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Spanien: Die verlorene Leichtigkeit des Spiels

28.06.2012 | 16:08 |  von Wolfgang Wiederstein (Die Presse)

Der Titelverteidiger erreichte bei einem großen Turnier das dritte Endspiel in Serie. Die Rekordjagd geht weiter, aber gegen Portugal hat nicht nur Tormann Iker Casillas gelitten.

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[DONEZK/WIEN] Die Spanier bleiben auf Rekordkurs, die Mission Impossible ist einen Schritt weiter, wobei die Aufgaben immer schwieriger werden. Noch nie konnte ein Europameister seinen Titel erfolgreich verteidigen, noch nie konnte eine Fußballnationalmannschaft drei große Titel in Serie gewinnen. Aber die Mannschaft von Vicente del Bosque wird nicht müde, immer weitere Erfolgskapitel zu schreiben. Seit neun K.-o.-Spielen bei Europa- und Weltmeisterschaften haben die Spanier kein Tor mehr kassiert.

Die letzte Niederlage bei einem Turnier haben sie bei der WM 2006 in Deutschland hinnehmen müssen – 1:3 im Achtelfinale gegen Frankreich. Auch drei Verlängerungen hat España ohne Gegentor überstanden. Bei der Euro 2008 gegen Italien, bei der WM 2010 im Finale gegen die Niederländer. Und nun hat man in Donezk die Portugiesen nach torlosen 120 Minuten im Elfmeterschießen auf die Heimreise geschickt. Torhüter Iker Casillas ist in K.-o.-Spielen seit 900 Minuten unbezwungen.

Die letzte Mannschaft, die derlei historische Glanzleistungen zustande gebracht hat, war die Bundesrepublik Deutschland. Gerd Müller, Franz Beckenbauer und Co. sind in den 1970er-Jahren in den Endspielen der EM 1972, WM 1974 und EM 1976 gestanden. Drei Erfolge in drei Endspielen haben sie allerdings nicht geschafft. Schuld daran war die Tschechoslowakei, vor allem Antonin Panenka, der spätere Rapid-Legionär.

Innere Stärke

„Ein Schritt vor der Krönung“, jubelte „El Pais“ nach dem glücklichen Elferschießen gegen Portugal. „Spanien ist dabei, Fußballgeschichte zu schrieben.“ Wobei die spanischen Gazetten nicht unerwähnt ließen, dass sich der Titelverteidiger ganz schön plagen musste. „Spanien konnte nicht sein Spiel entfalten, das sonst so sehr an den FC Barcelona erinnert. Aber die Elf bewies eine innere Stärke und verstand es zu kämpfen“, urteilte „El Periodico“.
Die Real-Madrid-Postille „As“ zog da schon mehr mit den spanischen Helden ins Gericht. „In den ersten 90 Minuten ist nicht viel passiert. Spanien spielte nicht besser als Portugal, aber auch nicht schlechter. Erst in der Verlängerung war das zu sehen, was das Publikum verlangt: bedingungslose Offensive und Flügelspiel.“ Da wurden dann auch lange Bälle vorgetragen – allerdings war Fernando Torres nur Zuschauer. In seinen Augen konnte man die Enttäuschung darüber einwandfrei erkennen. Auch ohne Monokel und Superzeitlupe.

90 Minuten lang gelang es Portugal, den Titelverteidiger nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Der Favorit war zwar wie schon gegen Italien (1:1) und Kroatien (1:0) auch diesmal kurz davor, entzaubert zu werden und seine langjährige Vorherrschaft im internationalen Fußball zu verlieren. Doch dank Routine und Nervenstärke ging auch dieser Kelch vorüber.

„Diese Eigenschaften unserer Spieler werden uns die nächsten Triumphe bringen“, sagte Trainer Vicente del Bosque, der am Donnerstagabend in Ruhe verfolgen konnte, mit wem man es am Sonntag in Kiew zu tun bekommt. „Das Finale wird ein großartiges Spiel. Uns kümmert aber gar nicht, wer der Gegner sein wird!“

Harte Arbeit der Künstler

Spanien legte nach den Einwechslungen von Fabregas, Pedro und Navas in der Verlängerung zu, in der Entscheidung vom Elfmeterpunkt habe aber das Glück entschieden, meinte Del Bosque: „Gratulationen an Portugal. Wir waren dieses Mal einfach glücklicher.“ Gleich beim ersten Versuch war Xabi Alonso noch am portugiesischen Torhüter Rui Patricio gescheitert. Doch anschließend zeichnete sich Iker Casillas gegen Joao Moutinho aus, ehe Bruno Alves verschoss.
„Es war harte Arbeit. Aber wir sind wieder im Finale, das ist eine riesige Belohnung. Was auch immer passiert, wir können stolz sein. Aber nun wollen wir den Pokal auch mit nach Hause nehmen“, sagte Xabi Alonso. „Es war nicht unser bestes Spiel, weil es die Portugiesen uns sehr schwer gemacht haben“, sagte Verteidiger Sergio Ramos, der seinen Elfer fast in Pirlo-Manier verwandelt hatte.
Torhüter und Kapitän Casillas gab offen zu, 120 Minuten „gelitten“ zu haben. „Aber diese Mannschaft ist durch harte Arbeit und unsere Kritiker zusammengerückt. Für uns zählt nur, dass wir im Finale stehen. Egal, gegen wen!“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.06.2012)

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14 Kommentare

Spanien verdient weiter

Mehr gibt es nicht zu sagen.

