2:1 gegen Deutschland: Kroatien ist der neue Geheimfavorit

EM-Gruppe B. Treffer von Srna und Olic sorgen für einen hochverdienten 2:1-Erfolg der Kroaten über Deutschland.

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(c) AP Photo
KLAGENFURT. „Auswärtssieg, Auswärtssieg!“ Mit einer gesunden Portion Selbstironie reagierten die deutschen Fans vor Anpfiff auf ihre zahlenmäßige Unterlegenheit im Wörthersee-Stadion. Während der kroatische Sektor eine rot-weiß-karierte Wand darstellte, war selbst der deutsche Block von Kroaten „unterwandert“. Den Fans aus „Hrvatska“ gelang es sogar, das erste bengalische Feuer der EM zu entzünden. Die Uefa wird es weniger gefreut haben . . .

Kroaten wie ausgewechselt


Wenn Deutschland gegen Kroatien spielt, dann ist es stets ein Duell unter guten Bekannten. Vier Kroaten der Startaufstellung (Olic, R. Kovac, Rakitic und Simunic) verdienen ihr Geld in der deutschen Bundesliga, die Kovac-Brüder sind sogar in Berlin geboren. Oft zieht eine derartige Ausgangslage ein taktisches Geplänkel nach sich, doch das Spiel hatte von der ersten Minute an intensiven Charakter. Die Kroaten, die gegen Österreich über weite Strecken enttäuscht hatten, präsentierten sich wie ausgewechselt und kamen aus der ersten Chance des Spiels auch folgerichtig zum Führungstreffer: Srna nützte nach Pranjic-Flanke einen Sekundenschlaf von Jansen zum 1:0 (25.).

Von einer Welle der Euphorie getragen, spielten die Kroaten den Buchmacher-Favoriten auf den EM-Titel an die Wand. Kranjcar hatte zweimal im Strafraum freie Schussposition, vergab aber beide Chancen. Lahm und Jansen ließen Flanke um Flanke zu, Mertesacker und Metzelder bekamen Olic nicht unter Kontrolle.

Aber auch in der Offensive lief bei den Deutschen wenig. Podolski, der zweifache Torschütze des Polen-Spiels, war abgemeldet. Auch Ballack konnte kaum Akzente setzen. Symptomatisch, dass die raren Ausgleichschancen aus Standardsituationen resultierten: Pletikosa parierte einen Ballack-Freistoß, Metzelder vergab per Kopf nach einer Ecke.

Joachim Löw reagierte zur Pause und brachte Odonkor für den Unglücksraben Jansen. Doch auch diese Maßnahme schlug sich nicht nachhaltig nieder, die große Offensive des DFB-Teams blieb aus. Und es sollte für Ballack und Co. noch schlimmer kommen: Podolski fälschte eine Hereingabe von Rakitic ab, der Ball klatschte an die Stange, Olic brauchte nur abzustauben (63.).

Der „Heimsieg“ schien perfekt. Doch Podolskis Anschlusstreffer (78.) sorgte für ein heißes Finish. Schweinsteiger verlor dabei aber die Nerven und sah Rot (92.). Kroatien war es recht, die Euro hat einen neuen Geheimfavoriten.

(("Die Presse", Print-Ausgabe; 13. 6. 2008))

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