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Portugal: Kontroversen um Ronaldo und Nani

28.06.2012 | 16:08 |   (Die Presse)

"Elferschießen ist doch eine Lotterie": Ronaldo musste als fünfter Elferschütze die Niederlage hilflos von der Mittellinie aus verfolgen. Nani irritierte Alves, Empörung vermischt sich nun mit Enttäuschung.

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[DONEZK] Als fünfter Elfmeterschütze kann man Spiele entscheiden. Oder, wenn man wie Portugals Superstar Cristiano Ronaldo schlichtweg Pech hat, ist derjenige zum Zuschauen verurteilt. Und weil sich in Portugal eben alles um Ronaldo dreht, stand der 27-Jährige im Mittelpunkt der Kontroversen, die am Tag nach dem EM-Aus im Halbfinale gegen Spanien kein Ende nehmen wollten.

Für die „Seleção“ war der Traum vom Finale bereits nach vier Schützen zu Ende. Dass der Kapitän erst zum fünften Penalty antreten wollte, rief notorische Kritiker des Superstars auf den Plan. Hilflos musste Ronaldo am Mittelkreis mitverfolgen, wie Cesc Fabregas Spanien ins Finale schoss. „Wir hatten diesen Plan. Wenn es 4:4 gestanden wäre und er den Elfmeter geschossen hätte, würden wir nun andere Dinge besprechen“, versuchte Portugals Teamchef Paulo Bento seinen Star in Schutz zu nehmen und zugleich seine Aufstellung der Elfmeterschützen zu rechtfertigen.

Bento, 43, wollte Kritik an seinem Star erst gar nicht aufkommen lassen. Mit diesem Vorhaben stand er jedoch ganz allein auf weiter Flur. Viele Beobachter beurteilten diese Ausgangssituation ganz anders. Für Alan Shearer, selbst einst gefürchteter Stürmer in den Reihen von Newcastle und im englischen Nationalteam, war diese Reihung sogar „absolut lächerlich. Als letzter Schütze erntet man den Ruhm und hat auch den größten Druck, aber er hat nicht einmal die Chance dazu bekommen.“ Was den BBC-Kommentator noch mehr erboste, war die Tatsache, dass Ronaldo als Kapitän hilflos an der Mittellinie gefesselt war. „Als Kapitän hätte er den ersten oder zweiten Elfer schießen müssen!“

Für Irritationen sorgten auch Nani und Unglücksrabe Alves. Der Verteidiger konzentrierte sich bereits auf die Ausführung seines Elfers, als Nani vorpreschte und ihm kurzerhand den Ball wegschnappte. Zwar verwertete der Flügelspieler von Manchester United sicher, Alves traf mit dem vierten Penalty aber nur die Latte und besiegelte damit das Aus der Portugiesen.

Ronaldo wollte fünfter Mann sein

Cristiano Ronaldo selbst verstand die Kritik an seiner Person oder der Wahl des Trainers nicht. „Bento fragte mich, ob ich den fünften Elfmeter schießen will und ich sagte Ja. Aber davor haben wir halt zwei liegen gelassen . . .“

Damit platzte sein Traum erneut, mit Portugal einen Titel zu gewinnen. Im Elfmeterschießen auszuscheiden, sei höchst unglücklich. „Ich bin traurig“, sagte Ronaldo, der allerdings im Spielverlauf zuvor zwei sehr gute Torchancen vergeben hatte. „Elferschießen ist doch eine Lotterie.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.06.2012)

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