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Fußball-EM: "Architekt" Pirlo plant Italiens Meisterwerk

25.06.2012 | 16:09 |  von Senta Wintner (Die Presse)

Vor einem Jahr beim AC Milan ausgemustert, durchlebt der 33-Jährige bei der EM seinen zweiten Frühling. Mit glänzender Übersicht und präzisen Pässen ist Pirlo Italiens „Lebensversicherung“.

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[Kiew/wien] Nach 120 torlosen Minuten zwischen Italien und England musste das Elfmeterschießen über Deutschlands Halbfinalgegner entscheiden. Als dritter Schütze der Italiener legte sich Andrea Pirlo den Ball zurecht. Vor ihm hatte Rooney souverän getroffen und die Engländer in Führung gebracht, weil Montolivo seinen Elfer zuvor neben das Tor gesetzt hatte. Ein enormer Druck lastete auf Pirlo. Doch der 33-Jährige lupfte den Ball locker lässig im „Panenka-Stil" in die Mitte des Tores.

„Das war ganz spontan. Ich habe gesehen, dass Hart sehr angespannt war und sich zu früh bewegte", erklärte Pirlo sein Kunststück, das Italien zurück auf die Siegerstraße brachte. Denn anschließend scheiterte Young, der den Ball mit brachialer Gewalt an die Latte knallte, und Buffon hielt den Elfer von Cole. Zum sechsten Mal scheiterten die Engländer bei einer Endrunde vom Elferpunkt, da half auch das Üben im Vorfeld nichts. „Die Coolness, die Pirlo an den Tag gelegt hat, hast du als Spieler einfach oder nicht", sagte England-Coach Roy Hodgson: „Das kann man nicht trainieren."

Pirlo ist momentan so etwas wie Italiens Lebensversicherung. Beim Blick in sein Gesicht vermutet man weit mehr als 33 Lebensjahre, doch der Mittelfeldspieler zeigt sich trotz 53 absolvierter Saisonspiele bei diesem Turnier so frisch wie nie. In den drei Vorrundenpartien ging Italien dreimal in Führung, jedes Mal hatte Pirlo seine Füße im Spiel. Gegen Spanien spielte er den genialen Pass auf Di Natale, gegen Kroatien traf er per Freistoß und Cassanos Treffer gegen Irland leitete er per Ecke ein. „Pirlo ist mehr als die halbe Nationalelf", adelte ihn die italienischen Zeitung „Gazzetta dello Sport".

Auch gegen England drückte Pirlo dem italienischen Spiel seinen Stempel auf. Er legte mit 15,2 Kilometern die drittgrößte Distanz aller 22 Akteure zurück, spielte mit 117 die meisten Pässe, 31 davon ins Angriffsdrittel. „Es gibt kein Geheimnis hinter meiner Art zu spielen. Es geht nur darum, einfach zu spielen und schnell zu passen, damit sich Lücken auftun", analysiert Pirlo seinen Stil nüchtern.

Ein Spielmacher der alten Schule

Pirlo ist kein Mann großer Worte, er glänzt auf dem Platz - mit perfekter Ballkontrolle und schneller Auffassung. Sie verleihen ihm jene Ruhe, die die Präzision seiner Pässe ausmacht. Den dafür nötigen Raum gibt ihm die tief liegende Position vor der Abwehr. Von dort aus überblickt „l'architetto", der Architekt, das Spiel, um im entscheidenden Moment mit dem richtigen Pass den Angriff aufzubauen.

Erst nach drei Saisonen wusste Pirlos Trainer beim AC Milan, Carlo Ancelotti, den damals 25-Jährigen richtig einzusetzen und dessen Potenzial voll abzurufen. Zwischendurch war Pirlo schon als „ewiges Talent" abgeschrieben worden. Nach dem Serie-A-Debüt mit 16, fand er sich nach seinem Wechsel zu Inter Mailand zwei Jahre später zumeist auf der Bank wieder. Bei Leihspielen in Reggina und bei seinem Stammklub Brescia überzeugte er, der Durchbruch bei Inter wollte dennoch nicht gelingen. 2001 wechselte Pirlo für 18 Millionen Euro zum Stadtrivalen Milan. Noch heute bezeichnet Inter-Boss Moratti dies als seinen „schlimmsten Fehler". Nachdem er bei Milan seine Position gefunden hatte, brachte er es in zehn Jahren auf 284 Einsätze, zwei Meistertitel, einen Cup-Erfolg und zwei Champions-League-Siege. Umso überraschender fiel sein Abschied von den „Rossoneri" im vergangenen Sommer aus. Juventus ließ sich die Chance nicht entgehen und verpflichtete Pirlo ablösefrei. Ein Glücksgriff, denn der 33-Jährige trug maßgeblich zum Titelgewinn der Turiner bei.