2 2

Ich sags

Was Spanien bei dieser EM abliefert ist nicht Titel tauglich. Wo ist da das tiqui taqua? gegen portugal hatten sie für mich sogar weniger ballbesitz.

Gast: Habe das Spiel gesehen
28.06.2012 13:35
2 8

So ist eben das Schicksal

Denn insgesamt gesehen waren die Portugiesen besser und auch eleganten. Aber sie haben leider das Elfmeter-Schießen verloren. Leider !

besonders elegant die Fouls vom Alves, gell


Kein schöner Fussball

Schön anzusehen war das Spiel gestern wirklich nicht. Ich hoffe dass die Spanier wenigstens im Finale ein bisschen mehr Zug zum Tor entwickeln und nicht wieder nur für die Ballbesitzstatistik spielen!

schade, portugal hätte es verdient!

aber so ist es im fussball, es zählen nur die tore!

Gast: andi007
28.06.2012 00:45
8 15

aha

die portugiesen hatten ein mittel, brutalste fauls!!!!

und ja, sie haben es geschafft, den spaniern ballbesitz abzuringen und nur wenige chancen zuzulassen, aber was portugal offensiv in der zweiten hälfte und in der verlängerung geboten hat, war einfach lächerlich!!!!! da war nichts mehr.

bei spanien hat iniesta einen 100%er vergeben und die portugisische abwehr (komplett gelb gestrafft) wurde mehrmals durchbrochen um die guten chancen dann zu verPASSen....

Antworten Gast: Red keinen Unsinn
28.06.2012 13:37
3 5

Die meisten Fouls und auch die brutalsten kamen von den Spaniern

Die Portugiesen waren spielerisch insgesamt gesehen besser. Doch leider haben sie das Elfmeter-Schießen verloren.

Das stimmt nicht - die meisten brutalen Fouls kamen von den Portugiesen (Alves zb)

Spanien hat besser gespielt, mehr Torchancen und ist verdient weiter

Re: aha

guten morgen!!wisch dir mal den Schlafsand aus den Augen!!

Antworten Gast: Seitenlinie
28.06.2012 07:21
12 4

Re: aha

Von "brutalst" kann hier wirklich keine Rede sein,wie die Gesten der Spieler auch in fast allen Fällen gezeigt haben.

Das man in der 2. Hälfte der Verlängerung ko war, ist dem tollen Einsatz und den vielen Laufwegen geschuldet - wann sind Sie zuletzt 120 min gelaufen?

Die Chancen von Portugal hätten wohl locker für einen Sieg gereicht und dies schon VOR der Verlängerung.

Natürlich kann von "brutalst" die Rede sein- ein Portugiese mindestens hätte mit "Rot" vom Platz müssen

Und Spanien hatte definitiv mehr Torchancen - bitte nächstes Mal objektiv mitzählen.
Spanien ist genauso viel, wenn nicht mehr gelaufen und hat in der Verlängerung noch einen drauf gesetzt- da war vom großen Ronaldo übrigens nix mehr zu sehen

Re: Re: aha

ein hundskick war das spiel gestern trotzdem

Re: Re: Re: aha

Ein "Hundskick" war das gestern keineswegs! Beide Teams agierten auf technisch und taktisch hohem Niveau! Das eigentliche Problem bestand jedoch darin, daß Real-Spanier und Real-Portugiesen einander vom Klub her viel zu gut kennen, um füreinander noch irgendwelche Überraschungen bereit zu halten. Solche Matches wirken IMMER wie taktisches Rasen-Schach und nicht wie eine offene Feldschlacht a la England-Italien! Zudem war Christiano Ronaldo gestern äußerst schlecht bei Schuß! Nicht einmal seine berühmten Freistöße fanden ihr Ziel! Insofern haben die Portugiesen aber auch keinen Grund, mit dem Schicksal ("soviel Pech"!) zu hadern. 120 Minuten müßten eigentlich zu wenigstens einen erfolgreichen Tor-Schuß reichen!

Ich wette: Heute werden wir bei BRD-Italien eine ganz andere Partie zu sehen bekommen. Spiele zwischen Teams mit unterschiedlichen Kicker-Typen und Systemen wirken nämlich IMMER irgendwie abwechslungsreicher!