Kiew/Wien. Es bleibt dabei: England und Elferschießen, das passt einfach nicht. Wie schon 1990, 1996, 1998, 2004 und 2006 kam für die „Three Lions" das Aus bei einem großen Turnier nach einer Niederlage im Elferschießen. Im EM-Viertelfinale 2012 gegen Italien war Cole der tragische Held, als er an Gianluigi Buffon scheiterte.
Vor dem Aufeinandertreffen der beiden großen Fußballnationen gab es einige Bedenken. Sowohl England als auch Italien sind bekannt dafür, auf eine starke Defensive zu setzen. Da zeichneten sich doch 120 Minuten torlose ab, oder? Es sollte in der Tat so kommen, doch die Partie war größtenteils vom Feinsten. Das Team von Cesare Prandelli, vom Teamchef mit Montolivo statt Thiago Motta etwas offensiver ausgerichtet, gab den ersten Warnschuss ab. In der dritten Minute zog Daniele de Rossi aus 27 Metern mit dem Außenrist ab, der Ball klatschte ans Aluminium. Glen Johnson antwortete unverzüglich. Seinen Schuss aus sechs Metern konnte Gianluigi Buffon gerade noch mit einem ausgezeichneten Reflex parieren.
England, das mit derselben Elf wie im Ukraine-Spiel antrat, hatte durch einen Rooney-Kopfball die nächste Chance (14.), dann folgte die große Balotelli-Show. Zweimal passte die Abseitsfalle der „Three Lions" überhaupt nicht, doch der exzentrische Italiener versuchte erst alleine vor Joe Hart zu lässig einen Heber (25.), dann konnte der englische Torwart seinen Volleyschuss parieren (32.). Als der Stürmer dann auch aus zwei Metern von Lescott bedrängt drüber schoss, fanden sich die 70.000 Fans im Olympiastadion von Kiew erst einmal mit dem 0:0 ab.
Top-Chancen im Minutentakt
Die zweite Hälfte begann wie die erste geendet hatte: Italien ging mit den Chancen verschwenderisch um wie Ex-Ministerpräsident Berlusconi bei der Abendgestaltung. De Rossi schoss aus kurzer Distanz daneben, Balotelli traf vom Fünfer nur Hart, Montolivo schoss drüber - alles binnen weniger Minuten.
Doch was war eigentlich mit den Engländern los? Teamchef Roy Hodgson erkannte, dass sich der bemühte Wayne Rooney in der stotternden Offensive aufrieb und brachte mit Walcott und Carroll nach einer Stunde neue Impulse.
Auch Prandelli versuchte es dann mit frischem Blut: Diamanti und Nocerino ersetzten den müden Cassano und De Rossi. Doch auch die übrigen Startelf-Akteure mussten dem hohen Tempo Tribut zollen, das Spiel verflachte minütlich. In der ersten Verlängerung dieser EM traf Alessandro Diamanti, der Italiens großer Aktivposten wurde, mit einer abgerissenen Flanke die Stange (101.) und erzielte ein Abseitstor (115.) mehr passierte nicht - bis Buffon im Elferschießen zum Nationalhelden wurde.
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