Nach den bisherigen Vorstellungen bei der EURO in Österreich und der Schweiz gilt Spanien allgemein als Favorit. Deutschland überzeugte im Halbfinale gegen die Türkei nur mit späten Treffern, während die Iberer Russland klar mit 3:0 bezwangen. Die Bilanz bei vergangenen Europameisterschafts-Endrunden ist ausgeglichen: 1988 siegte das DFB-Team mit 2:0, 1984 gewann die "Furia Roja" mit 2:1.
Ballack verletzt, aber dabei
Kurz vor dem Spiel kam die erlösende Nachricht für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft: Kapitän Michael Ballack kann doch antreten, berichtet DFB-Teammanager Oliver Bierhoff. Der 31-jährige Mittelfeldspieler vom englischen Vizemeister Chelsea fehlte am Samstagabend beim Abschlusstraining im Wiener Ernst-Happel-Stadion.
Der zweifache Turniertorschütze klagt seit Freitagmorgen über muskuläre Beschwerden in der rechten Wade und ließ deshalb auch bereits am Freitagabend das Abschlusstraining der DFB-Elf im Trainingszentrum in Tenero aus. Als Ersatz für Ballack war Tim Borowski im Gespräch, der bei der EURO allerdings erst zweimal - gegen Österreich in der 92. und gegen Portugal in der 73. Minute - eingewechselt wurde.
Die DFB-Auswahl geht jedenfalls mit Selbstbewusstsein und großer Motivation ins Endspiel. "Ich sehr nur einen positiven Druck. Wir werden läuferisch und kämpferisch alles geben und sich auch spielerisch wieder besser als gegen die Türkei präsentieren", versicherte Löw, der einen Triumph "erwartet". Trotz seiner Tätigkeit als Trainer beim FC Tirol und der Austria wäre ein Titelgewinn in Österreich für den Klinsmann-Nachfolger nichts Besonderes. "Die Freude wäre in jedem anderen Land genauso groß", sagte Löw.
Aragones: "Spanien besser als Deutschland"
Auch Spanien gibt sich selbstbewusst. Die Welle der Euphorie im Land hat offenbar auch den sonst so zurückhaltenden spanischen Teamchef Luis Aragones (69) erfasst. In einem Interview mit dem Fernsehsender "Cuatro" erklärte Aragones am Samstag erstmals sein eigenes Team zum Favoriten des Finales der "EURO 2008" am Sonntag in Wien. "Ich glaube Ja, Spanien ist besser als Deutschland", sagte Aragones auf die Frage, ob Spanien als Favorit ins Match gehe.
Noch am gestrigen Freitag versuchte der "Weise von Hortaleza" den im Gegensatz zu Spanien nur mit viel Glück ins Finale vorgedrungenen Deutschen die Favoritenrolle zuzuschieben. "Es wird sehr ausgeglichen sein. Favorit ist Deutschland, weil sie einfach mehr Erfahrung haben", sagte Aragones.
Tatsächlich hat Deutschland schon sechs Mal einen Titel bei einem großen internationalen Turnier errungen, während Spanien bisher nur den Europameistertitel 1964 auf seinem Konto hat. Seitdem schnitt Spanien trotz seiner überragenden Einzelspieler meist enttäuschend bei Welt- oder Europameisterschaften ab. Der bisher letzte Finalauftritt der "Seleccion" ist schon 24 Jahre her. Im EM-Finale 1984 siegte Frankreich gegen Spanien.
Aragones bestätigte gegenüber "Cuatro" auch indirekt, dass Cesc Fabregas im EM-Finale den verletzten Stürmer David Villa ersetzen wird. Die Elf werde "von Anfang an" die gleiche sein wie gegen Russland im Semifinale, sagte der spanische Teamchef. Fabregas war in der ersten Hälfte des Semifinales am Donnerstag für den verletzten Villa ins Spiel gekommen.
(APA)

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