Wenn ich mich richtig erinnere waren nur alkoholfreie und in Flaschen abgefüllte Getränke erlaubt in die "Public-Viewung-Areale" erlaubt. Ich freue mich schon auf die EM, trotz der Ungustl-Kommerz-Organisation UEFA.
www.österreicher.de

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4,5€ für ein Bier aus dem Plastikbecher ist wirklich ein FRECHHEIT!


Antworten Gast: der
16.05.2008 06:24
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Re: 4,5€ für ein Bier aus dem Plastikbecher ist wirklich ein FRECHHEIT!

Muß ja keiner kaufen und schon garnicht hingehen.
Außer Leute die wie Tiere in Absperrungen herumlaufen.
Käfighaltung auf wienerisch.

Gast: Schluckspecht
15.05.2008 11:13
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einfach nicht hingehen.

Niemand wird gezwungen, sich freiwillig in eine Intensivkäfighaltung vlg. "Fan-Zone" zum "Public Viewing" (übersetzt lt. leo.org: "öffentliche Leichenbeschau" - wie passend zu unserem Nationalteam...) zu begeben. Wer freiwillig sauteures Gschloder konsumiert, soll sich nicht beklagen.

gpollerus
15.05.2008 09:54
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Reine Abzocke!

Da soll mir einer denn Sinn erklären, warum in einem Land das die größte Brauereidichte ganz Europas hat, holländisches Bier importiert werden muss und zu Rekordpreisen abgegeben wird, ausser dass ich mit dieser Masche viel Geld verdienen lässt.

Gast: marsupialeater
15.05.2008 08:07
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Bergisel-Arena?

Wenn Wien Innsbruck wäre, wäre die Fanzone bestimmt in der Maria-Theresien-Straße...

Antworten Gast: 123456789
04.06.2008 16:56
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Re: Bergisel-Arena?

in der maria-theresien-str. ist eine fanzone

Gast: ein Ottakringer
14.05.2008 19:59
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Die Treibstofffirmen sind auch nicht besser

Die großen Sportverantalter wie UEFA, FIFA usw. sind alle zu gewaltigen Abzockern verkommen.