Josef Hickersberger, Coach des österreichischen Fußball-Teams, hatte am Montag für den heutigen Mittwoch die Antwort auf die Torhüter-Frage angekündigt. Doch bereits am Vormittag ruderte "Hicke" zurück: Wer bei der Euro für Österreich im Tor stehen wird, soll weiter geheim bleiben. Bei einer Pressekonferenz zu Mittag gab der 60-Jährige bekannt, dass das Warten auf die Antwort weiter gehen wird - bis zum Auftaktspiel am 8. Juni nämlich: Österreichs Torhüter wird erst "unmittelbar vor dem Match" bestimmt. Alexander Manninger und Jürgen Macho kämpfen um den Platz zwischen den Pfosten.
Unpünktlichkeiten bei Besprechungen und zuletzt mangelnde Trainingseinstellung hätten eine Änderung im Zeitplan ausgelöst, behauptete Hickersberger. "Die Entscheidung ist vertagt, weil die Goalies das geringste Problem sind." Bei ihm sei zuletzt der Eindruck entstanden, "dass die Mannschaft nicht mehr mit der Konzentration wie zuvor bei der Sache ist. Es ist zu Unpünktlichkeiten gekommen, das ist sofort abzustellen".
"Bin nicht Sklave meiner eigenen Fristen"
Die beiden Einser-Anwärter Macho und Manninger haben sich laut "Hicke" nichts zu Schulden kommen lassen. "Beide sind hundertprozentig konzentriert und bei der Sache." Durch die jüngsten Ereignisse hätten sich eben die Prioritäten verschoben, "und ich bin nicht Sklave meiner eigenen Fristen".
Den beiden Kandidaten wird Hickersberger nach eigenen Angaben seine Entscheidung am Samstagabend mitteilen. "Wir sind der größte Außenseiter in diesem Turnier und geben die Aufstellung erst kurz vor dem Spiel bekannt, auch den Tormann."
"Einfordern, was bisher funktioniert hat"
Zuvor will sich der Teamchef noch den angeblichen Disziplinlosigkeiten widmen. "Es ist viel wichtiger, das einzufordern, was bisher funktioniert hat", erklärte der 60-Jährige, der keine Spieler nannte, die Verfehlungen begangen haben sollen. Der Coach verriet nur, dass ein Spieler zu einer Mannschaftssitzung am Dienstag zu spät gekommen war. "Viel wichtiger als das Zuspätkommen zu einer Besprechung ist aber, dass die Trainingseinstellung zuletzt nicht mehr so war wie auf Sardinien oder in Lindabrunn."
Hickersberger sieht in den von ihm kritisierten Ereignissen "keine Form von Lagerkoller, sondern Undiszipliniertheiten. Es war für mich an der Zeit, die Mannschaft wachzurütteln. Kleinigkeiten lasse ich nicht einreißen. 'Wehret den Anfängen' heißt das Sprichwort".
"Teamchef macht, was er will"
Dem einen oder anderen Akteur könnte die Unpünktlichkeit sogar den Stammplatz kosten. "Wenn es bei denjenigen, bei denen es schon öfters vorgekommen ist, wieder vorkommt, werden die Chancen geringer", sagte Hickersberger. Er betonte, er hätte den Einser-Tormann am Mittwoch bekanntgegeben, wäre es nicht zu den Disziplinlosigkeiten gekommen. Durch die Vertagung habe sich nicht der Druck auf die Goalies, sondern auf seine Person erhöht. "Aber der Teamchef lässt sich nicht beeinflussen, sondern macht sowieso, was er will."
Weiters meinte Hickersberger: "Es spricht für die Klasse der Torhüter, dass ich mir mit der Entscheidung länger Zeit lasse, nicht für meine Schlauheit oder Dummheit", sagte der Coach und versicherte noch einmal, er habe die Entscheidung für sich schon vor längerer Zeit getroffen.
Dass nun Macho und Manninger möglicherweise wegen Dummheiten anderer Spieler zum Handkuss kommen und dadurch erst später von ihrem Glück bzw. Unglück erfahren, stellt für den Niederösterreicher kein Problem dar. "Es ist oft so in einem Mannschaftssport. Wenn einer einen Fehler macht, müssen auch die anderen dafür büßen. Aber im Grunde können beide damit sehr gut umgehen."
Test gegen Italien im August
Am Rande der Pressekonferenz wurde auch der erste Testspielgegner nach der Euro bekannt gegeben: Am 20. August wird das ÖFB-Team in Nizza auf Weltmeister Italien treffen. Die Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika beginnt am 6. September mit einem Heimspiel gegen Vize-Weltmeister Frankreich.
(APA/Red.)

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