Seinen zweiten Frühling setzt Pirlo bei der EM nahtlos fort. Am Donnerstag trifft er mit seinem Team auf Deutschland. Bei ihrem WM-Sieg 2006 beendeten die Italiener im Halbfinale das deutsche Sommermärchen. Beinahe selbstredend war es Pirlo, der Grosso beim Führungstreffer ideal bediente. Auch diesmal soll ein weiteres Glanzstück des Architekten Italiens Weg Richtung Titel ebnen.

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17 Kommentare

Sieg

jetzt ist Italien erst auf den Geschmack gekommen zu spielen, ... wer Italien Fan ist weiß was ich mein .... ( hab noch nie einen Tormann wie buffon gesehen der was vor einem Elfmeterschießen noch so locker drauf is sagt eh schon alles .

Gast: EM-Seher
26.06.2012 14:49
1 1

Jaja, die Überheblichkeitsfalle

Jeder der denkt, die Deutschen wären überheblich, sollte einmal nur die Zeitungen der anderen Länder (inkl. der unsrigen Lesen). Dann sind die Deutschen auf einmal nicht mehr überheblich, sondern einfach nur normal ...

Wir kriegen halt über die Medien durch die gleiche Sprache mehr von Deutschland mit, als von den anderen Ländern, die Deutschen deshalb als überheblich abzustempeln zeugt von Dummheit und/oder Ignoranz ...

Ich für meinen Teil halte auch weiterhin zu Deutschland und wünsche mir den EM-Sieg.

Re: Jaja, die Überheblichkeitsfalle

ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, wie jemand, vor allem ein österreicher, für deutschland sein kann. das ist wie, als wenn ein pole fan der russischen nationalmannschaft wäre.

Antworten Antworten Gast: EM-Seher
26.06.2012 21:56
0 3

Warum???

Und ich kann nicht nachvollziehen, warum man nicht mit den Deutschen mithalten darf.

Ich möcht's zwar nicht unbedingt aufwerfen, aber schon allein geschichtlich hätte man mehr Grund Italien zu verdammen als Deutschland.

Aber bleiben wir im hier und jetzt. Ich für meinen Teil versteh halt einfach nicht, warum es OK ist, für Spanien, Italien, Portugal etc. zu sein, aber zu Deutschlan darf man auf keinen Fall halten. Dieser irrationale Deutschlandhass geht mir schon so auf die Nerven ...

Re: Warum???

wieviele Deutsche spielen für Deutschland??

Re: Re: Warum???

11 deutsche sind in der startelf aufgestellt. was soll die frage bitte? was hat die herkunft der eltern mit der tatsache zu tun, dass diese 11 kicker für deutschland spielen???

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: EM-Seher
27.06.2012 07:28
0 0

Re: Re: Warum???

Was hat das jetzt mit dem Thema an sich zu tun?

Aber da ich glaube zu wissen, warauf Sie hinauswollen:

Özil hat türkische Vorfahren, Khedira tunesische. Boateng stammt aus Ghana.

Jetzt zufrieden.

Weiters beantwortet Ihr Beitrag meine Frage vorherige Frage nicht ...

Gast: Elsa
26.06.2012 09:57
4 2

Deutschland wie immer überheblich

Kein anderes Land hat sich wie Deutschland schon lange vor der EM als Sieger selbst gefeiert. Egal, ob sie verlieren oder gewinnen, das ist einfach ungut! Andrea Pirlo ist eindeutig der beste Spieler diese EM und dabei trotzdem bescheiden.

Re: Deutschland wie immer überheblich

Ach Elsa, wer hat sich in D schon als Europameister gefeiert? Die Bild-Zeitung? Die ist übrigens weniger reprääsentativ für Deutschland als die Krone für Österreich. Möchten Sie anhand der Kronen-Zeitung beurteilt werden?

Gast: jaaaaaaaaaaaaaaaa
25.06.2012 20:44
0 0

von "La Stampa"

"die Azzurri machen das Spiel, die Engländer den Catenaccio."

3 11

ach

der fällt doch nur auf weil der rest der italiener bestenfalls unterdurchschnittlich ist. mats hummels von den deutschen sehe ich als klar besten bei dieset em!

Re: ach

Hummels, wer ist das?

5 1

Re: ach

Diese "unterdurchschnittlichen" Italiener haben nebstbei den mehr als durchschnittlichen Spaniern einen Punkt abgeknöpft - und das verdient!! Abgesehen davon war das Spiel Italien - Spanien eines der zwei drei besten Spiele des Turniers.

Antworten Gast: furzloch
25.06.2012 17:53
7 3

Re: ach

ach
der fällt doch nur auf weil der rest der deutschen bestenfalls unterdurchschnittlich ist. andrea pirlo von den italienern sehe ich als klar besten bei dieset em!

3 11

Re: Re: ach

italien ist nur pirlo und ein bisschen buffon, der rest ist nichts besonderes. gegen deutschland kann das nicht reichen

Antworten Antworten Antworten Gast: forza
25.06.2012 20:42
4 0

Re: Re: Re: ach

Sie werden noch sehen!

Re: Re: Re: Re: ach

2:1
für deutschland auch wenn die italiener mehr chancen haben, ist mein tipp